Artikel drucken
25.08.2015

ATB-Antriebstechnik: Mehrheitsaktionär Wolong setzt bei Squeeze-out auf Herzer

Der chinesische Mehrheitsaktionär der ATB Antriebstechnik, Wolong, will auch die restlichen, in Streubesitz befindlichen 1,1 Prozent der Anteile übernehmen. ATB wird dann von der Börse genommen. Ein entsprechender Beschluss wurde auf der jüngsten ATB-Hauptversammlung gefasst.

Herzer_Michael

Michael Herzer

Das Grundkapital der ATB Austria Antriebstechnik beträgt 11 Millionen Euro und ist in 11 Millionen auf Inhaber lautende Stückaktien unterteilt. Wolong hält über sein europäisches Investmentvehikel bisher 98,9 Prozent der Anteile. Im Streubesitz befinden sich 118.105 Stückaktien.

Wolong bietet den Aktionären eine Barabfindung in Höhe von 7,60 Euro pro Aktie. Presseberichten zufolge fordern die Aktionäre 10,50 Euro. Sie kündigten ein Überprüfungsverfahren an, um die Angemessenheit der Abfindungshöhe gegebenenfalls gerichtlich festlegen zu lassen, sollte es zu keiner Einigung kommen.

Der chinesische Konzern hatte den börsenotierten Motorenhersteller ATB 2011 für rund 100 Millionen Euro erworben. ATB war Teil der insolventen A-Tec-Gruppe des Industriellen Mirko Kovats. ATB beschäftigt heute 3.700 Mitarbeiter und erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 337 Millionen Euro.

Die Wolong-Gruppe wurde 1984 gegründet. Dazu gehören neben ATB noch drei weitere börsegelistete Gesellschaften: Die in Schanghai notierten Wolong Electric und Wolong Real Estate sowie die in Slowenien gelistete Wolong-LJ. Mit 14.000 Mitarbeitern weltweit erwirtschaftete der Konzern zuletzt einen Umsatz von umgerechnet mehr als 2,7 Milliarden Euro.

Berater ATB/Wolong
MSW Rechtsanwälte (Wien): Dr. Michael Herzer
Inhouse (ATB; Wien): Dr. Wolfgang Pflüger (Leiter Recht)

Hintergrund: Herzer ist als selbstständiger Rechtsanwalt in Regiegemeinschaft mit MSW tätig, bis 2012 war er Substitut bei Hausmaninger Kletter. Aus dieser Zeit stammt auch der Kontakt zur Mandantin ATB: Herzer gehörte zu dem Team von Hausmaninger Kletter, das A-Tec bei der Übernahme durch Wolong beriet. Gemeinsam mit dem bekannten österreichischen Kapitalmarktrechtler Dr. Stephan Hutter, damals im Frankfurter Büro von Shearman & Sterling tätig, heute Partner bei Skadden Arps Slate Meagher & Flom, hatte die Kanzlei zuvor auch den Börsegang von A-Tec Industries begleitet.

Treuhänder der insolventen A-Tec war Dr. Matthias Schmidt von Preslmayr. Beim Erwerb von ATB wurde Wolong von CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati beraten. Es handelte sich damals soweit bekannt um die größte Transaktion eines chinesischen Investors in Österreich. (Geertje de Sousa)

  • Teilen