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29.06.2017

Neue Berufe in Kanzleien: Die Manager kommen

Sie sind da und sie räumen auf. Projekt-, Innovations- und Strategiemanager haben in den ersten Großkanzleien ihre Arbeit aufgenommen. Schließlich sind die Zeiten vorbei, in denen ein guter Ruf und hohe juristische Qualität automatisch Mandate in die Kanzleien spülten. Das Mandat wird zum Projekt, das es zu managen gilt. Am Ende steht die ernüchternde Erkenntnis: Es gibt keine Branche, die sich nicht optimieren ließe.

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Arne Gärtner

Strategien für die Zukunft zu entwickeln war einst eine Aufgabe, die Partner innerhalb der Kanzlei lösen sollten. Doch Strategien entwickeln und Innovation vorantreiben – das sind keine originär juristischen Aufgaben. Viel eher sind Marketing- und Managementkenntnisse von Vorteil, gepaart mit einer guten Kenntnis der Branche. Und so schlägt die Stunde der Projektmanager und Strategieexperten in den Kanzleien.

Projektmanagement, das ist vor allem Arne Gärtners Aufgabe bei Link­laters. Die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt der Diplomkaufmann mit der Arbeit auf großen Transaktionen und Verfahren. „Es geht dabei um Projektmanagement und Prozessoptimierung“, sagt er, „auch um das Automatisieren von Abläufen. Aber nicht nur im Sinne von Legal Tech. Manchmal hilft auch eine Excel-Anwendung.“ Gärtners Arbeitsauftrag ist sehr konkret, er lautet: Spare Beraterstunden bei gleichbleibend hoher Qualität. Was Gärtners Projektmanagement bringt, erklärt er anhand des Beispiels eines großen Compliance-Mandats, das Linklaters von Dezember bis März bearbeitet hat. 200 Stunden arbeitete Gärtner, 2000 Stunden die Anwälte. „Wir haben für einen Teilbereich des Projekts nur ein Drittel der Zeit im Vergleich zu früher gebraucht“, sagt Gärtner. „Die Ersparnis für den Mandanten betrug insgesamt 70.000 Euro.“ 

Kampf gegen den juristischen Tunnelblick

Die neuen Berufe sind keine ganz neue Erfindung, sondern kommen derzeit mit einigen Jahren Verspätung im deutschen Rechtsmarkt an. Bislang ist die Szene in Deutschland noch überschaubar, doch dass sich das ändern wird, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Treiber dieser Entwicklung ist, wenig überraschend, zum einen die Digitalisierung der Branche, zum anderen der Kostendruck seitens der Mandanten. Vorreiter bei diesem Modell sind Einheiten mit internationaler Anbindung wie Dentons, Linklaters oder Baker & McKenzie. Sie haben oft Kollegen in den US-Büros oder in London, von denen sie lernen können.

„Der Bedarf an solchen Jobs ist unglaublich“, sagt Projektmanager Gärtner. In der Kanzlei hat er viele Freiheiten, die für die Branche völlig neuen Strategien auszuprobieren. Seit Dezember hat Linklaters allein drei neue Stellen für sein Team geschaffen, die nun nach und nach besetzt werden. Infrage kommen dabei vor allem Wirtschaftswissenschaftler, aber auch Diplomjuristen.

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Marie Bernard

Gegen einen juristischen Tunnelblick, von dem sich immer mehr Berater verabschieden müssen, arbeitet auch Marie Bernard an. Sie managt für die europäischen Standorte von Dentons den Wandel, der die Kanzleiwelt erfasst. Bernard soll als Europe ­Innovation and Knowledge Director den Überblick behalten und – im Idealfall – Innovation für alle bringen. Neben dem Gespräch mit Mandanten darüber, was sie von der juristischen Dienstleistung einer Kanzlei erwarten, muss sie den Markt im Blick behalten: Auf welche technischen Lösungen setzen die Wettbewerber? Welche Software sollte man testen? Hinzu kommen Gespräche mit Partnern in verschiedenen europäischen Büros. Bernard ist viel auf ­Reisen.

Ganz oben angesiedelt

Welchen Stellenwert die neuen Berufe innerhalb der Kanzleien einnehmen, zeigt auch die Arbeit von Hariolf Wenzler. Baker & McKenzies Chefstratege ist Teil des Managementteams. Dort besteht seine Aufgabe in einer Mischung aus Marketing und Business Development mit einem speziellen Fokus auf der digitalen Transformation, sowohl innerhalb der Kanzlei als auch in den Rechtsabteilungen der Mandanten. Wenzler kann auf ein zwölfköpfiges Team aus Business-Development- und Marketing-Experten setzen, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in Wien und im Offshore-Service-Center in Manila arbeiten. Seine Aufgabe: Innovation breit in die deutschen und österreichischen Büros der Kanzlei tragen.

Wenzler, Bernard und Gärtner sind zwar  Vordenker, was Innovation angeht. Doch alle drei betonen, dass Innovation nicht von oben komme, sondern bottom-up, wie es im schönsten Management-Deutsch heißt. Frei nach dem Motto: Wenn alle Ideen haben und sie äußern dürfen, werden auch einige gute darunter sein. Gärtner von Link­laters schätzt das Klima als innovationsfreundlich ein. „Man darf sich zwar nicht vorstellen, dass alle Partner auf einen gewartet haben“, gibt er zu. „Doch die Zeit ist jetzt da, das sehen auch die Juristen, vor allem in Hinblick auf die Digitalisierung.“ Gärtner hat eine zusätzliche Ausbildung zum Mediator gemacht. Das gehört zwar nicht zu seinen Job­anforderungen. Schaden wird es aber womöglich auch nicht. (Eva Lienemann)

Mehr zu den neuen Berufen in Kanzleien lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 7/2016 des JUVE Rechtsmarkt, der am 26. Juni erschienen ist.

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