Artikel drucken
11.03.2021

Kammerwahl beginnt: Grabenkämpfe in Düsseldorf gehen weiter

Am heutigen Donnerstag beginnt bei der Düsseldorfer Rechtsanwaltskammer die digitale Wahl für den Kammervorstand. Zur Wahl stehen insgesamt 22 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte aus sechs Landgerichtsbezirken. Vor allem bei der Mobilisierung der Wähler in den Landgerichtsbezirken Duisburg und Wuppertal zeigt sich, wie tief die Gräben zwischen Modernisierern und Traditionalisten vor Ort sind.

Sven-Joachim Otto

Sven-Joachim Otto

Feindbild der Traditionalisten ist dabei die Düsseldorfer Großkanzleigesellschaft. So grenzt sich etwa der Solinger Anwalt Robert Kersting, in einem Schreiben, das JUVE vorliegt, deutlich vor allem von Prof. Dr. Sven-Joachim Otto von EY Law ab. Otto, der bereits 2017 mit einer offziellen Liste sogenannter Modernisierer zur Wahl stand, unterstützt weitere sechs Anwälte, die allesamt als Einzelanwälte oder in kleinen Kanzleien tätig sind. Neben Otto steht nur noch Bird & Bird-Partner Dr. Jan Byok als Großkanzleivertreter zur Wahl, der ebenso unterstützt wird.

Das langjährige Vorstandsmitglied Kersting erklärt in dem Schreiben, dass Otto die Interessen der kleinen Anwälte nicht teilen würde. Berufspolitisch ist Kerstings Ziel, „gerade unter dem wachsenden Druck von Legal Tech und anwaltsfremden Dienstleistern, die auf den Markt drängen, die ‚normalen‘ Anwälte zu unterstützen, um ihr Überleben zu sichern“. Insbesondere Otto gehört für Kersting nicht der Gruppe ‚normaler‘ Anwälte an.

Kersting, Partner der Kanzlei SSR Sieger + Kersting, empfiehlt vor allem Kollegen, mit denen er bis Ende 2020 im Vorstand der Rechtsanwaltskammer saß. Der Verkehrs- und Versicherungsrechtler hatte sich mit weiteren Vorstandsmitgliedern, darunter der langjährige Präsident Herbert Schons, Ende 2020 aus dem Vorstand zurückziehen müssen. Zuvor hatte der Bundesgerichtshof die Wahl von 2017 für ungültig erklärt. Nun kämpft Kersting in Wahlbezirk Wuppertal, zu dem Solingen gehört, mit zwei weiteren Anwälten erneut um ein Mandat. Insgesamt werden in Wuppertal zwei Sitze vergeben.

Kerstings Stellungnahme lag dem zweiten Jahresrundschreiben des Duisburger Vereins der Landgerichtsanwälte bei. In dem Schreiben richtete sich der erste Vereinsvorsitzende Florian Hesse an seine Mitglieder, um zur Wahl zu mobilisieren. Der Partner der Duisburger Kanzlei Moseler + Hesse grenzt den Verein und seine politischen Empfehlungen darin ebenso deutlich von denen Ottos ab. Den EY-Law-Partner sieht Hesse als Anführer einer Gruppe weiterer Kandidaten, die Klientelpolitik betreiben und die besser nicht gewählt werden sollten.

„In den bekanntlich schwierigen Zeiten, in denen von vielen Seiten versucht wird, das Berufsbild der Anwaltschaft grundlegend zu verändern“, empfiehlt der Verein Kandidaten zur Wiederwahl, die genau diesen Wandel verhindern helfen sollen.

Otto sieht solche Äußerungen zum politischen Programm der zukünftigen Kammervertreter kritisch. Die Kammer sei als funktionale Selbstverwaltung der Rechtsanwälte mit Pflichtmitgliedschaft nicht dafür da, politische Forderungen aufzustellen, die auf Wettbewerbsvermeidung abzielen. „Sie hat die Aufgabe, die Tätigkeit der Anwaltschaft als Dienstleister von Verbrauchern und Unternehmen zu überwachen. Auf deren Schutz zielt die Bundesrechtsanwaltsordnung“, sagte der EY Law-Partner gegenüber JUVE. (Martin Ströder)

  • Teilen