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27.05.2016

Abschlussrechnung: Freshfields-Bericht kostet DFB mehr als fünf Millionen Euro

Gut 5,1 Millionen Euro netto kostet den Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Untersuchung von Freshfields Bruckhaus Deringer rund um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die Kanzlei stellte dem Verband nun die Abschlussrechnung. 

Mitte Oktober 2015 hatte das DFB-Präsidium die Sozietät beauftragt, zu klären, ob die Austragung der Fußball-WM 2006 möglicherweise erkauft wurde und was es mit einer Zahlung von 6,7 Millionen Euro auf sich hat, die 2005 an den Weltfußballverband FIFA geleistet wurde. Mehr als vier Monate lang untersuchten bis zu 42 Freshfields-Anwälte unter Führung des Frankfurter Partners Prof. Dr. Christian Duve 740 Aktenordner und 128.000 E-Mails und führten 26 Interviews. Anfang März präsentierte die Kanzlei dann ihren 360 Seiten starken Bericht.

Das Ergebnis: Es gibt keine eindeutigen Beweise dafür, dass Stimmen gekauft wurden, um die WM nach Deutschland zu holen – andererseits kann dies weiter nicht ausgeschlossen werden. Fakt ist, dass der DFB eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro jahrelang bewusst verschleierte. Wofür das Geld tatsächlich verwendet wurde, ist weiter unklar. Bewiesen ist nach den Freshfields-Untersuchungen lediglich, dass im Jahr 2002 – und damit zwei Jahre nach der WM-Vergabe – 6,7 Millionen Euro über Umwege nach Katar an Mohamed Bin Hammam flossen, einem einst einflussreichen Strippenzieher im Weltfußballverband Fifa, der aber inzwischen lebenslang gesperrt ist.

Schadensersatzansprüche möglich

Die Arbeit für Freshfields ist mit der jetzigen Abschlussrechnung für die Untersuchung noch nicht beendet. Gegenwärtig prüft sie für den DFB, ob sich aus den Vorgängen möglicherweise Schadensersatzansprüche ergeben könnten. Für den DFB selbst geht es jetzt darum, „die Schlüsse aus der Untersuchung zu ziehen und beispielsweise ein effektives Compliance-System zu etablieren“, so der Verband in seiner heutigen Pressemitteilung.

Im Vorfeld und auch während der Aufklärung der Vorwürfe zu der möglicherweise erkauften WM hatten die internen Kontrollmechanismen des DFB völlig versagt, darüber stolperten am Ende mehrere hochrangige Funktionäre, unter anderem im November der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Gegen ihn sowie seinen Vorgänger Dr. Theo Zwanziger und den früheren Generalsekretär Horst Schmidt ermittelt weiterhin die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen möglicher Steuerhinterziehung. Dem DFB selbst droht unterdessen weiter eine nachträgliche Aberkennung der Gemeinnützigkeit, was den Verband bis zu 25 Millionen Euro kosten könnte. (René Bender)

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