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16.11.2015

Schlussstrich nach zehn Jahren: White & Case gibt Münchner Büro auf

White & Case wird ihr seit Längerem schwächelndes Münchner Büro bis Ende März kommenden Jahres schließen. Die dort tätigen elf Anwälte sollen nach Frankfurt wechseln. Dies hat die Kanzlei im Rahmen einer neuen Fünf-Jahres-Strategie entschieden.

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Hugh Verrier

Diese sieht vor allem eine stärkere Konzentration auf die Kernmärkte vor, in denen die Sozietät um den weltweiten Chef Hugh Verrier teils deutlich wachsen will. Herausgehobene Rollen spielen dabei New York und London, wo White & Case in den kommenden Jahren ein Personalwachstum von bis zu 40 Prozent anstrebt.

Das Aus in München kommt für Marktbeobachter nicht überraschend, denn die Kanzlei hat sich in der bayrischen Landeshauptstadt seit Jahren sehr schwer getan. 2006 hatte White & Case ihre bis dahin kleine Münchner Präsenz zu einem vollwertigen Büro ausgebaut und dafür den angesehenen Gesellschaftsrechtler Prof. Dr Christoph von Einem gewonnen. In den Folgejahren fokussierte sich das Büro insbesondere auf Private-Equity-Deals und die Beratung der Venture-Capital-Branche und machte sich dafür einen guten Namen.

Über diesen Fokus hinaus gelang es White & Case aber nicht, vor Ort substanziell zu wachsen, so dass das Büro unter dem Strich unterhalb der Liga spielte, in der sich die Kanzlei sonst bewegt.

Ähnlich wie in Düsseldorf setzte White & Case daher auch in München einen Restrukturierungsprozess in Gang. Während sich White & Case dort im Frühjahr dieses Jahres nach einiger Suche durch den Zugang eines Energierechtsteams von Clifford Chance um Dr. Peter Rosin und Thomas Burmeister erheblich verstärkte, gelang dies in München nicht. Stattdessen schrumpfte das Büro dort kontinuierlich.

Im vergangenen Jahr wechselten unter anderem Gründungspartner von Einem zu Arqis und der erst ein Jahr zuvor geholte M&A-Experte Dr. Martin Ströhmann zu Deloitte Legal. Zuletzt war nur noch ein Partner fest vor Ort tätig, der auf IP-Beratung spezialisierte Dr. Tobias Freiherr von Tucher, zudem zeitweise der Frankfurter Prozess- und Schiedsexperte Markus Langen sowie fünf Local Partner und vier Associates. Diese sollen nun alle fest nach Frankfurt wechseln.

Gewichtsverlagerung Richtung London und New York

Vor allem mit Blick auf das 2012 ausgerufene Ziel der Kanzlei – den Aufstieg in die weltweite Marktspitze – erscheint der Schritt in München konsequent. Vor diesem Hintergrund ist auch das angestrebte starke Wachstum in den besonders hochpreisigen und lukrativen Märkten New York und London zu sehen.

Interessantes Detail am Rande: Während White & Case in London eigenen Angaben zufolge personell die stärkste US-Kanzlei ist, segelte sie im Heimatmarkt zuletzt auf Sparflamme. Andere direkte Konkurrenten wie Latham & Watkins beschäftigen rund 70 Prozent ihrer weltweiten Anwälte im Heimatmarkt USA, bei White & Case waren es zuletzt gerade einmal ein Drittel der knapp 1.900 Anwälte. Nur fünf der knapp 40 Standorte befinden sich in den USA.

Einige der Büros außerhalb des Heimatmarktes hatte White & Case zuletzt stärker überprüft. So ist sie seit dem Frühjahr nicht mehr in Budapest vertreten und hat ihr Warschauer Büro deutlich verkleinert. In Deutschland sind indes derzeit keine weiteren Eingriffe geplant. Mietverträge habe man teils erst langfristig verlängert, ist aus der Sozietät zu hören. (René Bender)