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05.02.2015

Alpine-Pleite: Insolvenzverwalter klagen gegen Deloitte und Konzernmutter FCC

Die Mega-Pleite der Alpine wird die Gerichte noch Jahre beschäftigen. Nach dem Masseverwalter der Alpine Bau hat nun auch der Masseverwalter der Alpine Holding vor dem Handelsgericht Wien Klage gegen die spanische Konzernmutter Fomento de Construcciones y Contratas (FCC) eingereicht. Klagen gegen die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Deloitte sind schon seit Oktober anhängig.

Karl Engelhart

Karl Engelhart

Bereits zugestellt ist die Klage von Dr. Stephan Riel, Masseverwalter der Alpine Bau, gegen die FCC auf Rückzahlung von 75 Millionen Euro. Dagegen rechnen Beteiligte damit, dass die Zustellung der Mitte Jänner von Dr. Karl Engelhart, Masseverwalter der Alpine Holding, gegen FCC eingebrachten Klage noch einige Monate dauern wird. Er klagt FCC auf Rückzahlung von 186,23 Millionen Euro.

Engelhart wirft FCC vor, sie habe veranlasst, dass die Alpine Holding Anleihegelder als völlig unbesicherte Darlehen an die Alpine Bau weitergab. Damit habe unmittelbar die Holding das Risiko getragen, mittelbar aber der Anleihenzeichner. FCC hatte 2010, 2011 und 2012 bei rund 8.000 Anleihezeichnern 290 Millionen Euro eingesammelt. Während die erste Anleihen-Tranche über 100 Millionen Euro im Konkurs der Alpine Bau als Forderung anerkannt wurde, hätten die Zeichner der Baukonzern-Anleihe in 2011 und 2012 durch die spezielle Konstruktion keinen Anspruch auf eine Konkurs-Quote und würden somit völlig leer ausgehen. Dies erklärte der Insolvenzverwalter im Gespräch mit JUVE.

Der spanische Baukonzern will derzeit keine Stellungnahme abgeben, sondern die Klagszustellung abwarten. Allein für die FCC-Klage musste Engelhart 2,2 Millionen Euro an Gerichtsgebühren zahlen. Er bestätigte JUVE gegenüber, dass das Geld aus einer außergerichtlichen Einigung mit der Erste Bank und UniCredit stammt, die Mitte Dezember 2014 erzielt worden war. Engelhart hatte die Verpfändung einer Eigenmittelausstatttung von FCC an die Alpine Holding durch die Banken in Höhe von 10,5 Millionen Euro angefochten.

Deloitte auf insgesamt über 80 Millionen Euro geklagt

Gegen den langjährigen Wirtschaftsprüfer der Alpine-Gruppe, Deloitte, haben die Insolvenzverwalter bereits im Oktober 2014 Klage über 68 Millionen Euro (Alpine Holding) und 24 Millionen Euro (Alpine Bau) eingereicht. Hier lautet der Vorwurf, dass kein uneingeschränktes Testat hätte erteilt werden dürfen, weil die Jahresabschlüsse nicht korrekt erstellt worden seien. Zwar habe Deloitte den einen oder anderen Hinweis gegeben, aber „für 2010 und 2011 hätte das Testat versagt werden müssen“, so Engelhart.

Deloitte weist diese Vorwürfe entschieden zurück: „Deloitte hat die Einzel- und Konzernabschlüsse der Jahre 2009 bis 2011 testiert, und zwar jeweils mit Ergänzungen, in denen auf Risiken in mehrstelliger Millionenhöhe ausdrücklich hingewiesen wurde“, teilte Deloitte-Anwalt Dr. Alexander Klauser mit.

Zudem wurde bekannt, dass im Dezember in der Deloitte-Zentrale in Wien Hausdurchsuchungen stattgefunden haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Deloitte-Mitarbeiter, unter anderem wegen der Verdachts der Bilanzfälschung und Beihilfe zum schweren Betrug. Deloitte hat Rechtsmittel gegen die Beschlagnahme von Unterlagen eingelegt.

** Im weiteren Verlauf haben sich eine Reihe von Gläubigern formiert, die sich gegen den wahrscheinlichen Totalausfall der Alpine-Anleihe von 2010, 2011 und 2012 wenden. Im Markt heißt es, dass gegen jede der vier beteiligten Emissionsbanken zwischen 20 und 50 Klagen anhängig sind. Als weitere Beklagte sind Banken im Visier, die im Vertrieb der Anleihen tätig waren.

 

Komplex 1: Klagen gegen FCC und Deloitte

Stephan Riel

Stephan Riel

Vertreter Alpine Bau
Jaksch Schoeller & Riel (Wien): Dr. Stephan Riel (Masseverwalter Alpine Bau) – in beiden Zivilprozessen

Vertreter Alpine Holding
Engelhart & Partner (Wien): Dr. Karl Engelhart – in beiden Zivilprozessen

Vertreter FCC (Klage Alpine Bau)
Preslmayr (Wien): Dr. Matthias Schmidt – aus dem Markt bekannt

Vertreter FCC (Klage Alpine Holding): nicht bekannt

Berater FCC
Baker & McKenzie (Wien): Dr. Gerhard Hermann (Federführung), Dr. Eva-Maria Ségur-Cabanac (Corporate); Associates: Dr. Petra Meissner (Litigation), Armin Assadi (Corporate; Rechtsanwaltsanwärter)

Vertreter Deloitte
Brauneis Klauser Prändl (Wien): Dr. Alexander Klauser, Dr. Gerald Otto – in beiden Zivilprozessen

Vertreter Deloitte/betroffene Mitarbeiter
Brauneis Klauser Prändl (Wien): Dr. Orlin Radinsky – bei strafrechtlichen Ermittlungen

Komplex 2: Klagen wegen Anleihen**

Vertreter Anleger
Dr. Benedikt Wallner (Wien)
Poduschka (Wien): Michael Poduschka

Vertreter RBI
Grohs Hofer (Wien): Dr. Martin Oppitz – aus dem Markt bekannt

Vertreter Bawag
Fellner Wratzfeld & Partner (Wien): Dr. Markus Fellner, Christian Thaler – aus dem Markt bekannt

Vertreter UniCredit Bank Austria
Doralt Seist Csoklich (Wien): Prof. Dr. Raimund Bollenberger, Dr. Markus Kellner – aus dem Markt bekannt

Vertreter Erste Bank
Binder Größwang (Wien): Dr. Stefan Albiez– aus dem Markt bekannt

Vertreter RLB Oberösterreich, Oberbank, VKB Bank
Haslinger Nagele & Partner (Linz): Dr. Michael Magerl, Christoph Dupal

Hintergrund: Riel und Engelhart zählen zu den erfahrenen und hochangesehenen Insolvenzverwaltern in Österreich. Auch Preslmayr-Partner Schmidt, der Informationen aus dem Markt zufolge FCC in der Klage gegen Alpine Bau vertritt, genießt in der Insolvenzrechtsszene großes Ansehen. Dass er regelmäßig in internationalen Causen empfohlen wird, könnte auch hier eine Rolle spielen.

Daneben berät im Hintergrund Baker & McKenzie die spanische Alpine-Mutter FCC rund um den Komplex der Alpine-Insolvenz, z.B. auch bei Anlegerklagen. Die Kanzlei war im Herbst 2012 unter anderem bei der für die Sanierungsbemühungen wichtigen Einigung von Gläubigerbanken und der Republik Österreich im Frühjahr beteiligt, wobei die Finanzverhandlungen allein auf Ebene der Alpine Bau GmbH mit den Banken stattfanden.

FCC zählt insgesamt zu den langjährigen Mandanten von Baker. Verschiedene Partner des Madrider Büros sind immer wieder für den spanischen Baukonzern tätig gewesen, und selbst in Österreich beriet Baker das Unternehmen bereits mehrmals, etwa beim Einstieg bei Alpine.

Brauneis Klauser Prändl und Deloitte arbeiten seit vielen Jahren eng zusammen. (Geertje de Sousa)

** aktualisiert mit weiteren Anfang März zugänglichen Informationen

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