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24.04.2020

Frankfurt: Willkie gründet Prozesspraxis mit Cleary-Anwälten

Konfliktlösung ist international ein wichtiges Standbein von Willkie Farr & Gallagher, eine deutsche Praxis gab es aber bisher nicht. Das ändert sich nun. Zu Mitte April wechselten zwei Prozesspezialisten von Cleary Gottlieb Steen & Hamilton ins Frankfurter Willkie-Büro: Matthias Schrader (36) kommt als Counsel, Dr. Johannes Schmidt (36) als Senior Associate.

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Matthias Schrader

Schrader und Schmidt haben 2011 und 2012 beide ihre Karriere bei Cleary begonnen. Schrader war zuletzt Senior Attorney, diese Position liegt bei Cleary zwischen Associate und Counsel. Er ist spezialisiert auf internationale Commercial-Streitigkeiten. Unter anderem gehörte er zu dem Team, das den Agfa-Gevaert-Konzern in einer Vielzahl von Gerichts- und Schiedsverfahren gegen den Insolvenzverwalter seines ehemaligen Geschäftsbereichs Agfa Photo vertreten hat. Auch für EDF war Schrader im Einsatz, als der französische Energiekonzern sich mit Baden-Württemberg vor einem ICC-Schiedsgericht über eine EnBW-Beteiligung stritt.

Schmidt war als Associate unter anderem für die Republik Argentinien tätig. Das Land lässt sich nach einem Staatsbankrott in zahlreichen Anleihe-Streitverfahren von Cleary vertreten. Schmidt war auch an der Strukturierung der argentinischen Vergleichsangebote beteiligt. Ein weiterer Schwerpunkt ist Kartellschadensersatz. Hier war Schmidt zuletzt Teil des Teams um den Kölner Partner Dr. Wolfgang Deselaers, das Beiersdorf im Drogerieartikelkartell vertritt.

Krisen lassen Prozesspraxen gedeihen

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Johannes Schmidt

Bei Willkie sind weltweit mehr als 200 Prozessanwälte tätig, insgesamt hat die New Yorker Kanzlei gut 700 Anwälte. Die deutsche Praxis hat einen starken Transaktionsfokus. Ihren Mandanten auf diesem Gebiet kann Willkie künftig, so der Plan, auch bei Post-M&A- und sonstigen Streitigkeiten helfen. Dass Willkie eine Litigation-Praxis aufbaut, spricht für die Attraktivität dieses Geschäftsfelds, die in der Phase der konfliktträchtigen Aufarbeitung einer Wirtschaftskrise noch zunimmt.

Bei Cleary war das Frankfurter Team zuletzt geschrumpft, vor allem weil Kapitalmarktrechtler aus der Partnerschaft ausgeschieden sind. Für die Konfliktlösungspraxis steht in Frankfurt vor allem der Schiedsexperte Prof. Dr. Richard Kreindler, dessen Team stark in das internationale Cleary-Netzwerk eingebunden ist. In Köln ist zudem ein größeres Team mit einem Schwerpunkt auf Kartellschadensersatz im Einsatz. Insgesamt umfasst die deutsche Cleary-Prozesspraxis drei Partner, einen Counsel und rund ein Dutzend Associates. (Marc Chmielewski)

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