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27.04.2015

JUVE spricht mit …. Dr. Marcus Grosch von Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan

Eine Umsatzsteigerung um 13 Prozent auf fast 24 Millionen Euro, ein Umsatz pro Berufsträger (UBT) von 992.000 und pro Equity-Partner (UEP) von 7,9 Millionen Euro: Den deutschen Büros von Quinn Emanuel scheinen momentan kaum Grenzen gesetzt. Ihr Managing-Partner Marcus Grosch erklärt die weiteren Pläne der Kanzlei und wie der Einstieg in das nicht IP-getriebene Prozessgeschäft endlich gelingen soll.  

Marcus Grosch

Marcus Grosch

JUVE: Trotz des starken IP-Schwerpunkts bestehen für Quinn Emanuel mit den neuen Geschäftszahlen wieder gute Chancen beim UBT und UEP vor den Transaktionskanzleien zu liegen. Wie schaffen Sie das?
Marcus Grosch: Ich war schon immer der Auffassung, dass Litigation und insbesondere das Highend-Geschäft bei IP-Prozessen profitabler sein können als das normale Transaktionsgeschäft. Das liegt daran, dass die Prozessführung in Großverfahren letztlich nicht standardisierbar ist. Es geht darum, die neutralen und juristisch hervorragend geschulten Spruchkörper von der Berechtigung einer Position zu überzeugen. Hier sind die individuelle Gestaltung und die Qualität der Argumentation primär entscheidend, weil rein sachliche, juristische Kriterien für die Gerichte maßgeblich sind. Ferner nimmt die Komplexität rechtlicher Auseinandersetzungen ständig zu. Anwälte können sich also durch Qualität und Einsatzbereitschaft deutlicher von Wettbewerbern unterscheiden.  

Die innige Mandatsbeziehung Ihrer Kanzlei zu Google ist bekannt. Was wäre, wenn das Mandat morgen weg wäre?
Google ist sicher ein sehr wichtiger Mandant für uns. Während meiner unternehmerischen Tätigkeit gab es immer Phasen, in denen bestimmte Mandanten die Arbeit besonders geprägt haben. Das ist für eine Kanzlei, die sich auf das Führen großer Verfahren fokussiert, normal. Aber die Gewichte verändern sich immer wieder. Quinn Emanuel Deutschland führt derzeit sicherlich an die hundert Verfahren für ganz unterschiedliche Mandanten. Eine Abhängigkeit von Google sehe ich nicht.

Wie viel Spielraum nach oben sehen Sie noch im deutschen IP-Geschäft?
Deutschland ist weiterhin mit hervorragenden Richtern an verschiedenen Gerichtsständen optimal positioniert. Gerade mit dem neuen europäischen Patentgericht (UPC) kommt auf die deutschen Patentkammern und Anwälte viel Arbeit zu. Hier werden die in Patentfällen erfahrenen deutschen Anwälte auch durch die Vertretung vor Kammern anderer EU-Staaten viel für Mandanten und zur Entwicklung des neuen Systems beitragen. Die Möglichkeiten, mit Zulassung vor Kammern anderer EU-Staaten aufzutreten, wird sicherlich ein belebendes Element sein.

Sie haben schon 2010 nach dem Markteintritt hierzulande klar gemacht, dass Quinn Emanuel mehr will als nur IP-nahe Prozesse. Doch der Einstieg in das Geschäft mit Corporate- und Banking-Prozessen will nicht recht gelingen. Woran liegt es?
Im Unterschied zu anderen Kanzleien agieren wir deutlich opportunistischer. Wir würden nie wegen einer Erweiterungsstrategie in anderen Bereichen Quereinsteiger aufnehmen, wenn wir Zweifel haben, dass die Betreffenden zu uns passen. Es gibt keine Abstriche an unseren Maßstäben. Dann dauert es eben länger oder es geschieht gar nichts. Wir haben bislang keine passende Person gefunden, und die Möglichkeiten der vier Quinn-Partner sind schlicht zeitlich limitiert. Damit ist dem Aufbau neuer Praxisbereiche eine natürliche Grenze gesetzt.

Was sind Ihre nächsten Pläne für Deutschland?
Wir sind nicht festgelegt. Wenn wir in einem Bereich streitiger Auseinandersetzungen auf passende Kollegen treffen, können wir uns Quereinsteiger und auch die Eröffnung weiterer Standorte vorstellen.

Das Gespräch führte Mathieu Klos.

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