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16.04.2015

Neue Wege: Freshfields-Kartellrechtspartner gründet Reidlinger Schatzmann

Dr. Axel Reidlinger (48), einer der renommierten Wiener Kartellrechtler, verlässt Freshfields Bruckhaus Deringer. Mit Mai gründet er zusammen mit dem anerkannten Corporate-Spezialisten Dr. Hanno Schatzmann (48) eine eigene Kanzlei namens Reidlinger Schatzmann. Schatzmann war schon zum Jahreswechsel bei Gassauer-Fleissner ausgeschieden. Beide sind seit ihrer Studienzeit befreundet.

Axel Reidlinger

Axel Reidlinger

Reidlinger war mehr als 20 Jahre bei Freshfields beziehungsweise deren Vorgängerkanzlei in Wien, Heller Löber Bahn, tätig, seit 2001 als Partner. Dabei hatte er auch einige Jahre in Brüssel gearbeitet. Wichtige Mandate waren zuletzt etwa die Beratung des zum Ottakring-Konzern gehörigen Mineralwasserabfüllers Vöslauer in einer Kartelluntersuchung, von RWE im Streit mit Gazprom um langfristiger Gaslieferverträge oder die Begleitung des Axel Springer-Verlags beim heiklen Verkauf von Zeitschriftentiteln an Funke.

Hanno Schatzmann

Hanno Schatzmann

Schatzmann zählte 2002 zu den Gründungspartnern von Gassauer-Fleissner. Zu seinen regelmäßigen Mandanten zählten in der Vergangenheit unter anderem die deutsche Hannover Finanz bei Akquisitionen in Österreich oder der Immobilien-Projektentwickler Thomas Kronsteiner. Gassauer-Fleissner war Ende 2014 aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Strategie und Betriebsführung auseinandergebrochen.

Die Zeit ihrer Tätigkeit in Großkanzleien sei „geprägt durch eine bereichernde Zusammenarbeit mit Partnern und Teams und durch viele schöne Erfolge“, erklären beide. „Jetzt aber ist für uns der Zeitpunkt gekommen, gemeinsam etwas Neues und Eigenes auf die Beine zu stellen.“ Schwerpunkte der neuen Kanzlei sollen Corporate, Immobilien-, Kartell- und Beihilferecht sowie Energieregulierungsfragen bilden. Reidlinger sagt: „Wir sind überzeugt, dass mit diesem attraktiven Angebot auch zusätzliche langfristige Mandatsbeziehungen entstehen werden.“ Ein weiteres, moderates Wachstum der Kanzlei ist geplant.

Freshfields ohne Kartellpartner in Wien

Bei Freshfields gibt es durch Reidlingers Ausscheiden künftig in Wien keinen Kartellrechtspartner mehr. Das Team aus vier Associates und einem Rechtsanwaltsanwärter leitet vorübergehend der Berliner Partner Dr. Thomas Lübbig. Das Kartellrecht sei für den Wiener Standort jedoch weiterhin ein sehr wichtiges Gebiet, heißt es aus der Kanzlei.

In den vergangenen Jahren hatte sich allerdings gezeigt, dass es in dem Büro trotz seiner starken Marktposition in Österreich und der CEE-Region kaum Platz für einen zweiten Partner geben würde. Den Hintergrund dafür liefert die energisch vorangetriebene Internationalisierungsstrategie der Gesamtkanzlei. Denn damit einhergehend stiegen die Umsatz- und Profitabilitätserwartungen, die sich auf dem globalen Markt an US-amerikanischen Kanzleien orientieren.

Es war zu beobachten, dass die Wiener Kartellrechtspraxis dadurch in den vergangenen Jahren zu einer Schmiede für anerkannte jüngere Kartellrechtler wurde, die ihre Karriere in anderen Sozietäten fortsetzen. Darunter sind beispielsweise mit Dr. Isabella Hartung (Barnert Egermann Illigasch), Dr. Günther Bauer (Wolf Theiss) und Dr. Dieter Thalhammer (Eisenberger & Herzog) Anwälte, die sich heute zu bedeutenden Namen in der Wiener Kartellrechtsszene entwickelt haben.

Freshfields ernennt zum Mai zwar einen neuen Kartellrechtspartner, doch betrifft dies nicht Wien, sondern einen international ausgerichteten, im Brüsseler Büro angesiedelten Kartellrechtler. Aber auch im Wiener Büro gibt es einen neuen Partner: den Öffentlichrechtler Dr. Stephan Denk. Er ist unter anderem maßgeblich an den Verfahren für die BayernLB im Hypo Alpe-Adria-Komplex beteiligt. (Antje Neumann)

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