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29.09.2016

Bilanz 2015/16: Rekordjahr für die 100 umsatzstärksten Kanzleien in Deutschland

Die 100 umsatzstärksten Kanzleien in Deutschland haben mehr umgesetzt als je zuvor, beschäftigten so viele Anwälte wie nie und arbeiteten gleichzeitig auch produktiver denn je. Dies ergeben Recherchen der JUVE Redaktion zur Bilanz der wichtigsten wirtschaftsberatenden Sozietäten im Geschäftsjahr 2015/16. In Zahlen heißt dies: 11.306 Anwälte (plus 4,5 Prozent) setzten 5,59 Milliarden Euro um (+6,8 Prozent), womit jeder Anwalt rein rechnerisch 507.000 Euro (+3,9 Prozent) erwirtschaftet. Gerade einmal 17 der 100 Kanzleien mussten ein Umsatzminus hinnehmen.

Noch immer den größten Anteil des Geschäfts (37,7 Prozent) unter den Top 100 stellen mit 2,11 Milliarden Euro Umsatz die 29 vornehmlich auf Finanz- und M&A-Transaktionen spezialisierten Kanzleien. Dahinter folgen mit rund 1,75 Milliarden Euro (31 Prozent) die 25 Sozietäten, die vorwiegend die nationale und internationale Großindustrie beraten.

Absolut und auch prozentual steigerten sich aber die 42 Kanzleien am stärksten, die auf die Beratung des deutschen Mittelstands oder bestimmter Branchen fokussiert sind. Fast 16 Prozent mehr nahmen sie ein, in Summe bedeutet dies 1,59 Milliarden Euro oder einen Anteil von 28 Prozent.

Vier Modelle

Bei der Produktivität zeigten sich jedoch die auf Finanz- und M&A-Deals fokussierten Kanzleien am dynamischsten. Sie steigerten ihren ohnehin weit überdurchschnittlichen Umsatz pro Berufsträger (UBT) um 6,5 Prozent. Rund 715.000 Euro setzen sie pro Kopf um. Dabei sind es vor allem US-Kanzleien, die beim UBT Spitzenwerte erreichen. Aus ihrem Kreis kommen neun der Top-10-Kanzleien in puncto Produktivität. In diese Phalanx bricht lediglich Hengeler Mueller auf Platz sechs mit einem UBT von 916.000 Euro ein. In drei Kanzleien – Sullivan & Cromwell, Weil Gotshal & Manges und Willkie Farr & Gallagher – kommt jeder Berufsträger rechnerisch gar auf einen Umsatz von mindestens einer Million Euro. Auch dies ist ein neuer Rekord.

Doch es gibt nicht nur auffällig viele Rekorde – auch unter den Top 10 der umsatzstärksten Sozietäten bewegte sich so viel wie lange nicht. Neu hinzugestoßen in diese Gruppe ist Heuking Kühn Lüer Wojtek, die nach einem Umsatzplus von 8,8 Prozent mit 131,6 Millionen Euro Taylor Wessing auf Platz elf verdrängte. Dies bildet den vorläufigen Höhepunkt einer rasanten Entwicklung. Seit 2010 hat Heuking ihre Einnahmen um die Hälfte gesteigert und ist nun der aktuell auf Rang neun platzierten Konkurrentin Allen & Overy auf den Fersen.

Umsatz der JUVE Top 10

Erstmals seit Jahren stieß zudem ein Neuling unter die Top 5 vor. Noerr setzte sich dank einer Umsatzsteigerung von 6,9 Prozent auf 190,2 Millionen Euro vor Clifford Chance, die sogar auf Rang sechs zurückfiel, denn auch Linklaters zog vorbei und sicherte sich hauchdünn vor Noerr Platz vier. Keine Veränderungen gab es indes beim Spitzentrio Freshfields Bruckhaus Deringer, CMS Hasche Sigle und Hengeler Mueller. (René Bender)

Weit mehr Zahlen und Fakten sowie Hintergründe zu Gewinnern und Verlierern des vergangenen Geschäftsjahres der Top 100 lesen Sie im aktuellen JUVE Rechtsmarkt 10/2016.

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