Artikel drucken
22.11.2017

Management-Interview: Warum Bird & Bird eine weitere Partnerkanzlei in China braucht

Bird & Bird expandiert international – in China mit einer weiteren Kooperationskanzlei, in den USA mit einem ersten Repräsentanzbüro. Über die Strategie dahinter sprach JUVE mit Sven-Erik Heun, dem Vorsitzenden des dreiköpfigen deutschen Managements.

Sven-Erik Heun

Sven-Erik Heun

Juve: Mit der chinesischen Großkanzlei AllBright Law Offices haben Sie jüngst eine enge Kooperation vereinbart. Sie haben in China bereits drei eigene Büros und eine Kooperation für IP-Prozesse mit Lawjay Partners. Schaffen Sie so nicht reichlich Konfliktpotenzial?
Heun: Nein, da wir in dieser Konstellation komplementäre Strategien verfolgen. Mit unseren Büros in Peking und Schanghai begleiten wir unsere westlichen Mandanten bei ihren Unternehmungen in China. Lawjay führt IP-Prozesse für unsere westlichen Mandanten. An all dem hat AllBright kein Interesse, sondern sie wollen ihre große chinesische Mandantenbasis in internationale Märkte begleiten und suchten für das China-Outbound-Geschäft verlässliche Partner. Für uns ist diese Kooperation perfekt, da AllBright keine internationale Kanzlei ist, sondern ein Partner, mit dem wir Zugang zu chinesischen Mandanten erhalten und AllBright diesen Mandanten mit uns einen breit aufgestellten Partner bieten kann.

AllBright Law wird im Londoner Bird & Bird-Büro eine Präsenz einrichten: Welche Vorteile bietet dies Ihrer Kanzlei?
Unser Vorteil liegt darin, dass wir mit Partnern von AllBright in London vor Ort direkte Ansprechpartner haben, die die kulturellen Unterschiede erkennen und für die chinesischen Mandanten überbrücken.

Was bringt diese Kooperation der deutschen Praxis?
Es ist eine riesige Chance, da China einer der wichtigsten Märkte für Rechtsberatung werden wird. Gleichzeitig investieren Chinesen viel in Deutschland. Mit AllBright haben wir einen Partner mit einem großen chinesischen Mandantenstamm, der für die deutsche Praxis aufgeschlossen wird. Diese Mandanten brauchen nicht nur Rechtsberatung, wenn sie Unternehmen in Deutschland kaufen, sondern auch Anwälte, die ihre regulierungsrechtlichen und operativen Fragen beantworten. Zum Beispiel, wenn ein chinesisches Unternehmen in den deutschen Verteidigungssektor investieren will. Wir sind mit unserem China-Desk, zu dem bereits doppelt qualifizierte Anwälte gehören, darauf bestens vorbereitet.

Das heißt, Allbright hat keine anderen Kooperationspartner in Europa?
Die Kooperation ist nicht exklusiv, aber wir glauben daran, dass wir beide davon stark profitieren werden.

2018 wollen sie außerdem ein erstes US-Büro in San Francisco eröffnen, aber ohne US-Anwälte einzustellen. Einige Partner hätten eine Fusion mit einer US-Kanzlei bevorzugt, um bei US-Mandanten besser Fuß zu fassen. Warum hat sich die Kanzlei dagegen entschieden?
Die Entscheidung, eine Präsenz zu eröffnen, ist keine Entscheidung gegen eine Fusion. Unser Ziel ist es, die weltweit führende Kanzlei für Unternehmen und Institutionen zu sein, die durch Technologie und die Digitalisierung verändert werden. Dafür müssen wir präsent sein in den USA, dem aktuell größten Markt, und in dem künftig großen Markt China. Die USA sind ein sehr erwachsener Rechtsmarkt, deswegen eröffnen wir dort nur ein repräsentatives Büro, um den dortigen Mandanten für unsere Rechtsberatung außerhalb der USA näher zu sein. Alles Weitere wird sich finden.

Ein Hauptkonkurrent ihrer IP-Praxis, Hogan Lovells, baut derweil ein US-Patentteam auf. Gleichzeitig drängen führende US-IP-Praxen nach Europa. Wie wollen Sie verhindern, dass Ihre starke IP-Praxis in diesem globalen Wettbewerb zerrieben wird?
Durch unsere Qualität in allen Jurisdiktion, in denen wir tätig sind, stellen wir uns dem Wettbewerb. Für Hogan Lovells ist es sicherlich eine wichtige Entscheidung, ein US-Patentteam aufzubauen, aber wir haben uns dagegen entschieden. Die US-IP-Praxen drängen nach Europa, weil IP-Litigation in den USA nicht mehr so lukrativ ist wie früher. Aber niemand sollte unterschätzen, wie schwierig es für Newcomer ist, gegen eine so große und erfolgreiche IP-Praxis wie unsere anzutreten. Wir haben uns entschieden, an allen Standorten des zukünftigen Unified Patent Court präsent zu sein. Und wir haben unsere deutsche IP-Praxis erneut mit Patentanwälten ausgebaut. Das Geschäft hat sich in den letzten 24 Monaten auf einer bereits hervorragenden Basis sehr gut entwickelt, was zeigt, dass unsere Strategie aufgeht.

Das Gespräch führte Christina Schulze.

  • Teilen