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02.02.2021

Inhouse-Verband: ACC-Studie unterstreicht Legal-Operations-Trend

Nordamerikanische Chefjuristen bewegen sich derzeit auf einem sehr ähnlichen Kurs wie ihre deutschen Kollegen: Legal Operations wird immer wichtiger, Vertragsmanagement digitaler und die Risikolandschaft komplexer. Klare Unterschiede bleiben dennoch.

Knapp 1.000 Chefjuristen aus aller Welt, weit überwiegend mit kleinen Teams von maximal zehn Anwälten, beteiligten sich an der jüngsten Umfrage der Association of Corporate Counsel (ACC). Gut 70 Prozent der Teilnehmer kamen aus Nordamerika. Chefjuristen aus Europa – inklusive Großbritannien – stellten sechs Prozent der Antwortenden.

Ganz klar ist der globale Aufstieg von Legal Operations. In der ACC-Umfrage 2015 hatten nur 21 Prozent der weltweit befragten Rechtsabteilungen mindestens einen Legal-Ops-Spezialisten im Team. Derzeit sind es laut ACC 61 Prozent.

Legal Ops Vormarsch

Legal-Ops-Trend auch in Deutschland – aber zeitverzögert

Diesen Trend gibt es auch in Deutschland, allerdings mit einigen Jahren Rückstand. Die JUVE-Inhouse-Umfrage Ende 2020 ergab, dass inzwischen 23 Prozent der deutschen Rechtsabteilungen über eine Legal-Operations-Funktion verfügen. Ein Jahr zuvor waren es 19 Prozent, vor zwei Jahren sogar erst 13 Prozent. Immerhin beschäftigen aber auch in Deutschland längst mehr als 60 Prozent wenigstens einen nichtjuristischen Experten, der den Inhouse-Anwälten zumindest einen Teil der Organisationsaufgaben abnimmt, sei es Projektmanagement oder IT.

Auch in einem anderen Punkt ähneln sich die Rechtsteams dies- und jenseits des Atlantiks: Sie erweisen sich als recht coronarobust. Trotz insgesamt größerer Unsicherheit plant hier wie dort ein recht großer Anteil die Neueinstellung von Berufsträgern. Sind es in Deutschland 38 Prozent, so sind es auf globaler Ebene 32 Prozent. Entlassungen plant jeweils  nur ein sehr kleiner Teil der Befragten.   

Rechtsrisiken nehmen weltweit zu

Ein zentraler Grund für diese vergleichsweise gute Perspektive ist, dass Rechtsrisiken weltweit zunehmen. International steht dabei der Datenschutz recht weit oben auf der Risikoskala, nur getoppt durch industriespezifische Regulierung. Doch es zeigen sich auch bemerkenswerte regionale Unterschiede. So spielt in Europa das Risiko durch eine veränderte politische Landschaft eine wesentlich geringere Rolle als im Rest der Welt. Das zeigt ein hohes Vertrauen in die politische Stabilität des Kontinents.

Kartell- und Wettbewerbsrecht wiederum bilden in Europa und vor allem Asien einen höheres Risiko als in den Vereinigten Staaten. Unterschiedlich gewertet wird auch das Thema Klimaschutz: Nur 11 Prozent der Chefjuristen in den USA sehen darin eine große Herausforderung. Im Nachbarland Kanada sind es schon 22 Prozent und in Europa 33 Prozent.

ESG-Trend treibt Inhouse-Juristen um

Dennoch rücken potenziell weichere Themen wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung stärker in den Fokus. Eine signifikante Minderheit der durch die ACC-Befragten erlebt bereits Druck durch Investoren, sich dieser Themen anzunehmen. Vor allem in den USA bekommt Diversity im Zuge der Rassismusdiskussion eine neue Aufmerksamkeit.

In Deutschland und Europa spiegelt sich dies in diversen Gesetzesinitiativen. So gehören laut Referenten auf dem digitalen Jahreskongress des Bundesverbands der Unternehmensjuristen (BUJ) die diskutierten Lieferkettengesetze auf EU- und nationaler Ebene zu den aktuell wichtigen Compliance-Themen. Ebenfalls viel diskutiert sind das Unternehmensstrafrecht sowie neue Regeln zur Finanzmarktintegrität oder Geldwäsche – letztlich alles Governance-Regeln. (Astrid Jatzkowski)

Weitere Ergebnisse aus der aktuellen JUVE-Inhouse-Umfrage und wie es den deutschen Syndikusanwälten in der Corona-Krise geht, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 2/2021 des JUVE Rechtsmarkts

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