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19.01.2015

Anwaltstausch im Linz-Swap: Bawag setzt auf Dorda Brugger Jordis statt Wolf Theiss

Paukenschlag in der Linzer Swap-Affäre: Die Bawag P.S.K., die mit der Stadt Linz um die Verluste aus einem riskanten Finanzgeschäft streitet, hat im laufenden Verfahren einen Teil ihrer externen Anwälte ausgetauscht. Das Wolf Theiss-Team um Litigation-Partnerin Dr. Bettina Knötzl wird ersetzt durch Dorda Brugger Jordis mit Dr. Andreas Zahradnik an der Spitze.

Andreas Zahradnik

Andreas Zahradnik

Weiterhin an Bord bleibt Dr. Gabriel Lansky (Lansky Ganzger + Partner). Bankintern hat General Counsel Alexander Schall die Federführung. Dorda war bereits zu Beginn der Swap-Affäre zwei Jahre lang gemeinsam mit Wolf Theiss für die ehemalige Gewerkschaftsbank Bawag tätig. Anfang 2013 hatte die Bawag dann Lansky zusätzlich zu Wolf Theiss mandatiert und damit viel Aufmerksamkeit in der Kanzleiszene erregt. Damals wurde die Einflussnahme des Bawag-Miteigentümers Golden Tree, ein US-amerikanischer Hedgefonds, ebenso als Grund vermutet wie die bekanntermaßen guten Kontakte von Lansky zur Sozialdemokratischen Partei Österreichs.

„Wir wollten schon 2013 eine ungewöhnliche Lösung und es hat sich gezeigt, dass die Unterschiedlichkeit der bisherigen Kanzleien Wolf Theiss und Lansky Ganzger + Partner gut und wichtig ist“, blickt Schall zurück. Ähnlich wie mit der Hinzunahme von Lansky vor zwei Jahren erhoffe man sich nun von der Mandatierung der Kanzlei Dorda Brugger Jordis neuen Input. „Wir haben vier Jahre lang sehr erfolgreich mit Wolf Theiss zusammengearbeitet“, sagt Schall. Man trenne sich nun im besten Einvernehmen.

Bettina Knötzl

Bettina Knötzl

Das wird auch von Seiten Wolf Theiss‘ nicht bestritten. Allerdings gibt es auch Marktteilnehmer, die einen Zusammenhang mit dem Engagement von Wolf Theiss-Partnerin Bettina Knötzl bei Transparency International vermuten. Seit knapp einem Jahr leitet sie den Beirat der Organisation in Österreich. Unter anderem vor diesem Hintergrund soll für sie eine Zusammenarbeit mit Lansky kaum mehr vorstellbar gewesen sein. Vor einigen Monaten war der Anwalt etwa im Zusammenhang mit seiner Arbeit in der Causa Aliyev ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

Verlust für Wolf Theiss

Der Wegfall des Mandats bedeutet für Wolf Theiss den Verlust eines nicht unerheblichen Umsatzteiles. Knötzl zählte in den vergangenen Jahren immer zu den umsatzstärksten Partnern der Kanzlei. Wie jetzt bekannt wurde, ist Knötzl nicht mehr Leiterin der Dispute-Resolution-Praxis der Kanzlei. Diese Funktion übernahm Clemens Trauttenberg. Einem Zusammenhang zwischen dem Ende der Tätigkeit in dem Bawag-Mandat und der Neubesetzung der Praxisgruppenleitung widersprach Wolf Theiss jedoch. Vielmehr seien alle vier Praxisgruppenleitungen neu besetzt worden.

Hintergrund der Linzer Swap-Affäre ist ein Art Kurs-Zins-Wette, die die Bank und die Stadt Linz 2007 zur Absicherung einer auslaufenden Kreditlinie in Höhe von 195 Millionen Franken abgeschlossen hatten. Durch den Kursanstieg des Franken stieg der Wert des Swaps auf mehrere Hundert Millionen Euro, die zusätzlich zur Kreditschuld zu zahlen waren. Die Stadt Linz stellte ihre Zahlungen ein und reichte Klage über 24,8 Millionen Euro ein. Die Bawag wiederum kündigte den Vertrag und klagte ihrerseits auf 417,74 Millionen Euro plus Zinsen. Eine Mediation war 2013 gescheitert.

Eigenen Angaben zufolge pflegt die Bank Beziehungen mit vielen großen Kanzleien in Österreich, ausgeschrieben werden die Mandate nicht. Dass die Bawag wechselweise auf Dorda Brugger Jordis beziehungsweise Wolf Theiss setzt, erscheint wenig überraschend. Beide Kanzleien gelten jeweils als enge Berater der beiden Mehrheitsaktionäre der Bawag: Wolf Theiss berät das Cerberus-Konsortium, Dorda ist aufseiten des US-Hedgefonds Golden Tree gesetzt. (Geertje de Sousa)

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