Artikel drucken
24.08.2017

Joint Venture: Stadler Rail und ÖBB setzen auf Fellner Wratzfeld und Binder Grösswang

Die ÖBB und der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail haben ein gemeinsames Unternehmen gegründet, um die Triebwagenflotte der Westbahn zu warten und instandzuhalten. Die Europäische Kommission gab das Joint Venture ohne Auflagen frei.

Markus Kajaba

Markus Kajaba

Die Westbahn ist auf der Strecke zwischen Wien und Salzburg bislang mit 7 Zuggarnituren des Stadler-Typs Kiss unterwegs. Aktuell stockt der Bahnbetreiber auf 17 Doppelstocktriebwägen des Schweizer Herstellers auf und gibt dafür rund 180 Millionen Euro aus. Das Joint Venture ÖBB Stadler Services soll diese erweiterte Flotte am Standort der ÖBB Technische Services in Wien West in den Nachtstunden instandhalten. Bis Ende 2018 sollen 40 Mitarbeiter für das Gemeinschaftsunternehmen arbeiten.

An ÖBB Stadler Services hält die ÖBB über ihre Tochter ÖBB Technische Services 60 Prozent der Anteile, Stadler ist mit 40 Prozent beteiligt. Bislang erledigte Stadler die Instandhaltung der Westbahn-Flotte an einem Standort in Linz in eigener Regie.

An der Zusammenarbeit fällt auf, dass sich die Beteiligten bislang immer wieder beharkten: Einerseits Stadler und andere Zughersteller um Aufträge der ÖBB, zuletzt etwa in einem Nachprüfungsverfahren zu einer Vergabe über 300 Nahverkehrszüge im Wert von knapp zwei Milliarden Euro. Andererseits die Westbahn und die ÖBB um die Bestellung von Streckenverbindungen. Im Dezember 2015 ging es etwa um ein Paket von 23 Verbindungen, darunter die vom Wiener Westbahnhof nach St. Pölten.

Stadler meldete für das Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von rund 2,1 Milliarden Euro, wovon über 80 Prozent auf Westeuropa entfallen. Der Konzern beschäftigt rund 7.000 Mitarbeiter an 11 Produktions- und über 20 Servicestandorten. Die Stiftung von CEO Peter Spuhler hält mit 83 Prozent den Löwenanteil an Stadler Rail; auf Mitarbeiter entfallen 12 Prozent. Die deutsche RAG Stiftung ist mit 5 Prozent an dem Zughersteller beteiligt.

Die ÖBB Technische Services ist der größte Instandhalter von Zügen hierzulande und beschäftigt an 22 Standorten 3.400 Mitarbeiter. Die Muttergesellschaft ist als Bahnbetreiber in Österreich gleichzeitig der Hauptkonkurrent der Westbahn. Diese selbst bedient seit 2011 den Fernverkehr zwischen Wien und Salzburg. Im Geschäftsjahr 2015 erreichte die Westbahn erstmals einen operativen Gewinn, für sie arbeiten rund 200 Mitarbeiter.

Berater Stadler Rail
Fellner Wratzfeld & Partner (Wien): Markus Kajaba (Federführung; Gesellschaftsrecht), Dr. Lukas Flener (Kartellrecht); Associates: Michael Froner, Johannes Kim (beide Gesellschaftsrecht; beide Rechtsanwaltsanwärter).
BianchiSchwald (Zürich): Thomas Schmid (Corporate/M&A, Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Andreas Hable

Andreas Hable

Berater ÖBB
Binder Grösswang (Wien): Dr. Andreas Hable (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Johannes Barbist (Regulatory/Competition; Innsbruck); Associates: Dr. Christian Zwick (Corporate/M&A), Dr. Regina Kröll, Alexander Sporer (beide Regulatory/Competition; beide Innsbruck; beide Rechtsanwaltsanwärter) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Wien): Lukas Pinterits (Leiter Beteiligungsmanagement; Rail Cargo Austria), Dr. Karl Frewein (Leiter Wettbewerbs- und Kartellrecht; Rail Cargo Austria), Matthias Hell (Legal Counsel; Rail Cargo Austria), Susanne Semtner (Legal Counsel; ÖBB-Holding), Teresa Presich (Legal Counsel, ÖBB-Holding)

Hintergrund: Der Fellner Wratzfeld-Partner Markus Kajaba begleitet Stadler Rail schon länger in gesellschaftsrechtlichen Fragen in Österreich. In der Schweiz zählt Thomas Schmid zu den langjährigen Beratern des Schienenfahrzeugherstellers. Er betreute den Konzern bereits bei seiner früheren Einheit Staiger Schwald & Partner. Deren Praxisgruppen Corporate/M&A und Geistiges Eigentum schlossen sich im Jänner mit der Kanzlei BCCC, ehemals Bianchi Carnicé Christin & de Coulon zusammen. Die neue Kanzlei BianciSchwald beschäftigte im April an ihren vier Standorten Genf, Lausanne, Zürich und Bern rund 50 Anwälte.

Bei einem Joint Venture mit dem polnischen Bushersteller Solaris griff Stadler Anfang 2016 für die fusionskontrollrechtliche Beratung in Deutschland auf Graf von Westphalen zurück. Deren Frankfurter Partner Christian Kusulis meldete das Gemeinschaftsunternehmen beim Bundeskartellamt an.

Binder Grösswang zählt die ÖBB zu ihren langjährigen Mandanten. Ihr Innsbrucker Partner Johannes Barbist betrieb maßgeblich das aufwändige Zusammenschlussverfahren gegenüber der EU-Kommission für das Joint Venture mit Stadler. Darin stand der Wartungsmarkt für Schienenfahrzeuge im Mittelpunkt. Im Öffentlichen Recht mandatiert die ÖBB reglemäßig auch Fellner Wratzfeld-Partner Dr. Michael Hecht, zuletzt etwa in den gerichtlichen Auseinandersetzungen um den Semmering Basistunnel.

Bei der ÖBB arbeiteten die Rechtsabteilungen der Tochtergesellschaft Rail Cargo Austria und der ÖBB-Holding gemeinsam an dem Projekt. (Raphael Arnold)

  • Teilen