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25.08.2014

Anstoß genommen

Adidas ist das jüngste Beispiel für ein Unternehmen, das nach heftigen Auseinandersetzungen mit dem Bundeskartellamt sein Vertriebssystem verändert.

Der Sportartikelhersteller ließ bislang seine Produkte nur über bestimmte autorisierte Händler verkaufen und verbot diesen, auch Online-Marktplätze wie Ebay, Amazon Marketplace, Yatego.de oder andere zu bedienen. Während Adidas dies 2012 als regulären Teil ihrer E-Commerce-Bedingungen und ihres selektiven Vertriebssystems eingeführt hatte, nahmen einige Fachhändler – und auf deren Beschwerden hin das Bundeskartellamt – daran Anstoß, dass ihnen der Vertriebsweg abgeschnitten sein sollte.

Der Streit berührt grundlegende Fragen, die zwischen Markenherstellern und Händlern ein Dauerthema sind. Erst Ende 2013 hatte das Berliner Kammergericht (Az. 2 U 8/09) entschieden, dass der bekannte Schulranzenhersteller Sternjakob im Prinzip durchaus den Verkauf seiner hochwertigen Produkte über Online-Marktplätze verbieten dürfe. Grund: Es sei möglich, dass das Produktimage beeinträchtigt werde. Sternjakob hatte Sorge vor einem Image der Verkaufsform als „Resterampe“ geäußert. Während dieser Fall noch den Bundesgerichtshof beschäftigen wird, hat Adidas durch die Einigung mit dem Bundeskartellamt indes einen Schlussstrich unter das Kapitel gezogen.

Für die Wettbewerbshüter bleiben die rechtlichen Themen an der Schnittstelle von Markenstrategien, sich wandelnden Vertriebsstrukturen und dem Kartellrecht ein zentrales Thema. Wettbewerbsbeschränkungen für den Internethandel zu unterbinden, hat sich Kartellamtspräsident Andreas Mundt aktuell verstärkt auf die Agenda gesetzt. „Es ist wichtig, dass der Vertriebskanal Internet offen bleibt“, fasst er zusammen und betont, dass seiner Meinung nach gerade kleine und mittlere Händler dort ihre Wettbewerbschancen wahrnehmen könnten.

Aus dem Händlerbereich hat das Kartellamt allerdings zuletzt auch massiven Gegenwind für seine Linie erfahren. Den Gartengerätehersteller Gardena und den Hausgerätehersteller BSH Bosch Siemens hatte das Amt in jüngster Zeit ebenfalls zu einer Änderung ihrer Vertriebsstrukturen gedrängt. Die Unternehmen hatten durch unterschiedliche Rabatte dem stationären Einzelhandel den Vorzug gegenüber Onlinehändlern gegeben. Auch hier mit dem Argument, dass Präsentation der Waren und Beratung der Kunden hochwertiger, zugleich aber kostenintensiver sei. Das Kartellamt hatte indes „eine differenzierte Betrachtung“ gefordert, die „durchaus auf die unterschiedlichen Gegebenheiten verschiedener Vertriebskanäle in angemessener Form eingehe, den Internetvertrieb aber nicht ohne Weiteres ausschalten oder benachteilige.“

In einer Aktion von Vertretern des stationären Handels sollten in der Umgebung des Kartellamts Anfang 2014 gezielt Plakate aufgehängt werden, mit denen eine „fachhandelsfeindliche Politik“ angeprangert werden sollte. Der zuständige Vermarkter der Stadt Bonn lehnte die Motive allerdings als ab. Der Protest verlagerte sich daraufhin dorthin, wo sich der Konflikt enzündete – ins Internet. (Antje Neumann)

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