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02.11.2017

Großinsolvenz: Haas Elektro saniert mit Preslmayr und Lesigang

Der niederösterreichische Elektrohändler Haas ist insolvent, betroffen sind rund 160 Gläubiger und 154 aktuell beschäftigte Mitarbeiter. Laut Masseverwalter Dr. Matthias Schmidt von der Wiener Kanzlei Preslmayr soll der Betrieb weitergeführt werden. Ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung wurde Ende Oktober am Landesgericht Korneuburg eröffnet.

Matthias Schmidt

Matthias Schmidt

Die Passiva belaufen sich auf rund 36,6 Millionen Euro, denen Aktiva von 2,6 Millionen gegenüber stehen. Die Lieferantenverbindlichkeiten betragen rund 7,5 Millionen Euro. Als Insolvenzgrund wurden neben sinkenden Umsätzen die restriktiven Versicherungsbedingungen von Seiten der Kreditversicherer angegeben. Der Verwalter bietet den Gläubigern 20 Prozent ihrer Forderungen, zahlbar binnen zwei Jahren. Gläubiger können bis 15. November über den KSV 1870 Forderungen anmelden.

Der Sanierungsplan sieht vor sowohl den Hauptsitz in Gerasdorf bei Wien sowie das Geschäft in der Shopping City-Süd (SCS) Vösendorf zu erhalten. Um Kosten zu senken, sollen die Verkaufsfläche in der SCS und die Produktpalette in der Unterhaltungselektronik reduziert werden. Im Gegenzug wird eine stärkere Positionierung als Küchen- und Möbelanbieter angestrebt. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten sollen zunächst Lieferengpässe behoben werden. Kündigungen sind nach Angaben des Masseverwalters nicht geplant.

Elektro Haas wurde 1968 von Herbert Haas gegründet. Im Sommer 2005 übernahmen die drei langjährigen Mitarbeiter, Josef Gass, Martin Pohl und Wolfgang Pelz das Unternehmen im Zuge eines Management Buyouts. Seit 2014 konzentriert sich Elektro Haas auch auf Küchen und Wohndesign. 2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatzes von knapp 58 Millionen Euro, schloss aber mit einem negativen Jahresergebnis ab.

Masseverwalter Haas Elektro
Preslmayr (Wien): Dr. Matthias Schmidt

Schuldnervertreter Haas Elektro
Dr. Michael Lesigang (Wien)

Hintergrund: Die Kanzlei Preslmayr hat traditionell einen Insolvenzschwerpunkt. Neben der Verwaltung und Schuldnervertretung übernimmt sie auch immer mehr komplexe Beratungsmandate wie die Beratung von FCC als Gesellschafterin im Insolvenzverfahren Alpine-Bau gegen Klagen des Masseverwalters. Schmidt tritt regelmäßig sowohl als Masseverwalter als auch als Schuldnervertreter auf. 2014 war er beispielsweise Masseverwalter der Tankstellenkette AWI und im Frühjahr 2017 verwaltete er die Insolvenz des Wiener Traditions-Fußballvereins First Vienna FC.

Als Schuldnervertreter entschied sich Haas Elektro für den Wiener Anwalt Lesigang. Der auf Insolvenzberatung und Unternehmenssanierung spezialisierte Jurist kam über eine Empfehlung ins Mandat. (Annette Kamps)