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21.11.2017

Europäische Patentstrategie: Mewburn Ellis eröffnet in München

Die britische IP-Kanzlei Mewburn Ellis hat im November ein Büro in München eröffnet. Es ist das fünfte Büro der Kanzlei und das erste außerhalb von Großbritannien. München ist als Standort für IP-Kanzleien interessant, weil hier auch der Sitz des Europäischen Patentamtes ist.

Tanis Keirstead

Tanis Keirstead

Gründungspartnerin des Büros ist Tanis Keirstead (38). Die Patentanwältin ist Deutsche, war aber viele Jahre am Mewburn Ellis-Standort in Cambridge tätig. Zum Team im München gehört zudem Christoph Moeller (44), der zuletzt die Patentabteilung der Schindler-Gruppe in der Schweiz leitete.

Die fachlichen Schwerpunkte liegen in der Patentprosecution in den Bereichen Life Science sowie Elektronik und IT, auch begleiten die Patentanwälte Prozesse. Die Kanzlei will München zudem zum Zentrum ihrer Beratung rund um das Thema Future Mobility aufbauen.

„Mit unserem Büro in München werden wir nicht nur die Patentpraxis weiter ausbauen, sondern planen auch, unser schnell wachsendes Markengeschäft weiterzuentwickeln“, sagte Keirstead. Der Standort soll nach Aussage der Kanzlei auf fünf Patentanwälte wachsen und langfristig auch Patentprozessexpertise mit eigenen Rechtsanwälten anbieten.

Keirstead ist seit 2005 bei Mewburn Ellis, seit 2013 als Partnerin. Als Mitglied des Life-Sciences-Teams ist sie in den Bereichen Pharmazie, Biotechnologie sowie Lebensmittel erfahren. Moeller startete seine Karriere 2006 bei der gemischten Münchner IP-Kanzlei Maiwald. Der ausgebildete Elektroingenieur ist als deutscher und europäischer Patentanwalt zugelassen und auf mechanische, elektronische Computer- und IT-Patente spezialisiert. Seit 2013 arbeitete er für Schindler-Gruppe.

Traditionskanzlei auf internationalem Kurs

Für Mewburn Ellis soll München zudem als Brückenkopf für die Beratung von Mandanten aus den USA, Japan, Südkorea und der Schweiz dienen. Bislang war die 150 Jahre alte Kanzlei ausschließlich von ihren vier britischen Standorten London, Bristol, Cambridge und Manchester aus tätig. In der Kanzlei arbeiten derzeit 79 Berufsträger, davon sind 41 Partner. Die Kanzlei ist überwiegend eine von europäischen Patentanwälten dominierte Kanzlei: Patentprosecution, IP-Portfolio-Management, strategische IP-Beratung und Prozessarbeit dominieren ihr Geschäft. Derzeit beschäftigt sie in Großbritannien nur einen ausgewiesenen Prozessanwalt.

Dennoch ist der Schritt auf den Kontinent auch von den Plänen für den Unified Patent Court (UPC) motiviert. Vor dem europäischen Patentgericht können auch Patentanwälte Prozesse führen, vorausgesetzt sie weisen bestimmte Zusatzqualifikationen vor. Wichtige Teile des UPC sollen in München angesiedelt werden, vorausgesetzt das Gericht startet überhaupt. Bereits jetzt sind die Mewburn Elils-Anwälte regelmäßig vor dem Europäischen Patentamt tätig. Nach JUVE-Informationen zählen zu ihren regelmäßigen Mandanten unter anderem Rolls Royce, Hitachi, Shin-Etsu Chemicals, Genentech sowie zahlreiche nationale und internationale Universitäts-Institute.

Christoph Moeller

Christoph Moeller

Mewburn Ellis ist nicht die erste britische IP-Kanzlei, die in der bayrischen Hauptstadt eine Repräsentanz eröffnet hat, zuletzt hatten sich hier unter anderem die renommierten Prosecutionkanzleien Carpmaels & Ransford oder J.A. Kemp niedergelassen. (Mathieu Klos)