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20.11.2015

Anlegerklagen: Immofinanz handelt mit Dorda weiteren Vergleich aus

Zwei Wochen nach der Einigung mit dem Prozessfinanzierer Advofin hat sich die Immofinanz auch mit Anlegeranwälten auf einen Vergleich verständigt. Der Immobilienkonzern teilte mit, mit den Rechtsanwaltskanzleien Poduschka, Benedikt Wallner sowie Köb Reich-Rohrwig ein Vergleichsangebot für offene Anlegerverfahren, die ihren Ursprung vor 2009 haben, ausgearbeitet zu haben.

Benedikt Wallner

Benedikt Wallner

Nach Angaben der Immofinanz richtet sich das Vergleichsangebot an rund 1.230 Anleger. Die ursprünglich geltend gemachten Ansprüche beliefen sich auf etwa 39 Millionen Euro, für den Vergleich wird der Konzern knapp 11 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Die von den drei Kanzleien vertretenen Anleger und Rechtsschutzversicherungen würden bereits in den kommenden Wochen ein entsprechendes Angebot über einen angemessenen Betrag erhalten, so die Immofinanz.

Hintergrund des Vergleichs sind Einzel- und Sammelklagen, die Anleger gegen den Konzern wegen des Wertverlustes ihrer vor Jahren erworbenen Aktien der Immofinanz und der auf Osteuropa fokussierten Tochter Immoeast (heute IMBEA) erhoben haben. Zudem haben sie die frühere Managementgesellschaft der Immofinanz-Gruppe und heutige Bad Bank des Instituts, Aviso Zeta (vormals Constantia Privatbank), geklagt. Dabei standen unter anderem Prospekthaftungsklagen, vermeintliche Ad-hoc-Pflichtverletzungen und der Vorwurf im Raum, die Immofinanz habe die Ausgabe der Wertpapiere für eine unzulässige Konzernfinanzierung genutzt. Das Institut stellte seinerzeit für die Immofinanz sowie Immoeast und Immowest die komplette Infrastruktur und alle Mitarbeiter zur Verfügung.

Insgesamt sind derzeit beim Handelsgericht Wien sowie beim Bezirksgericht für Handelssachen Wien mehr als 500 Anlegerverfahren gegen den Konzern und seine Gesellschaften anhängig. Durch die mit Advofin erzielte außergerichtliche Lösung sowie durch die nunmehr bekanntgegebenen angestrebten Vergleiche können bis zu 95 Prozent der offenen Verfahren (gemessen an der Anzahl) abgeschlossen werden, so die Immofinanz. Auch für die dann noch offenen anderen Gerichtsverfahren strebt der Konzern Vergleiche an.

Berater Immofinanz
Inhouse (Wien):Richard Bauer (Leiter Rechtsabteilung)
Dorda Brugger Jordis (Wien): Dr. Bernhard Rieder (Gesellschaftsrecht), Dr. Andreas Zahradnik (Bank- und Finanzrecht)

Berater Aviso Zeta
Inhouse (Wien): Stefan Frömmel (Vorstand Aviso Zeta, Head of Financial Investments Immofinanz)
Jank Weiler Operenyi (Wien): Dr. Andreas Jank (Bank- und Finanzrecht)

Berater Anleger und Rechtsschutzversicherer
Benedikt Wallner (Wien)
Poduschka (Perg): Michael Poduschka
Köb Reich-Rohrwig (Wien): Dr. Andreas Köb

Handelsgericht Wien
Andreas Pablik

Hintergrund: Der Vergleich war mit dem ersten Vergleich angekündigt worden. Aufseiten der Immofinanz und Aviso Zeta waren mit Dorda Brugger Jordis und Jank Weiler Operenyi bei beiden Vergleichen dieselben Kanzleien tätig. (Jörn Poppelbaum)

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