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27.12.2018

Karrieretipp: So wird man General Counsel

Nach ganz oben schaffen es die wenigsten. Denn in jedem Unternehmen kann es nur einen General Counsel geben. Wie gelingt es also, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen? JUVE hat eine Umfrage der Kanzlei Eversheds Sutherland unter 56 britischen General Counsel ausgewertet und mit drei deutschen General Counsel über ihren Weg nach ganz oben gesprochen.

Anja Schulz

Anja Schulz

„Ich dachte irgendwann, ich bin einfach auf die falschen Bereiche spezialisiert“, blickt Anja Schulz (49) im Gespräch mit JUVE auf ihre Karriere zurück. „Mein Fokus lag immer auf den Bereichen IT, Commercial und Datenschutz.“ Und dann klappte es doch: Ihr Vorgänger förderte sie und ebnete ihr damit den Weg. Seit Februar 2018 ist sie General Counsel der Scout24-Unternehmensgruppe, die in 18 Ländern aktiv ist und 2017 mit mehr als 1.200 Mitarbeitern einen Umsatz von 480 Millionen Euro erwirtschaftete.

Stephan Zilles

Stephan Zilles

„Kenntnisse in Gesellschaftsrecht, Corporate Governance, M&A-Projekten und bei Börsennotierung im Kapitalmarktrecht sind für die Position eines General Counsel unerlässlich“, meint Dr. Stefan Zilles, seit November 2017 General Counsel der Lufthansa-Group. Der 48-Jährige ist wie Schulz ein Eigengewächs seines Unternehmens: Seit über zehn Jahren arbeitet er für den Lufthansa Konzern und hat es über den internen Aufstieg nach ganz oben geschafft. Nun trägt er die Verantwortung für weltweit 140 Juristen in Recht und Compliance.

Der Weg von Zilles und Schulz ist laut einer Umfrage der Kanzlei Eversheds Sutherland allerdings eher selten: Nur sechs der insgesamt 56 in dieser Studie befragten General Counsel britischer Unternehmen wurden vom Stellvertreter zum General Counsel befördert. Viel häufiger kommt es offenbar vor, dass die Position des Chefjuristen von extern besetzt wird. Dabei würde die Mehrzahl der Befragten ihren Nachfolger gerne selbst aufbauen.

Rotation ist wichtig

Die Studie zeigt auch, dass es entscheidend ist, regelmäßig die Stelle zu wechseln. Nur ein Viertel der in der Eversheds Sutherland-Studie befragten General Counsel war bisher lediglich in einer Branche tätig. „Alle drei bis fünf Jahre sollte man sich eine neue Herausforderung suchen“, rät Zilles im Gespräch mit JUVE. Dabei kann ein Wechsel innerhalb des Konzerns durchaus sinnvoll sein. In der Regel sollte man aber in ein anderes Unternehmen gehen. Als besonderes Qualitätsmerkmal einer Karriere gilt auch die Erfahrung in unterschiedlichen Branchen. Denn hier muss ein Bewerber zeigen, dass er sich auch auf ein ganz anders Marktumfeld einstellen kann.

Martin Benda

Martin Benda

Dr. Martin Benda kann diese beruflichen Einblicke vorweisen. Seit April 2018 ist er General Counsel des Sportartikelherstellers Puma und leitet dort ein Team von 26 Mitarbeitern, darunter acht Juristen und IP-Spezialisten. Es ist die dritte Branche, in der der 49-Jährige tätig ist: Telekommunikation, Getränke, Sportartikel. „In Zeiten der Globalisierung und des damit einhergehenden permanenten Wechsels von Unternehmensstrukturen ist es anspruchsvoll, gezielt und perspektivisch auf Positions- und Arbeitgeberwechsel hinzuarbeiten“, glaubt Benda.

Das Erfolgsgeheimnis

Doch wie klappt es nun mit dem letzten Schritt? Wie wird man General Counsel? „Da ist neben dem Willen zur Führungsverantwortung und einem guten rechtlichen und wirtschaftlichen Verständnis sicherlich Glück dabei, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein“, gibt Benda unumwunden zu. „Unternehmensinterne Karriereprozesse sind nur bedingt in der Lage, gezielt auf eine solche Aufgabe vorzubereiten und die letztliche Entscheidung ist von verschiedenen internen und externen Parametern abhängig, die man selber nur bedingt beeinflussen kann.“ (Geertje de Sousa)

Welche Kompetenzen und Eigenschaften die General Counsel in der Eversheds Sutherland-Umfrage hervorheben und welche Rolle ein Berufseinstieg in der Kanzlei aus Sicht derjenigen spielt, die an der Spitze der Rechtsabteilung stehen, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkt.

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