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04.09.2020

Abschied: Zwei Partner von Allen & Overy gründen eigene Kanzleien

Zwei Partner von Allen & Overy verlassen die Kanzlei und gründen eigene Boutiquen. Dabei handelt es sich um den Chef der öffentlich-rechtlichen Praxis, Dr. Olaf Otting (55), und um den angesehenen Datenschutzspezialisten Dr. Ulrich Baumgartner (49). Otting wird ab November von Hanau aus seine Mandanten betreuen, gemeinsam mit dem erfahrenen Associate Christoph Zinger, der in der neuen Kanzlei ebenfalls Partner wird. IT-Rechtler Baumgartner wird in München bleiben, die Eröffnung seiner Kanzlei ist für den Jahreswechsel geplant.

Olaf Otting

Olaf Otting

Otting, dessen Praxis als Paradebeispiel einer erfolgreichen und integrierten öffentlich-rechtlichen Einheit innerhalb einer Großkanzlei gilt, war 2012 von Gleiss Lutz zu Allen & Overy gekommen. Auch bei Gleiss hatte der Vergaberechtler bereits die Praxisgruppe geleitet, die damals als eine der erfolgreichsten in Deutschland galt. Nun hat sich Otting dafür entschieden, eine eigene Kanzlei zu gründen.

Mit ihm geht Christoph Zinger, der Associate wird in der neuen Sozietät ebenfalls Partner. Die beiden werden die bestehenden Mandate weiter bearbeiten, dazu gehören seit vielen Jahren die Beratung der Deutschen Bahn bei vielen Vergabethemen sowie eine Reihe städtebaulicher Projekte. Darunter fällt beispielsweise die umfassende Beratung der Stadt Hanau, die Otting bei verschiedenen Projektentwicklungen, zuletzt rund um den Hauptbahnhof, begleitet. Mit Allen & Overy wollen Otting und Zinger auch zukünftig projektbezogen zusammenarbeiten.

Allen & Overy setzt im Öffentlichen Wirtschaftsrecht weiter auf Counsel Dr. Udo Olgemöller, der 2012 mit Otting von Gleiss gekommen war. Olgemöller soll vor allem transaktionsbezogenes Geschäft mit außenwirtschafts- und umweltrechtlicher Kompetenz weiterentwickeln. Dafür sei er bereits im Partnerprozess, hieß es von Kanzlei. Mit ihm zählt das Team dann noch zwei Associates.

Auch IT-Partner gründet eigene Kanzlei

Ulrich Baumgartner

Ulrich Baumgartner

Für Baumgartner war es bei Allen & Overy ein kurzes Intermezzo, er wechselte erst im November vergangenen Jahres dorthin und sollte die Lücke schließen, die der Datenschutzexperte Tobias Neufeld Ende 2018 mit seinem Weggang hinterlassen hatte.

Baumgartner war vor Allen & Overy elf Jahre lang bei Osborne Clarke und gehörte dort zur angesehenen IT- und Datenschutzpraxis. Schon früh fokussierte er sich auf den Datenschutz, was sich vor allem im Zuge der Einführung der DSGVO im Mai 2018 positiv niederschlug. Er kam seinerzeit von Gibson Dunn & Crutcher und zählte dort 2002 zu den ersten Anwälten des frisch eröffneten Münchner Büros. 

Für Allen & Overy bedeutet sein Weggang einen Verlust, da die Kanzlei im Datenschutz über keinen anderen derart visiblen Anwalt verfügt. Das spielt zum einen bei technikgetriebenen Transaktionen, aber auch bei internen Untersuchungen eine Rolle. Zuletzt war Baumgartner beispielsweise Teil des Teams, das den Londoner Wachstumskapitalgeber One Peak bei der Beteiligung am deutschen Datenschutzdienstleister DataGuard beriet. In der Datenschutzberatung verbleiben ein Counsel und vier Associates. Drei von diesen Associates waren im vergangenen Jahr ebenfalls von Osborne Clarke gekommen. Allen & Overy und Baumgartner wollen ebenfalls künftig bei Projekten kooperieren.

Dass sich einzelne Datenschutzrechtler aus Großkanzleien selbstständig machen, hat es in den vergangenen Jahren nur selten gegeben. Jüngstes Beispiel ist Prof. Dr. Sibylle Gierschmann, die nach 14 Jahren Partnerschaft bei Taylor Wessing im Sommer 2019 ihre eigene Kanzlei eröffnete.

Allen & Overy hat ein recht wechselhaftes Jahr hinter sich: Nach einer Restrukturierung und einigen Weggängen – im März ging beispielsweise Christoph Enderstein zu Norton Rose Fulbright – konnte sie Anna Masser von Jones Day gewinnen, um als Nachfolgerin von Dr. Daniel Busse eine neue Schiedsrechtspraxis aufzubauen. Außerdem zogen sich im Juni Dr. Astrid Krüger und Thomas Ubber aus dem Management zurück. Seit Mitte Juni leitet Dr. Wolf Bussian die Geschicke der deutschen Büros. (Christiane Schiffer, Eva Flick, Antje Neumann)

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