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24.04.2020

Das Alphatier verliert den Machtkampf: Warum die Trennung von Deutsche Bank-GC Florian Drinhausen unvermeidlich war

Cum-Ex-Vorwürfe und Zinsmanipulationen, dubiose Aktiengeschäfte in Moskau und London, diverse Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Übernahme der Postbank. Die Liste der Probleme, die Prof. Dr. Florian Drinhausen geerbt hat, als er Anfang 2018 Chefjurist wurde, ist lang. Und gefährlich. Wer wie Drinhausen dafür einstehen muss, das Institut vor solch riskantem juristischen Unbill zu bewahren, befindet sich auf einem Schleudersitz. Eine Analyse von JUVE-Chefredakteur Jörn Poppelbaum.

Florian Drinhausen

Florian Drinhausen

Dieser Schleudersitz hat Drinhausen nun offenbar aus den Frankfurter Zwillingstürmen befördert. Allerdings, so ist zu hören, waren es weniger die Rechtsrisiken als solche, die den Vorstand der Bank nun bewogen haben, sich von ihrem General Counsel zu trennen. Es war offenbar vielmehr das Auftreten Drinhausens. Gegenüber Ermittlungsbehörden und Klagegegnern – und schließlich gegenüber dem designierten Rechtsvorstand Stefan Simon.

So gilt Drinhausen als Alphamännchen, der sich nur schwer von seinen (rechtlichen) Überzeugungen abbringen lässt. Manche sagen, er sei rechthaberisch, wenig offen gegenüber Vergleichen, eben „kein friedlicher Typ“, wie ihn ein Spitzenanwalt beschreibt, der ihn seit sehr vielen Jahren kennt.

Lang anhaltende Kritik

Nach JUVE-Informationen stand der Rechtschef schon seit vielen Monaten intern in der Kritik. Ein Angriffspunkt: Drinhausens angeblich falscher Umgang mit den Ermittlungsbehörden in der Geldwäsche-Affäre Regula Ende 2018. Obwohl die Staatsanwaltschaft Frankfurt seinerzeit die Kooperationsbemühungen der Deutschen Bank ausdrücklich lobte, sei es nicht Drinhausens, sondern dem Einschreiten Simons zu verdanken gewesen, dass die Bank die Affäre fast genau ein Jahr nach der spektakulären Durchsuchung habe abschließen können. Das Handelsblatt hatte Ende 2019 berichtet, Simon habe „zur Lösung des aktuellen Ermittlungskomplexes um die Offshore-Verwicklung auf die Hilfe seiner Ex-Kollegen“ von Flick Gocke Schaumburg gesetzt.

Nun heißt es in Frankfurter Anwaltskreisen, dass seitdem das Tischtuch zwischen Drinhausen und Simon zerschnitten war. Denn Drinhausen hat von Anfang an für sich in Anspruch genommen, als Rechtsabteilungsleiter derjenige zu sein, der letztendlich über Strategie und Mandatierung von Anwaltskanzleien entscheidet. Im Fall Regula ist das offenbar anders gewesen. Nach Auffassung von sehr gut informierten Anwälten sei Drinhausen spätestens zu dem Zeitpunkt persönlich davon getroffen gewesen, dass Simon nicht nur hierarchisch, sondern auch faktisch „an ihm vorbeigezogen“ sei.

Mandatierungsstreit

Damit liest sich die Mandatierung der Bankrechtskanzlei Clouth im Februar dieses Jahres ebenfalls anders. Drinhausen hatte sich nach Ablösung von Freshfields Bruckhaus Deringer als Hauptberaterin in Sachen Cum-Ex überraschend für die Frankfurter Boutique entschieden, obwohl wesentlich renommierter erscheinende Kanzleien ebenfalls bereitgestanden haben. Eine von ihnen: Flick Gocke Schaumburg.

Ob es von Stefan Simon besonders geschickt gewesen wäre, auch hier seine Ex-Kollegen einzuschalten, steht auf einem anderen Blatt.

Klar scheint allerdings, dass Simon derzeit voll auf die Unterstützung von Bank-Vorstand und -Aufsichtsrat zählen kann. Er war 2017 als Vertreter einer Großaktionärin, der katarischen Herrscherfamilie Al-Khatani, in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank eingezogen, und im Sommer des vergangenen Jahres als neuer Rechtsvorstand nominiert worden. Wenn es Simon nach seinem Amtsantritt weiterhin gelänge, nicht als Vorstand im Dienste des Großaktionärs Katar aufzutreten, sondern als Vorstand im Dienste der Bank, sei er praktisch unangreifbar. Dass Katar hinter ihm steht, werde trotzdem jeder wissen und respektieren.

Dass das auch Drinhausen wusste, ist anzunehmen. Dass er es respektierte, nicht.

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