Artikel drucken
16.05.2018

Umstrittener Deal: Novartis-GC stolpert über Geschäfte mit Trump-Anwalt

Novartis-Chefjurist Felix Ehrat (61) tritt zum Juni zurück. Er begründet dies mit dem umstrittenen Deal zwischen dem Pharmaunternehmen und Michael Cohen, dem persönlichen Anwalt von US-Präsident Donald Trump. Ehrats Nachfolgerin und neue Group General Counsel von Novartis wird Shannon Klinger. Sie war erst im April in das Executive Committee von Novartis aufgerückt.

Shannon Klinger

Shannon Klinger

Ehrat hatte gemeinsam mit dem damaligen CEO von Novartis den Vertrag unterschrieben, der die Zusammenarbeit zwischen mit Cohens Firma Essential Consultants besiegelte.  Wie bekannt wurde, wollte Novartis auf diese Weise Informationen zur Gesundheitspolitik der neuen US-Regierung erhalten. Dafür zahlte der Pharmakonzern insgesamt 1,2 Millionen Dollar an Cohens Firma. „Dieser Vertrag, obwohl juristisch nicht zu beanstanden, war ein Irrtum. Als Mitunterzeichner mit unserem damaligen CEO übernehme ich mit diesem Entscheid persönlich Verantwortung, um die öffentliche Debatte darüber zu beenden“, wird Ehrat in der Pressemitteilung von Novartis zitiert.

Essential Counsultants, Cohens Firma, ist in den USA wegen eines Skandals um die Pornodarstellerin ‚Stormy Daniels‘ in die Schlagzeilen geraten. Sie behauptet, mit US-Präsident Trump eine Affäre gehabt zu haben und erhielt dafür vor der Präsidentschaftswahl Schweigegeld von Cohen.

Felix Ehrat

Felix Ehrat

Ehrat war seit 2011 Group General Counsel bei Novartis und Mitglied der Geschäftsleitung. Seine Karriere startete er 1978 bei Bär & Karrer in Zürich, wo er bis 2011, zuletzt als Senior Partner und Präsident des Verwaltungsrats, tätig war. Bei Novartis verantwortete er neben der Rechtsabteilung unter anderem auch Compliance und Country Management.

Die Nachfolge von Ehrat übernimmt zum Juni Shannon Klinger, die bisher den Tätigkeitsbereich Ethik, Compliance und Risikomanagement leitet. Klinger war erst im April im Zuge der Umstrukturierung des Novartis-Führungsgremiums in das sogenannte Executive Committee des Pharmakonzerns aufgerückt. Ihre Laufbahn begann Klinger 1996 bei der US-Kanzlei Alston & Bird, wo sie gut neun Jahre tätig war.

Anschließend wechselte Klinger in die Pharmabranche, war dort sowohl für Recht als auch Compliance verantwortlich. Nach einer Stippvisite bei Mayer Brown als Partnerin in den USA stieß sie 2011 zur Novartis-Tochter Sandoz, wo sie 2012 für die Position der General Counsel nach Deutschland kam. Schließlich wechselte sie Mitte 2016 als Chief Ethics and Compliance Officer sowie globale Leiterin Litigation ins Mutterhaus Novartis nach Basel.

Ihre Nachfolge tritt wiederum interimistisch Natacha Theytaz an. Sie kommt als Global Head Internal Audit im Juni von Mitbewerber Roche. (Helena Hauser)

  • Teilen