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27.07.2016

Im Gespräch: Wolf Theiss-Partner Dieter Spranz über sein Leben mit Burger King

Dieter Spranz ist einer der bekanntesten Partner von Wolf Theiss. Der 47-Jährige berät große Private-Equity-Investoren oder die ÖBB genau so wie kleine österreichische Hoffnungswerte. Als Vertrauter von René Benko ist er auch Mitglied im Aufsichtsrat von Karstadt. Seit einiger Zeit beschreitet er ganz neue Wege: Seine Familiengesellschaft wurde 2015 zum Master-Franchisenehmer von Burger King in Österreich – und Spranz auf einen Schlag zum Unternehmer mit mehreren hundert Arbeitnehmern.

Dieter Spranz

Dieter Spranz

JUVE: Seit einiger Zeit geht im Wiener Anwaltsmarkt das Gerücht um, dass Sie Wolf Theiss verlassen. Was ist dran?
Dr. Dieter Spranz: In jedem Gerücht steckt ja ein bisschen Wahrheit. In diesem Fall aber eben nur ein ganz kleines bisschen. Der Markt spielt damit sicher auf mein unternehmerisches Engagement an, das sich über unsere Familienholding Theophil im letzten Jahr insbesondere als Master-Franchisenehmer und exklusiver Developer von Burger King für Österreich deutlich ausgeweitet hat.

Mit der Konsequenz, dass Sie bald bei Wolf Theiss aufhören?
Nein. Mit der Konsequenz, dass ich bereits seit Anfang des Jahres meine Zeit in der Kanzlei anders justiert habe.

Und das heißt?
Wir sind übereingekommen, dass ich mich in einem stärkeren Ausmaß als bislang den Geschäften unserer Unternehmensgruppe widmen kann. Ich arbeite also nach wie vor als Anwalt und Partner, jedoch mit geringerer Arbeitszeit und damit auch geringerem Einkommen aus dieser Tätigkeit.

Also eine Art Teilzeitpartner mit 47 Jahren?
Nein. Ich würde eher sagen, ich konzentriere mich jetzt ganz auf die Mandantenberatung. Ich bin jetzt seit 17 Jahren Partner bei Wolf Theiss, habe mich zwischen 2002 und 2008 stark in unserer Expansion in CEE engagiert und 6 Büros eröffnet, hatte eine Reihe von Management-Positionen, etwa Managing-Partner oder bis Anfang letzten Jahres Leiter der Corporate-Praxis. Derartigen Funktionen werde ich mich in absehbarer Zeit nicht mehr widmen. Andererseits habe ich in der ersten Hälfte dieses Jahres drei größere abgeschlossene M&A-Transaktionen als Lead-Partner betreut, was auch für einen Vollzeitpartner eine sehr gute Auslastung ist.

Wie ist diese Entscheidung in der Kanzlei aufgenommen worden?
Soweit ich es wahrgenommen habe, durchgehend mit großem Verständnis und Respekt. Andreas Theiss hat auch immer gesagt, das Geheimnis unseres Erfolgs ist, dass wir eine unternehmerische Kanzlei sind. Insofern ist meine Tätigkeit der Beleg dafür, dass wir wirklich Unternehmer sind. Außerdem bedeutet meine Reduzierung der Zeit bei Wolf Theiss ja auch eine Chance für junge Partner.

Was machen Sie konkret in Ihrer Holding?
Ich definiere meine Rolle als eine Art aktiver Aufsichtsratsvorsitzender, der die Unternehmensgruppe als unternehmerischer Investor mit beeinflusst, vor allem in strategischen, rechtlichen und Finanzierungsaspekten. Die operativen Geschäfte führt ein eigenes Management Team und meine Frau ist auch punktuell strategisch involviert. Aber unser Unternehmen ist für mich, anders als in den Anfangsjahren, kein Selbstläufer mehr. Mittlerweile sind in unserer Gruppe über 400 Arbeitnehmer beschäftigt und das geplante Investitionsvolumen in den kommenden 5 Jahren liegt in der Größenordnung von 80 bis 100 Millionen Euro.

Das Gespräch führte Jörn Poppelbaum.

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