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31.07.2020

Legal Operations: Wo müssen Rechtsberater noch besser werden?

Effizienter, moderner, sparsamer: Mit Legal Operations wollen Rechtsabteilungen die Zusammenarbeit mit Kanzleien und neuartigen Rechtsdienstleistern auf ein höheres Niveau heben. Wie kann das gelingen? JUVE hat mit Legal-Operations-Verantwortlichen in Unternehmen und Kanzleien zu den aktuellen Entwicklungen gesprochen.

JUVE: Legal Operations heute und vor einem Jahr – wie hat sich die Erwartungshaltung von Rechtsabteilungen gegenüber Kanzleien verändert?

Dr. Alexander Niethammer, Managing-Partner Deutschland, Eversheds Sutherland

Alexander Niethammer

Alexander Niethammer

Die Rechtsabteilungen durchlaufen bereits seit einiger Zeit einen Rollenwandel hin zum Risikomanager und Business Partner, der einen messbaren Beitrag zur Wertschöpfung und damit zum Unternehmenserfolg beisteuert. Trends wie Kosten- und Leistungsdruck werden durch die Coronakrise nun zusätzlich verstärkt und treiben den Veränderungsprozess in der Zusammenarbeit voran. Zwei Entwicklungen waren bereits vor der Pandemie zu beobachten: einerseits wird gerade bei großen und international tätigen Unternehmen die Anzahl der externen Rechtsberater, beispielsweise in Form eines Panels, immer weiter verdichtet. Gleichzeitig findet in der Breite eine Verlagerung von der traditionellen Abhängigkeit von einer einzelnen Kanzlei, die den Löwenanteil der externen Beratung erbringt, hin zu einem Pool von Rechtsdienstleistern mit komplementären Angeboten statt. Auf diesem Wege lassen sich die verschiedenen rechtlichen Bedürfnisse des Unternehmens entflechten und für jede Aufgabe kann der jeweils am besten geeignete Berater ausgewählt werden. Damit wird die Arbeit aber auch komplexer und die Anforderungen an Kostenkontrolle, Qualitätssicherung und eine systematische Auswertung der Beratungsleistungen nehmen zu. Von Kanzleien wird mehr Business-Verständnis, Alternativen zum Stundensatz-Modell und die Bereitschaft, mit andere Wettbewerbern zusammenzuarbeiten erwartet.

JUVE: Wie können Kanzleien mit neuartigen Rechtsdienstleistern konkurrieren?

Karsten Hardraht

Karsten Hardraht

Dr. Karsten Hardraht, Chefsyndikus, KfW Bankengruppe

Wichtig für jede Kanzlei ist eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit ihrem Geschäftsmodell. Je nachdem, welche Mandantschaft und welche Beratungsfelder sie im Blick hat, wird dieses Thema entweder eine eher untergeordnete oder eine zentrale Rolle spielen. Im letztgenannten Fall ist operationelle Exzellenz, gepaart mit Offenheit für neue technologische Lösungen, Pflichtprogramm. Das ist aber gleichzeitig der Teil, den neuartige Rechtsdienstleister oft besonders gut können, so dass sich Kanzleien hier nur selten werden abheben können. Entscheidend ist daher, dass sie sich genau überlegen, welchen – vor allem anwaltlichen – Mehrwert und welche fachliche Expertise sie den neuartigen Rechtsdienstleistern gegenüber bieten können. Diesen gilt es kontinuierlich zu pflegen, auszubauen und zu betonen. Erfolgversprechend scheint mir auch, die Scheu vor manchen vermeintlich niedrigpreisigen Segmenten abzulegen und genau zu hinzuschauen: Welche dieser Segmente könnten geeignet sein, Mandanten an sich zu binden, besser kennenzulernen und sich auf diesem Weg für höherwertige, tatsächlich und rechtlich komplexere Mandate unentbehrlich zu machen.

JUVE: Wie weit müssen sich Kanzleien zu Prozess- und Projektmanagern entwickeln?

Nina Stoeckel

Nina Stoeckel

Nina Stoeckel, Head of Group Legal & Compliance Operations, Merck KGaA

Das kommt auf das jeweilige Mandat an. In größeren Projekten, die eine dedizierte Projektsteuerung erfordern, ist es sinnvoll, diese Ressourcen auf Kanzleiebene in das Team einzubeziehen – nicht zuletzt, um hier eine attraktive Vergütungsstruktur anbieten zu können. Ausgebildete Projektmanager können dabei wesentlich effizienter und professioneller agieren, als wenn diese Aufgabe allein über die involvierten Juristen abgedeckt wird. Daher gehört für Merck das Angebot von Prozess- und Projektmanagern in größeren Projekten zum Portfolio, das wir von unseren externen Beratern erwarten.

JUVE: Gibt es einen Bereich von Legal Tech (z.B. Vertragsanalyse), der ohne ein grundlegendes Investment in Legal Operations erfolgreich sein kann?

Lars Kuchenbecker

Lars Kuchenbecker

Lars Kuchenbecker, Co-Managing-Partner, Menold Bezler

Als wichtiger Schritt vor dem Einsatz von Legal Tech-Tools steht in jeder Kanzlei die Erfassung der Ist-Situation. Die bestehenden Prozesse müssen analysiert und strategische Aufgaben müssen von operativen abgegrenzt werden. Erst danach macht es Sinn, über eine passende Legal-Tech-Lösung nachzudenken, die Prozesse und Kosten optimiert. Die effizientesten und am Markt verfügbaren Lösungen machen keinen Sinn, wenn die Kanzlei- und Arbeitsabläufe hierauf nicht abgestimmt sind. Und viel wichtiger als die Frage des finanziellen Investments in Legal Operations ist die Bereitschaft der Berufsträger, solche Produkte auch tatsächlich in ihren individuellen Workflow einzubauen.

Die Fragen stellte Helena Hauser.

Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 8/2020 des JUVE Rechtsmarkt.

Außerdem erfahren Sie mehr zum Thema Legal Operations auf der Online Konferenz am 29. September.

 

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