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12.06.2018

Wienwert-Pleiten: Gläubiger müssen mit sehr niedrigen Quoten rechnen

Die Gläubiger der insolventen Wienwert-Gruppe müssen sich bis auf wenige Ausnahmen auf eine niedrige Quote oder einen totalen Verlust ihres angelegten Geldes einstellen – trotz des boomenden Immobilienmarktes. Ihnen bleibt die Hoffnung, dass Verantwortliche dafür haftbar zu machen sind.

Norbert Abel

Norbert Abel

Die zentrale Rolle unter den Masseverwaltern spielt Norbert Abel, der mit der WW Holding und der Wienwert AG betraut ist. Die Forderungen der rund 900 Anleihegläubiger vertreten die Kuratoren Dr. Georg Freimüller und Dr. Susi Pariasek.

Die Zahl der Betroffenen ist insgesamt noch etwas höher. Denn zu den Geschädigten gehören auch Immobilienanleger. Sie hatten in Bauherrenmodelle von Wienwert investiert, darunter die Projektgesellschaft für den Getreidemarkt 10. Über sie wurde ebenfalls ein Konkursverfahren eröffnet, Masseverwalterin ist dort Dr. Susanne Fruhstorfer. Zudem ist das Anwesen seit Oktober 2017 verkauft. 

Umstrittener Immobilienverkauf

Aus dem an sich schon strittigen Kaufpreis von 18,7 Millionen Euro gingen allerdings rund 2,45 Millionen Euro an die WW Holding statt an die Projektgesellschaft, so der Bericht der Masseverwalterin Fruhstorfer vom April. Den zugehörigen Kaufvertrag erstellte die Kanzlei Vavrovsky Heine Marth, sie war auch Treuhänderin bei der Kaufpreiszahlung.

Insgesamt belaufen sich die Forderungen der Gläubiger auf rund 79 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 35,3 Millionen auf die Anleihen. Noch im Sommer 2016 platzierte die Firma eine Teilschuldverschreibung mit Zinsen von 5,25 Prozent. Nach fünf Quartalen mit Zinszahlungen blieb der fällige Anteil im Februar 2018 aus. Bei Insolvenzeröffnung hatte Wienwert über die Anleihe gut 3,9 Millionen Euro eingesammelt. 

Das zugehörige Emissionsprogramm hatten Weber Rechtsanwälte und das Frankfurter Büro von White & Case beraten. Ebenfalls beteiligt war die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die den Immo­bilienbestand unter die Lupe genommen hatte.

Marketing seit Jahren im Visier

Wienwert warb damals mit „deutlich mehr Transparenz für Investoren“. Um genau diese stand es schon seit mehreren Jahren schlecht. Bereits im Herbst 2014 hatte der Verein für Konsumenteninformation vor dem Handelsgericht Wien geklagt, weil Wienwert Anlegern damals für eine Immobilienanleihe grund­bücherliche Sicherheit versprach, diese jedoch nicht ausreichend stellte. 

Angesichts der geringen Vermögenswerte geht es in dem Anlegerfall nun vor allem darum, ob frühere Rechtsge­schäfte anfechtbar sind und wer für die Vorgänge haftet. Entsprechende Klagen sind in Vorbereitung, auch die Zentrale Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen und Korruption in Wien ermittelt wegen des Verdachts auf Untreue und Bilanzfälschung. (Raphael Arnold)

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