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11.05.2020

Insolvenzrecht: K&L Gates holt großes Team um BBL-Partner Bernsau

Großer Umbruch bei BBL Bernsau Brockdorff & Partner: Namenspartner Dr. Georg Bernsau (59) verlässt die Kanzlei und wechselt zum Juli offenbar mit einem großen Team zu K&L Gates. Die Rede ist von mindestens fünf angestellten Anwälten, die mit Bernsau wechseln. In Stuttgart macht sich zudem BBL-Partner Marcus Winkler selbstständig.

Georg Bernsau

Georg Bernsau

K&L Gates war bislang keiner der großen Namen im Restrukturierungsgeschäft. Sie erwartet aber eine Zunahme präventiver Sanierungen im Rahmen der europäischen Restrukturierungsrichtlinie und will sich mit dem erfahrenen Bernsau-Team rechtzeitig positionieren.

Zu den Wechslern gehören neben Bernsau offenbar zwei Local-Partner:
Harald Knittel (56) hat einen Beratungsschwerpunkt bei insolvenzrechtlicher Prozessführung. Er kam 2009 zu BBL und wirkte etwa in den Verfahren ‚Röder Präzision‘, ‚Mibusa‘ sowie ‚Fink Schuhe und Sport‘ mit.
Dr. Simone Wernicke (50) berät bei BBL arbeitsrechtlich Restrukturierungen. Sie kam 2018 von der Arbeitsrechtsboutique Hensche, und war zuvor unter anderem bei Ecovis Grieger Mallison, bei Winterstein und dem Arbeitgeberverband Südhessen/Hessenmetall tätig.

Auf Associate-Ebene wechseln mit unterschiedlichen Schwerpunkten die Sanierungserfahrenen Hans Beyer (Steuer- und Finanzrecht), Nadja Raiß (Insolvenzverwaltung) und Nicole Stephan (Arbeitsrecht).

BBL führt ihr Büro in Frankfurt mit zunächst vermindertem Team fort

Im April hatte BBL in Frankfurt bereits Dr. Alexander Höpfner, Partner der ersten Stunde, an den Konkurrenten AC Tischendorf verloren. Der verbleibende Frankfurter Partner Steffen Schneider wird zukünftig das dortige Büro leiten. Sein Schwerpunkt liegt in der Eigenverwaltung und der vorinsolvenzlichen Beratung. Für den Standort weist die Kanzlei bisher die vier Associates Marcus Garcia Hoffmann, Oliver Reich, Dr. Mark Schüssler und Roland Spitzer aus.

Marcus Winkler

Marcus Winkler

Local-Partner Ivica Dalic (39) soll zum Juni ebenfalls wechseln: Er arbeitete bisher für den Stuttgarter Partner Marcus Winkler (47), der sich offenbar ab Juni in einer eigenen Kanzlei selbstständig macht. Winkler ist ein erfahrener Insolvenzrechtler und verwaltete an großen Verfahren etwa den Fahrzeugzulieferer Reum mit 1.100 Mitarbeitern, den Textilhersteller EP Elsterberg und die im Maschinenbau tätige Niederberger-Gruppe.

BBL zählt mit bisher 14 Partnern und rund 55 Berufsträgern zu den größten Insolvenzkanzleien in Deutschland. Trotzdem vermissen die Wechsler dort offenbar eine fachliche Breite in benachbarten Rechtsgebieten wie internationalem Steuer- und Finanzrecht, die sie bei K&L Gates zu finden hoffen.

Christian Graf Brockdorff

Christian Graf Brockdorff

Mitgründer Christian Graf Brockdorff äußert Bedauern, aber auch Verständnis, dass sein langjähriger Partner Bernsau künftig neben mittelständischen Unternehmen auch komplexe und internationale Konzerne beraten möchte: „Dafür braucht es die internationale Struktur einer Großkanzlei, aber meine 12 Partnerkollegen und ich bevorzugen eine überschaubare, persönlich geprägte Kanzleistruktur.“ Die Kanzlei will sich unter Beibehaltung der Marke „BBL“ organisatorisch neu aufstellen und Eigenverwaltung, Insolvenzverwaltung und Beratung enger zusammenführen.

Bernsau begann 1991 seine Anwaltstätigkeit. 2003 gründete er, nachdem er die Kanzlei Westphal & Spilker verlassen hatte, zusammen mit Stefan Rieger und Götz Lauterbach die Sozietät Bernsau Rieger Lautenbach. Dort schied Rieger 2006 aus, und Bernsau führte die verbliebene Bernsau & Lautenbach 2009 in die Fusion mit der Sozietät Brockdorff Rechtsanwälte. Daraus entstand BBL, aus der Lautenbach ein Jahr später wieder ausschied.

Bernsau beriet unter anderem 2019 den Schuhhändler Schuhpark Fascies in der Eigenverwaltung, die mit einer erfolgreichen Restrukturierung über einen Insolvenzplan endete, und 2017 den Erotikhändler Beate Uhse, als dieser Insolvenz anmeldete. (Ludger Steckelbach)

 

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