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03.07.2017

Mehr Umsatz mit weniger Anwälten: Freshfields steigert UBT deutlich

Freshfields Bruckhaus Deringer hat im abgelaufenen Geschäftsjahr sowohl in Deutschland als auch in Österreich beim Pro-Kopf-Umsatz die Marke von 800.000 Euro geknackt. Das bedeutet ein Plus von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Freshfields liegt damit weiterhin sogar vor einigen US-Kanzleien, wie etwa Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, die traditionell zum engen Kreis der besonders produktiven Kanzleien im deutschen Markt zählen.

Helmut Bergmann

Helmut Bergmann

Der Gesamtumsatz von Freshfields blieb in beiden Märkten in etwa auf Vorjahresniveau stabil, womit sie in Deutschland  weiterhin den Spitzenplatz als die umsatzstärkste Kanzlei belegt, in Österreich Platz zwei. In Deutschland setzten die Anwälte insgesamt 368 Millionen Euro um (Vorjahr: 367 Millionen Euro), die Wiener Praxis schloss das Geschäftsjahr mit 52 Millionen Euro ab (Vorjahr: 51 Millionen Euro). Auch weltweit ging der Umsatz der Kanzlei nur leicht um 0,3 Prozent nach oben und lag bei 1,33 Milliarden britischen Pfund.

Doch der Wert, der den deutschen und österreichischen Managing-Partner Dr. Helmut Bergmann (Berlin) sowie die Konkurrenz noch stärker interessieren dürfte, ist der Umsatz pro Berufsträger (UBT): Denn die deutschen und österreichischen Praxen erwirtschafteten den gleichen Umsatz mit einer geringeren Zahl von Anwälten. Die Steigerung des UBT erhält damit Signalwirkung: Die Deutschen konnten sich zuletzt mit 817.000 Euro Umsatz pro Kopf um etwa 5 Prozent verbessern (Vorjahr: 776.000 Euro), die Wiener legten sogar um rund 7 Prozent auf 823.000 Euro zu (Vorjahr: 765.000 Euro). Der UBT ist sowohl ein Indikator für die Produktivität der Anwälte als auch für die Qualität des Geschäfts. Hier liegen traditionell US-Kanzleien mit ihren stark auf ausgewählte, hochkarätige Mandate getrimmten Teams weit vorn. Zum Vergleich: Quinn Emmanuel Urquhart & Sullivan und Weil Gotshal & Manges können einen UBT von rund 980.000 Euro, Cleary Gottlieb Steen & Hamilton bei knapp 770.000 Euro vorweisen.

Auch die deutsche Praxis von Latham & Watkins hatte beim UBT zuletzt stark zugelegt und den Pro-Kopf-Umsatz um knapp 10 Prozent auf rund 780.000 Euro gesteigert. Damit hatte die US-Kanzlei den Vorjahreswert von Freshfields übertroffen. Mit ihren jetzigen Zahlen vergrößert Freshfields den Abstand aber wieder deutlich.

Der Anstieg des UBT bei Freshfields wird stark durch den laufenden Generationswechsel geprägt. Zum neuen Geschäftsjahr gab es in Deutschland drei, in Wien eine interne Partnerernennung. Dem stehen eine ganze Reihe von Partnern gegenüber, die sich in den Ruhestand oder zu anderen Kanzleien verabschiedet haben. Waren dies im vorigen Geschäftsjahr schon rund zehn Partner, kamen zum Ende dieses Geschäftsjahrs etwa neun weitere dazu. Auch die Schließung des Kölner Büros, im Rahmen dessen sich etwa 20 Prozent der Anwälte anders orientierten, fällt in das abgelaufene Geschäftsjahr. Die deutsche Freshfields-Praxis zählt – nicht allein wegen der Schließung von Köln – rund 30 Anwälte weniger als im Jahr zuvor.

Die aktuellen Zahlen stärken die Position der deutschen und österreichischen Praxen innerhalb der weltweiten Partnerschaft. Hier lagen sie im Vergleich zuletzt etwas unterhalb der internationalen Messlatte. Jetzt sind sie wieder in den Kreis der Treiber der internationalen Entwicklung zurückgekehrt. Für das interne Renommee dürfte sich auch die Rolle bei der Aufarbeitung der Dieselaffäre bei VW auswirken, wo aus Deutschland heraus auch Mandatsarbeit für zahlreiche Anwälte in anderen Ländern generiert wird. 

Für die Gesamtkanzlei konstatierte Freshfields denn auch einen Anstieg des Gewinns pro Partner um fünf Prozent auf rund 1,54 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 1,7 bis 1,8 Millionen Euro) an, obwohl der Gewinn insgesamt um 0,8 Prozent leicht sank. (Antje Neumann)

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