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29.10.2015

DFB-Affäre: Immer mehr Berater bekannt, Kritik an Freshfields-Mandatierung

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) ist auch rund zwei Wochen nach Beginn der Sommermärchen-Affäre von einer Aufklärung der gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe weit entfernt. Zudem wurde zuletzt Kritik an der Mandatierung von Freshfields Bruckhaus Deringer laut, die Licht ins Dunkel um die mögliche Bestechung bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 bringen soll.

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Christian Duve

Immer klarer wird derweil, wie sich die Schar der eingeschalteten Anwälte zusammensetzt. Exklusiven JUVE-Informationen zufolge hat der DFB drei externe Kanzleien eingeschaltet: In Compliance- und strafrechtlichen Fragen holte sich der Verband Dr. Daniel Krause aus der Berliner Sozietät Krause & Kollegen an die Seite. Bereits seit Längerem bekannt ist, dass Prof. Dr. Christian Schertz von Schertz Bergmann für presserechtliche Fragen mandatiert ist. Freshfields soll die unklaren Zahlungen in Millionenhöhe aufklären.

Ungeklärte Fragen zur Mandatierung von Freshfields

An dem Mandat an Freshfields kam allerdings Kritik auf, nachdem gestern ‚Die Zeit‘ eine private Verbindung zwischen dem mandatsführenden Partner Prof. Dr. Christian Duve und dem Leiter des DFB-Präsidialbüros, Friedrich Curtius, aufbrachte. Ein Freshfields-Sprecher verwies darauf, dass die Ermittlungen der Kanzlei „ohne Ansehen der Person von mehreren Anwälten geführt“ werden. Zudem sagte er: „Die Bekanntschaft zwischen einem der Partner und einem Mitarbeiter des Präsidenten berühren die Aufklärung nicht.“

Tatsächlich sind private Bekanntschaften in der Regel kein Hinderungsgrund für eine Mandatsvergabe und kein Grund, an einer unabhängigen Beratung zu zweifeln. Allerdings gibt es einige Umstände, die diese Mandatsvergabe unklar erscheinen lassen. So bestätigte der DFB zwar die Verbindung zwischen Curtius und Duve, verwies aber darauf, dass das Mandat über eine Empfehlung von Presserechtler Schertz entstanden sei. Auf Nachfrage von JUVE bestätigte Schertz dies bisher nicht. Auch der DFB ließ konkretere Nachfragen zum Entstehen des Mandats unbeantwortet, so etwa wann und wem gegenüber Schertz die Kanzlei empfahl und ob er die Kanzlei als Ganze oder speziell Duve empfahl. Stattdessen verwies er auf eine Erklärung vom vergangenen Montag, die erstmals einige konkrete Fragen enthielt, die Freshfields prüft, und auch den Namen des federführenden Partners Duve.

Hoeneß-Berater nun auch an Beckenbauers Seite

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Werner Leitner

Franz Beckenbauer, der als Präsident des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 eine zentrale Rolle in der Bewerbung für das Turnier spielte, stellte sich Anfang der Woche den Fragen der externen Prüfer von Freshfields. Er hat dabei zwei Anwälte hinzugezogen: In Compliance-Fragen berät ihn der Münchner Strafrechtsexperte Prof. Dr. Werner Leitner aus der Sozietät Leitner & Partner. Im Presserecht ist JUVE-Informationen zufolge der bekannte Hamburger Spezialist Michael Nesselhauf für ihn tätig.

Das gleiche Anwaltsduo hatte schon Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß im Zuge der Ermittlungen und Berichterstattung über seine Steuerhinterziehung mandatiert. Sowohl Leitner als auch Nesselhauf verfügen schon seit Jahren über enge Verbindungen zum FC Bayern München.

Netzer setzt auf Kölner Beraterduo

Einem Kölner Beraterduo vertraut Günter Netzer, der seinerzeit als WM-Botschafter ebenfalls maßgeblich daran beteiligt war, die WM 2006 nach Deutschland zu holen. Netzer hat für Compliance-Fragen Dr. Björn Gercke von Gercke Wollschläger und Dr. Ralf Höcker aus gleichnamiger Kanzlei für Presserecht eingeschaltet. JUVE-Informationen zufolge war Höcker schon früher für Netzers Sportvermarktungsfirma Infront tätig. Höcker wollte dies auf Nachfrage nicht kommentieren.

Allerdings kündigte er in dieser Woche bereits an, den ehemaligen DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger auf Unterlassung zu verklagen. Zwanziger hatte behauptet, dass sich Netzer in einem persönlichen Gespräch ihm gegenüber so geäußert habe, dass das damalige WM-Bewerbungskomitee vier Stimmen bei der WM-Vergabe gekauft habe. Netzer bestreitet dies vehement und führt seine Frau, die bei dem Gespräch anwesend war, als Zeugin an.

Zwanziger, der Hans-Jörg Metz aus der rheinland-pfälzischen Regionalkanzlei Metz Lang & Kollegen als Rechtsbeistand an seiner Seite hat, will bei seiner Aussage bleiben. Er hatte zuvor schon behauptet, dass es für die WM-Bewerbung schwarze Kassen gegeben habe. Er kündigte zudem Beweise an und erklärte, er habe Dokumente und auch Kopien gemacht. Auch Zwanziger, selbst Jurist, soll schon bald gegenüber den Anwälten von Freshfields aussagen. Die Kanzlei hat derzeit mit zehn Anwälten in der DFB-Zentrale ein Büro bezogen. (René Bender)

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