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02.07.2020

Prominenter Abgang bei CMS: Dorothee Ruckteschler macht sich selbstständig

CMS Hasche Sigle verliert eine Galionsfigur ihrer Disputes-Praxis: Zum Oktober macht sich die Stuttgarter Partnerin Dr. Dorothee Ruckteschler (64) selbstständig. Sie wird vor allem als Schiedsrichterin tätig sein. Die Konstellation ist ähnlich wie bei Freshfields Bruckhaus Deringer: Auch dort ist vor Kurzem einer der renommiertesten Partner, Prof. Dr. Rolf Trittmann, ausgeschieden, um sich verstärkt Schiedsrichtermandaten zu widmen. 

Dorothee Ruckteschler

Dorothee Ruckteschler

Beide wollen mit ihrem Schritt einem typischen Problem von Großkanzleipartnern im Schiedsrecht entgehen: Je erfahrener sie sind, desto mehr und interessantere Schiedsrichtermandate werden ihnen angetragen – allerdings müssen die meisten aus Konfliktgründen abgelehnt werden.

Litigation-Pionierin in Deutschland 

Ruckteschlers Karriere begann 1987 bei der Freshfields-Vorgängerkanzlei Stegemann Sieveking Lutteroth in Hamburg. 1991 wechselte sie zu CMS, damals Sigle Loose Schmidt-Diemitz, nach Stuttgart. Im Jahr 2000 wurde sie Partnerin – zunächst in Teilzeit. Das hatte es bis dahin bei CMS nicht gegeben – und ist auch heute noch, 20 Jahre später, in vielen Großkanzleien kaum vorstellbar. 

Zu Beginn ihrer Laufbahn beriet Ruckteschler auch zu Transaktionen – inklusive Post-M&A-Streitigkeiten. Anfang der Nullerjahre wurden Schiedsverfahren immer beliebter, und der Markt internationalisierte sich. Spezialisierte Disputes-Praxen waren den meisten deutschen Kanzleien fremd, im Gegensatz zu ihren neuen internationalen Wettbewerbern und Mandanten, die es irritierte, dass die Deutschen meist keine Litigation-Praxis bieten konnten. Der Aufbau einer solchen wurde deshalb Ruckteschlers Partner-Case. 

Managerhaftung und Schiedsverfahren

Über die Jahre wuchs das Team zu einer der führenden Praxen heran. Zuletzt trieb Ruckteschler als Leiterin der International Arbitration Group von CMS unter anderem die Eröffnung eines Büros in Hongkong voran, das seit 2016 von Dr. Nicolas Wiegand geleitet wird. Bekannte Mandate Ruckteschlers sind die Vertretung des früheren UniCredit-Chefs Alessandro Profumo gegen eine 17-Milliarden-Euro-Aktionärsklage wegen des Verkaufs einer Bank-Austria-Beteiligung sowie die Vertretung des Ex-HVB-Finanzvorstands Rolf Friedhofen in einer Organhaftungsklage wegen Cum-Ex-Geschäften. Im Markt wird sie inzwischen vor allem als Schiedsexpertin wahrgenommen, Ruckteschler genießt sowohl als Parteivertreterin wie auch als Schiedsrichterin einen exzellenten Ruf. 

Die deutsche CMS-Disputes-Praxis wird seit Anfang des Jahres von dem Stuttgarter Partner Dr. Thomas Lennarz geleitet, der das Gros von Ruckteschlers Prozessmandaten übernehmen wird, und von Wiegand aus dem Hongkonger Büro. Die große Praxis verfügt über mehr als ein Dutzend Partner, die im Markt angesehen sind für Streitigkeiten vor staatlichen und Schiedsgerichten – allerdings ist nach Ruckteschlers Abgang keine Frau mehr darunter. (Marc Chmielewski)

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