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25.03.2014

DiTech-Insolvenz: Günther Hödl wird Masseverwalter

Die Verwaltung des Computerhändlers DiTech, der gestern Insolvenz angemeldet hat, übernimmt der Wiener Rechtsanwalt Dr. Günther Hödl. Beim Handelsgericht Wien wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung angemeldet. Klar ist damit, dass Hödl die Geschäfte zunächst übernimmt, ohne auf einen verlässlichen Investor setzen zu können.

Michael Proksch

Michael Proksch

Die Passiva der DiTech GmbH belaufen sich auf rund 30 Millionen Euro, davon entfallen rund 9 Millionen auf Lieferanten und rund 14 Millionen auf Verbindlichkeiten der Banken. Demgegenüber sollen Aktiva im Wert von rund 16 Millionen Euro stehen. Ein Teil dieses Aktivvermögens steht jedoch im Fremdeigentum beziehungsweise ist mit Ab- oder Aussonderungsrechten belastet, teilte der Gläubigerschutzverband KSV1870 mit. Insgesamt sind von der Insolvenz 1.250 Gläubiger (ohne Dienstnehmer) betroffen.

Noch zählt das Unternehmen mehr als 250 Mitarbeiter. Laut Sanierungsplan werden jedoch 10 der derzeit 22 Filialen geschlossen, 120 Dienstnehmer wurden bereits vor Wochen beim AMS-Frühwarnsystem angemeldet. Ihren Job verlieren werden nach heutigem Stand 60 bis 80 Mitarbeiter.

Hauptursache der Insolvenz ist laut Schuldnerantrag der starke Wachstumskurs, der von keiner externen Finanzierung begleitet worden ist. Weiters seien mit dem Auf- und Ausbau neuer Filialen Kosten angefallen, die sich negativ auf die freie Liquidität ausgewirkt hätten. Ebenso habe sich die Marktstruktur dahingehend verändert, dass die Marge der verstärkt nachgefragten ,Fertiggüter‘, wie Smartphones und Tablets, deutlich geringer als bei PCs und Laptops ist.

Seit Wochen sind die Schwierigkeiten von DiTech bekannt, jedoch knüpften das Unternehmen und der mit der Schuldnervertretung beauftragte Anwalt Dr. Michael Proksch lange ihre Hoffnung an einen potenziellen deutsch-polnischen Investor, der dann allerdings in der vergangenen Woche sein Interesse verloren hatte.

Jetzt existiert ein weiterer, noch nicht namentlich bekannter Investor aus Österreich, der die Mehrheit der Gesellschaftsanteile übernehmen will. Laut KSV1870 kann die im Sanierungsplanvorschlag angestrebte Bezahlung einer Quote von 20 Prozent nur mithilfe eines externen Investors durchgeführt werden.

In den vergangenen Monaten konnte sich DiTech nur infolge einer weiteren Finanzspritze der Hausbanken unter Führung der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) über Wasser halten, zu einer nächsten Kapitalzufuhr waren die Banken nun offensichtlich nicht mehr bereit.

Bereits Mitte März hatte überdies die Tochtergesellschaft Dimotion GmbH, die eigene PC-Systeme und Notebooks unter der Eigenmarke ,dimotion‘ herstellt, Konkurs angemeldet.

Berater DiTech
Dr. Günther Hödl (Wien) – Masseverwalter
Proksch & Partner (Wien): Dr. Michael Proksch (Federführung), Dr. Richard Proksch; Associate: Rita Soellner (RAA) – Schuldnervertreter

Masseverwalter Dimotion
Dr. Engelhart & Partner (Wien): Dr. Thomas Engelhart (Masseverwalter), Clemens Richter (Masseverwalter-Stellvertreter)

Berater Banken/RLB NÖ-Wien
Jank Weiler Operenyi (Wien): Dr. Andreas Jank (Bank- und Gesellschaftsrecht)
bpv Hügel (Baden): Dr. Bernhard Schatz (Insolvenzrecht)

Handelsgericht Wien
Dr. Johann Gumpinger (Gerichtsabteilung 28) – für DiTech
Liselotte Eckl (Gerichtsabteilung 6) – für Dimotion

Hintergrund: Der in eigener Kanzlei tätige Günther Hödl ist vor allem auf Insolvenzrecht fokussiert. Die Kanzlei gehört nicht zur Reihe der größten Verwaltungskanzleien Wiens. Hödl verwaltete jedoch in den vergangenen Jahren einige prominente mittelgroße Verfahren, etwa das des Textilhändlers Don Gil, der Ende 2011 für rund sechs Millionen Euro an Gerry Weber ging. Im Herbst 2013 erhielt er den Zuschlag für das Sanierungsverfahren des bekannten Wiener Teppichhandelshaus Adil Besim KG mit Passiva von 5,3 Millionen Euro. Anders als DiTech zählte es jedoch nur 32 Arbeitnehmer.

Dimotion-Verwalter Thomas Engelhart entstammt einer der führenden und ältesten Verwalterkanzleien Österreichs.

Schuldnervertreter Michael Proksch wurde aufgrund persönlicher Kontakte zu DiTech-Gründer Damian Izdebski vor einigen Wochen ins Mandat geholt. Proksch & Partner gehört zu den bekannten insolvenzrechtlich ausgerichteten Kanzleien am Wiener Markt und war unter anderem als Schuldnervertreterin der Alpine Holding tätig.

Langjähriger Berater von Gesellschafter Izdebski ist die Wiener Kanzlei Hausmaninger Kletter, die jedoch im Vorfeld des Insolvenzantragsverfahrens nicht mehr befasst war.

Jank begleitet die Banken bei DiTech seit Monaten. Im Hinblick auf die sich abzeichnende Insolvenz der DiTech wurde vor rund zwei Wochen zudem bpv Hügel-Partner Schatz als Insolvenzexperte von Konsortialführerin RLB NÖ-Wien beigezogen. Die Bank ist eine der Stammmandanten der Kanzlei. (Jörn Poppelbaum, Geertje de Sousa)

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