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25.04.2018

Im Gespräch mit Freshfields: „Von Verschlankung kann keine Rede sein“

Managing-Partner Dr. Helmut Bergmann und Standortleiter Dr. Thomas Zottl über die Zukunft des Wiener Büros von Freshfields Bruckhaus Deringer.

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Helmut Bergmann

JUVE: Im vergangenen Jahr ist Dr. Stefan Köck ausgeschieden, nun verlässt Dr. Günther Horvath die Kanzlei – wie sieht die aktuelle Personalstrategie für das Wiener Büro aus?

Helmut Bergmann: Das Ausscheiden von Günther Horvath erfolgt mit 65 Jahren aufgrund seiner Berufung in den Porsche-Aufsichtsrat. Darin zeigt sich die Wertschätzung für seine Person und seine Arbeit. Wegen unserer Mandatsbeziehungen zum VW-Konzern wären beide Positionen nicht miteinander vereinbar. Einzelfallbezogen werden wir mit ihm als selbständigem Anwalt weiterhin gerne zusammenarbeiten.

Aber vor allem in Deutschland scheiden oft auch jüngere Partner aus?

Bergmann: 65 Jahre stehen als Altersgrenze in unserem Sozietätsvertrag. Manche machen diesen Schritt schon etwas früher. Insgesamt reden wir hier von einem geordneten Generationswechsel. (siehe Übersicht)

Ist im Wiener Büro eine Verjüngung und Verschlankung der Partnerschaft wie in Deutschland geplant?

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Thomas Zottl

Thomas Zottl: Von einer Verschlankung in Wien kann keine Rede sein. Wir haben in Wien in den letzten drei Jahren jeweils einen Anwalt zum Partner ernannt, ausgeschieden sind lediglich Stefan Köck und Günther Horvath. Wir sind auf Partnerebene also gewachsen. Insgesamt sind wir aktuell rund 90 Juristen in Wien. Vor rund zwei bis drei Jahren waren wir noch 70.

Bergmann: Wien ist wirklich auf allen Ebenen eine Erfolgs- und Wachstumsgeschichte. Partner-Retirements sind zwar auch in Wien nicht ausgeschlossen, im Moment gibt es dazu aber nichts zu verkünden.

Was hat es mit dem Zugang von Sebastian Lawson aus dem Moskauer Büro auf sich?

Zottl: Um ihn herum wird eine Corporate-English-Law-Praxis in Wien aufgebaut. Dazu sind wir derzeit noch mit zwei Anwälten im Gespräch. Mittelfristig soll die Praxis zusammen mit der UK-Finance-Law-Praxis bis zu zehn Anwälte zählen. Damit kommen wir den Wünschen der Mandanten nach. Schließlich haben wir in Mittel- und Osteuropa überwiegend westeuropäische oder US-Mandanten, deren Transaktionen oft englischem Recht unterliegen.

Ist in Österreich wie in Deutschland eine weitere Fokussierung auf hochpreisiges Transaktionsgeschäft angestrebt, weshalb unter Umständen das Standalone-Geschäft einzelner Rechtsgebiete  zurückgefahren wird?

Bergmann: Das ist ein Missverständnis. Wir sind eine Full-Service-Kanzlei im Premiumsegment. Die Wichtigkeit einzelner Rechtsbereiche jenseits des reinen Transaktionsgeschäfts belegt etwa die jüngste Partnerernennung in Wien im Arbeitsrecht. Strukturell unterscheiden wir zwei Bereiche. Zum einen Transaktionen im weiteren Sinn, wozu zum Beispiel auch Restrukturierungen, Carveouts und Finanzierungen gehören, und zum anderen das Risk & Liability Management. Zu Letzterem gehört Dispute Resolution ebenso wie Global Investigations und Standalone-Bereiche wie Patentstreitigkeiten, Arbeits-, Kartell- und Steuer- sowie das Öffentliche Recht. Öffentliches Recht ist für uns u.a. wichtig, weil wir darüber Transaktions- und Investigationsmandate erschließen, da die Kompetenz in regulierten Märkten uns vom Wettbewerb abhebt.

Das Gespräch führte Claudia Otto.

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