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26.06.2014

LLP & Co. KG: Baker & McKenzie heizt Wettbewerb um Rechtsformen an

Das Wiener Büro von Baker & McKenzie firmiert seit wenigen Tagen als LLP & Co. KG. Damit hat sich die Kanzlei eine neue Rechtsform gegeben, die dem seit einigen Jahren in Deutschland und Österreich stattfindenden Wettlauf um den idealen Auftritt einer Anwaltskanzlei eine weitere Facette zufügt.

Gerhard Hermann

Gerhard Hermann

Ins österreichische Firmenbuch eingetragen wurde die Diwok Hermann Petsche Rechtsanwälte LLP & Co. KG am 21. Juni. Dem vorausgegangen waren längere Verhandlungen mit der Wiener Rechtsanwaltskammer, die der Umwandlung der vormals als GmbH firmierenden Kanzlei stattgeben musste.

Die Kammer hatte vor allem standesrechtliche Bedenken um die Transparenz etwa im Falle des Ein- oder Austritts von Gesellschaftern. Diese lassen sich bei allen in Österreich gängigen Rechtsformen für Anwaltskanzleien wie der GmbH, der Kommanditgesellschaft oder der Offenen Gesellschaft über das Firmenbuch nachvollziehen. Die Gesellschafter einer LLP sind dagegen allein im Londoner Companies House verzeichnet, so dass sich im Fall einer LLP & Co. KG aus dem österreichischen Firmenbuch nur die LLP als Komplementärin und die Kommanditisten ableiten lassen, nicht jedoch die Gesellschafter der LLP.

Letztendlich hat die Kammer dem Antrag zugestimmt, allerdings nur unter bestimmten Auflagen. „Wir hatten darüber eine sehr sachlich geführte Diskussion“, sagte der Namenspartner von Baker & McKenzie Diwok Hermann Petsche, Dr. Gerhard Hermann, gegenüber JUVE. „Die Kammervertreter haben unsere rechtliche Argumentation gehört und bewertet.“ Im Ergebnis hätten hier die Argumente der innerhalb der EU vorgesehenen Niederlassungsfreiheit überwogen, so Hermann.

Wahl zwischen zwei neuen Rechtsformen

Die österreichischen Anwälte haben nun die Wahl zwischen zwei ganz neuen Rechtsformen. Denn erst im Herbst vergangenen Jahres hatte der Gesetzgeber ihnen die Möglichkeit eröffnet, auch als GmbH & Co. KG zu firmieren. Um diesen Weg wurde ungefähr ein Jahrzehnt gerungen.

In Deutschland dagegen ist die von vielen Juristen lange geforderte GmbH & Co. KG für Anwälte weiter nicht möglich. Zuletzt hatte das Bundesverfassungsgericht 2011 im Verbot der GmbH & Co. KG für Anwälte keine Verletzung der Berufsausübungsfreiheit gesehen. Dafür ist in Deutschland seit 2013 die sogenannte Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung möglich, die eingeführt wurde, um ein deutsches Gegengewicht zur englischen LLP zu schaffen.

Nachfrage verhalten

In Österreich ist die Nachfrage nach der GmbH & Co. KG allerdings bislang verhalten. Mit der Großsozietät Wolf Theiss und der Wiener Kanzlei Emberger haben gerade einmal zwei Kanzleien von der neuen Rechtsform Gebrauch gemacht. Weitere Anträge lägen zur Zeit nicht vor, heißt es von der Wiener Rechtsanwaltskammer.

Baker-Partner Hermann kann sich trotzdem gut vorstellen, dass die LLP & Co. KG Schule machen wird. „Die LLP ist gesellschaftsrechtlich deutlich flexibler als die GmbH. Daher eignet sie sich auch besonders als Komplementärin einer ,freiberuflich tätigen‘ KG.“ Jedenfalls für Kanzleien, die grenzüberschreitend tätig sind, und die daher geringere Berührungsängste mit LLPs haben, sei die Rechtsform einer LLP & Co. KG eine Überlegung wert, so Hermann.

Zudem sei zu bedenken, dass die Rechtsform der KG als Trägergesellschaft den österreichischen Mandanten und sonstigen Geschäftspartnern in Österreich bekannter sei als die Rechtsform einer LLP. Die Kombination LLP & Co. KG bot sich aus Hermanns Sicht daher an.

Natürlich wäre es auch möglich gewesen, als reine LLP in Österreich aufzutreten. In dieser Form firmiert in Österreich aktuell nur Freshfields Bruckhaus Deringer, die hier eine Zweigniederlassung der Londoner LLP betreibt. (Jörn Poppelbaum)

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