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25.09.2019

JUVE 100 Umsatz: Kanzleien erklimmen neue Höhen

Wirtschaftskanzleien profitieren wesentlich stärker als andere Branchen vom zehnten Wachstumsjahr der Volkswirtschaft in Folge: Die 100 umsatzstärksten Kanzleien setzten im Geschäftsjahr 2018/19 insgesamt 6,84 Milliarden Euro um – 8 Prozent mehr als im Vorjahr mit 6,33 Milliarden Euro. Die Kennziffern recherchiert JUVE jährlich exklusiv.

JUVE-Liste der zehn umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien

Die Umsatzentwicklung zeigt, wie radikal sich die Kanzleibranche derzeit verändert – getrieben von Großtrends wie der Digitalisierung, aber auch von einer Sonderkonjunktur rund um die Dieselaffäre. Die Arbeit in diesem umfangreichen Prozesskomplex schraubte im abgelaufenen Geschäftsjahr die Umsätze einiger Kanzleien in neue Rekordhöhen.

Dies betrifft vor allem die Erstplatzierte der JUVE 100 Umsatz: Freshfields Bruckhaus Deringer, bereits im Vorjahr umsatzstärkste Kanzlei in Deutschland, steigerte ihren Jahresumsatz um 9 Prozent auf rund 442 Millionen Euro. Dies gelang ihr – wie vielen ihrer Wettbewerberinnen – auch dadurch, dass die Kanzlei mehr Anwälte beschäftigte und gleichzeitig deren Produktivität steigerte. In der Spitze verstärkten selbst große Kanzleien wie Luther ihre Mannschaften um über 30 Prozent. Unter den umsatzstärksten Zehn fielen auch Heuking Kühn Lüer Wojtek und Noerr mit ihren starken VW-Mandaten durch überdurchschnittliches Wachstum auf.

Die zehn umsatzstärksten Kanzleien sind dieselben wie im Vorjahr – allerdings haben sich die Gewichte innerhalb dieser Gruppe verschoben: Hogan Lovells hat in Deutschland die 200-Millionen-Umsatzmarke geknackt und schiebt sich damit an ihrer britischen Wettbewerberin Linklaters vorbei unter die größten Fünf.

KPMG Law landet als erster Rechtsberatungsarm einer Big-Four-Gesellschaft unter den zwanzig umsatzstärksten Kanzleien. Bei den Umsatzzuwächsen geht in der JUVE-Liste die amerikanische Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan mit einem Plus von rund 57 Prozent als Gewinnerin hervor. Die Kanzlei beschäftigt allerdings auch fast ein Drittel mehr Anwälte als im Vorjahr.

Vier US-Einheiten mit Millionen-UBT

Beim durchschnittlichen Umsatz pro Berufsträger (UBT) – einem Indikator für die Mandatsqualität und die effiziente anwaltliche Beratung – sind wieder einmal die US-Kanzleien Spitzenreiter: Mehr als eine Million Euro setzte jeder deutsche Anwalt der New Yorker Sozietäten Sullivan & Cromwell, Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, Willkie Farr & Gallagher sowie Weil Gotshal & Manges rein rechnerisch im vergangenen Geschäftsjahr um. Von den zehn Kanzleien an der Spitze der JUVE 100 Umsatz reicht nur eine deutsche Kanzlei an diese UBT-Region heran: Hengeler Mueller mit knapp 900.000 Euro Umsatz pro Berufsträger.

Beim Umsatz pro Berufsträger hängen die Transaktions- und Konzernberater anders ausgerichtete Kanzleien ab: Während Transaktionsberater besonders von der guten Konjunktur profitieren und im Durchschnitt mehr als 800.000 Euro pro Anwalt umsetzen, erreichen Berater des Mittelstands mit etwa 420.000 Euro gut die Hälfte dieses Wertes. Sie bieten im Gegensatz zu den auf Transaktionen spezialisierten Kanzleien meist ein breiteres Beratungsangebot an. Das schließt auch weniger profitable Rechtsgebiete ein, für die die Anwälte geringere Stundensätze einfordern können. Dennoch bilden die 37 Mittelstandskanzleien weiterhin die größte Gruppe in der JUVE-Liste. Unter den Spezialisten kämpfen die in der Insolvenzverwaltung starken Kanzleien wie BBL Bernsau Brockdorff & Partner oder Pluta mit der immer noch niedrigen Verfahrenszahl und verzeichnen einige der raren Umsatzrückgänge. (Ludger Steckelbach)

Mehr über die Umsätze der 100 größten Wirtschaftskanzleien finden Sie in der aktuellen Ausgabe vom JUVE Rechtsmarkt (10/19) und online unter juve.de/umsatzzahlen.

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