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20.01.2021

Neustart in München: Tengelmann-Holding ernennt Chefjuristen

Die Tengelmann-Gruppe verlagert ihre interne Rechtsberatung vom Ruhrgebiet nach München. Ihren traditionsreichen Stammsitz in Mülheim hatte Tengelmann Anfang 2020 verkauft und im Zuge dessen auch die Position des General Counsel zum Januar neu besetzt: In München hat die Holdinggesellschaft Tengelmann Twenty-One mit Dr. Henning Asche (51) einen erfahrenen Syndikus an Bord geholt, der zuvor in leitender Position in der Rechtsabteilung von Linde tätig war.

Henning Asche

Henning Asche

Asche steht für seinen Job zunächst ein Team von vier Berufsträgern zur Verfügung, die zum Teil aus der früheren Konzernzentrale in Mülheim an der Ruhr stammen, zum Teil noch recht frisch im Unternehmen sind. Weitere Juristen sind zudem in den Tochterunternehmen, darunter Obi und Kik, tätig. Asche berichtet direkt an Tengelmann-CEO Christian Haub, der über die Holding Twenty-One die Tengelmann-Firmengruppe steuert. 2019 erzielte diese mit mehr als 90.000 Angestellten rund 8,1 Milliarden Euro an Umsatz.

Seine Laufbahn begann Asche einst bei Clifford Chance, war dann mehr als 14 Jahre beim Gasehersteller Linde tätig, bevor er Ende 2019 dort ausschied, um ein Sabbatjahr einzulegen. Beim Dax-Konzern war er beispielweise zweieinhalb Jahre Rechtschef in Südostasien, bevor er am Schluss mehr als vier Jahre als Head of Legal Corporate & Finance die gesellschafts- und finanzierungsrechtlichen Themen der Linde-Gesamtgruppe verantwortete. In dieser Funktion hatte er an der Seite von General Counsel Dr. Christoph Hammerl eine maßgebliche Rolle bei der Planung und Umsetzung der Fusion von Linde und Praxair. 

Zum Kernteam von Asche zählt auch Markus Halaczinsky, der zum Jahresbeginn aus dem bisherigen Venture-Arm der Tengelmann-Gruppe als Director Legal nach München wechselte. Neben den Start-up-Investments − Tengelmann hat in der Vergangenheit unter anderem in die Modeplattformen Global Fashion Group, Lazada und Zalando, aber auch in Delivery Hero und Klarna investiert −  wird Halaczinsky auch gesellschaftsrechtliche Belange und M&A-Transaktionen der Gruppe koordinieren.

City-Büros statt Mutterhaus

Im Frühjahr 2020 hatte Tengelmann unter CEO Christian Haub den Stammsitz in Mülheim verkauft und angekündigt, künftig mit Projektbüros in Greenwich (USA), Düsseldorf und auch in München präsent sein zu wollen – ein ungewöhnlicher Schritt für ein Traditionsunternehmen, der sich auch auf die Rechtsfunktionen auswirkt. Der langjährige Tengelmann-Rechtschef Dr. Frank Hartmann (60) wird nach JUVE-Recherchen das Familienunternehmen nach einer Übergangsphase verlassen, um sich neuen Aufgaben zuzuwenden.

In den Hochphasen des Konzerns − als die Lebensmittel-Discount-Sparte Plus, die große Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann und eine Beteiligung an Netto noch dazu gehörten −  hatte Hartmann rund ein Dutzend Mitarbeiter im Legal-Bereich. Als Company Secretary war er zudem bei den Gesellschafterversammlungen als einziges Nichtmitglied der Eigentümerfamilie anwesend und koordinierte auch den Beirat. Dieses dreiköpfige Gremium wurde, nach einigen familiären Auseinandersetzungen, jüngst ebenfalls neu besetzt. (Sonja Behrens)

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