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27.10.2015

Glücksspielbranche: Novomatic emittiert mit Freshfields Schuldschein, Bewegung im CASAG-Komplex

Nach rund vier Jahren platzierte Novomatic einen neuen Schuldschein: 275 Millionen Euro konnte das Glücksspielunternehmen bei Investoren in Österreich, Deutschland sowie unter anderem in Luxemburg und Spanien einsammeln. Begleitet wurde sie dabei von der LBBW, der Landesbank Baden-Württemberg, die als Sole Lead Manager mandatiert war.

Florian Klimscha

Florian Klimscha

Der neue Schuldschein teilt sich in Tranchen mit fünf- und zehnjähriger Laufzeit. Die 1980 gegründete Unternehmensgruppe Novomatic, die zuletzt vor allem auf Anleihe-Emissionen gesetzt hatte, erzielte im letzten Jahr rund 3,8 Milliarden Euro Umsatz. Weltweit arbeiten etwa 22.000 Mitarbeiter für den Gaming-Technologiekonzern, allein 3.000 davon in Österreich.

Die Schuldscheinerlöse, die laut einer Pressemitteilung der laufenden Unternehmensfinanzierung dienen sollen, dürften auch das M&A-Geschäft erleichtern. Im Sommer beteiligte sich der Automatenbetreiber, zu dem auch Admiral Sportwetten gehört, bereits an der Österreichischen Lotterien (ÖLG), im September dann übernahm die britische Tochter Novomatic UK die britische Playnation, die rund 20.000 Spielautomaten besitzt.

Vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden möchte sich Novomatic auch bei der teilstaatlichen Wettbewerberin Casinos Austria (CASAG) einkaufen. Sie hatte ein Übernahmeangebot für die Anteile der Uniqua Versicherung an der Beteiligungsgesellschaft Medial vorgelegt, die wiederum Hauptaktionärin der Casinos Austria ist. Weiters hatte sie für die CASAG-Anteile der Maria Theresia Bablik Privatstiftung (MTB) und der Leipnik-Lundenberger Invest (LLI) geboten. Sollten alle Transaktionen genehmigt werden, dürfte die Novomatic demnächst rund 40 Prozent an der fast gleich großen Wettbewerberin Casinos Austria halten.

Ein tschechisches Bieterkonsortium hatte über die Austria Gaming Holding (AGH) ebenfalls eine Offerte unterbreitet. Sie hielt indirekt einen Anteil von 11,34 Prozent an der Casinos Austria über das jüngst von der Donau Versicherung erworbene Vehikel CAME Holding. So wollte das Konsortium auch von dem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, das CASAG-Mitaktionären und Syndikatspartnern zusteht.

Wettbewerb der Glücksspielritter

In einer außerordentlichen Hauptversammlung am 5. Oktober setzte jedoch die staatliche Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen (ÖBIB), die ein Drittel aller CASAG-Anteile hält, ihr Vetorecht ein. Sie sprach sich gegen die Übertragung der in der MTB Privatstiftung gehaltenen CASAG-Aktien an CAME aus. Dabei stützte sie sich auf ein Rechtsgutachten, das sie nach JUVE-Informationen selbst gar nicht in Auftrag gegeben hatte. „Wir befürchten womöglich jahrelange Rechtsstreitigkeiten, die die Übertragung der Aktien nach sich ziehen könnte“, begründete ÖBIB-Generalsekretärin Dr. Martha Oberndorfer den Einwand.

Jürgen Kittel

Jürgen Kittel

Genau diese Rechtsstreitigkeiten könnten nun eintreten, denn die neuen Eigentümer der CAME, die tschechischen Firmen KKCG und Emma Capital, machten ihrem Ärger noch am selben Tag Luft: „Mit dieser Entscheidung verstoßen die Aktionäre der CASAG eindeutig gegen ihre vertraglichen Verpflichtungen, die Satzung der CASAG und das österreichische Aktiengesetz“, hieß es in einer ersten Stellungnahme. Dass sie auch gezielt an bilaterale Verträge zum Investitionsschutz erinnerten, deutet darauf hin, dass die tschechischen Unternehmen ein Schiedsgerichtsverfahren in Erwägung ziehen. Dabei könnten sie sich auf das seit 1991 in Kraft stehende Abkommen zwischen Österreich und der damaligen Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik berufen, das weiterhin angewendet wird.

Die Investmentgruppe KKCG, Eignerin der tschechischen Glücksspielfirma Sazka, verwaltet rund 1,6 Milliarden Euro. Hinter ihr steht der Milliardär Karel Komarek. Die noch junge Emma-Gruppe wiederum ist das Beteiligungsunternehmen des Landsmannes Jiří Šmejc. Beide sind bei dem großen Glücksspiel- und Lotteriekonzern OPAP involviert, der an der Athener Börse notiert ist. Insofern kennen auch sie sich im europäischen Glücksspielgeschäft bestens aus.

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hatte schon früh ihre Bedenken zu dem geplanten Einstieg von Novomatic bei der Casinos Austria angemeldet. Sie führt daher ausführliche Pränotifikationsgespräche mit Novomatic-Vertretern. Als die Behörde Anfang des Monats ihren Tätigkeitsbericht 2014 vorlegte, kündigte sie an, dass sie ihre künftigen Ermittlungsschwerpunkte im Online-Handel, im Telekommunikationssektor sowie im Glückspielbereich sieht. Die Übernahme der CAME durch die Austria Gaming Holding hat sie ohne Auflagen bewilligt. 

Schuldschein-Emmission der Novomatic

Berater Novomatic
Freshfields Bruckhaus Deringer (Wien): Dr. Florian Klimscha, Stephan Pachinger; Associate: Julia Albrecht
Inhouse Recht (Gumpoldskirchen): Dr. Silvia Wandl (Senior Legal Counsel) 

Berater LBBW
Inhouse Recht (Stuttgart): keine Nennung


Transaktionen rund um die CASAG

Berater Novomatic
Binder Grösswang (Wien): Dr. Raoul Hoffer, Christine Dietz (beide Kartellrecht)
Grohs Hofer (Wien): Dr. Elisabeth Stern (M&A)

Berater Casinos Austria
Fellner Wratzfeld & Partner (Wien): Dr. Markus Fellner, Dr. Lukas Flener (beide Corporate/M&A)

Berater Uniqa
Schönherr (Wien): Dr. Peter Feyl (Bank- und Kapitalmarktrecht)

Berater Medial
Wolf Theiss (Wien): Dr. Markus Heidinger (Bankrecht) 

Berater Maria Theresia Bablik Privatstiftung (MTB)
nicht bekannt

Berater Leipnik-Lundenberger
nicht bekannt

Berater Donau Versicherung
Bichler Zrzavy (Wien): Edgar Zrzavy; Associate: Willibald Hauer – aus dem Markt bekannt

Berater ÖBIB
CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati (Wien): Dr. Edith Hlawati – aus dem Markt bekannt

Berater Austrian Gaming Holding (AGH):
Dorda Brugger Jordis (Wien): Dr. Jürgen Kittel , Dr. Martin Brodey, Dr. Christian Dorda (alle Federführung/M&A), Dr. Bernhard Müller (Glücksspielrecht), Dr. Stephan Polster (Kartellrecht); Associates: Dr. Lars Maritzen (Kartellrecht), Jakob Pommer, Philip Rosenauer, Florian Mayer (alle M&A; alle Rechtsanwaltsanwärter)

Hintergrund: Die Anleiheemission wurde bei Novomatic primär von Johannes Gratzl, Head of Group Treasury, und seinem Team abgedeckt. Rechtlich begleitete Inhouse-Juristin Wandl die Platzierung. Sie wechselte 2011 von der Sozietät Wolf Theiss zum Unternehmen. Freshfields-Anwalt Klimscha steht dem Gaming-Konzern in Finanzierungsfragen schon seit 2007 zur Seite, bislang vor allem bei Verhandlungen zu Kreditfazilitäten.

Michael Enzinger

Michael Enzinger

Das Gutachten, auf das sich die ÖBIB in der außerordentlichen CASAG-Hauptversammlung berief, wurde von Prof. Dr. Michael Enzinger im Auftrag des Vorstandes der MTB Privatstiftung erstellt. Enzinger, Namenspartner von Lattenmayer Luks & Enzinger und seit Ende April Präsident der Wiener Rechtsanwaltskammer, ist auch als Schiedsrichter beim Internationalen Schiedsgericht der Wirtschaftskammer Österreich tätig. 

Die Kapitalmarktrechtlerin Hlawati wurde schon von der ÖBIB-Vorgängerin, der alten Staatsholding ÖIAG, regelmäßig mandatiert. Die Holding managt die wichtigsten Beteiligungen der Republik – Telekom Austria, OMV, Post und seit der Umwandlung im Frühjahr zur ÖBIB eben auch die Casinos Austria. 

Dorda Brugger Jordis kam bei den tschechischen Bietern und deren Austria Gaming Holding über eine Empfehlung ins Mandat. Das Team hatte zunächst auch Finanzinvestor Peter Goldscheider mitberaten, als er mit seinem Beteiligungsvehikel Epic noch als Mitbieter im Gespräch war. (Sonja Behrens)

 

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