Artikel drucken
23.08.2018

Aus Insolvenz heraus: Brandl & Talos-Mandant RIH kauft deutsche BOA-Gruppe

Der Wiener Beteiligungskonzern Ring International Holding (RIH) erwirbt die BOA-Gruppe, einen Automobil- und Luftfahrtzulieferer aus Baden-Württemberg. Deren deutsche Gesellschaft, BOA Balg- und Kompensatoren-Technologie, hatte im Februar einen Insolvenzantrag gestellt.

Roman Rericha

Roman Rericha

RIH sicherte sich in einem Bieterverfahren die komplette Gruppe mit sieben Standorten weltweit, davon zwei in den USA, einer in China und vier in der EU. Insgeamt arbeiten für das Unternehmen zirka 1.250 Beschäftigte. Der Umsatz belief sich zuletzt auf rund 200 Millionen Euro.

Die Insolvenz betraf unmittelbar lediglich die deusche Gesellschaft in Stutensee bei Karlsruhe mit 336 Mitarbeitern. Das operative Geschäft führte Insolvenzverwalter Joachim Exner auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Mai uneingeschränkt weiter. Unter anderem gelang es, einen Neuauftrag eines Automobilherstellers in Höhe von 80 Millionen Euro zu gewinnen.

Die BOA-Gruppe fertigt flexible mechanische Elemente wie Metallschläuche für die Fahrzeug- und Flugzeugindustrie sowie verschiedene industrielle Anwendungen in der Energietechnik oder der Chemieindustrie. Seit 2010 gehörte der Zulieferer zu dem US-amerikansichen Private-Equity-Haus AEA Invest, das damals zusammen mit dem Management eingestiegen war.

Metallsparte ausgebaut

RIH baut mit dem Zukauf die Beteiligungssparte Metallverarbeitung aus. Zu ihr gehören wichtige Zulieferer der Büroartikelindustrie, aber auch Firmen, die für die Auto- und Bauindustrie fertigen. Die Lacksparte hatte das Unternehmen 2016 zusammen mit einem Minderheitsgesellschafter für 572 Millionen Euro an den japanischen Konzern Kansai Paint abgegeben. Eine Übernahme des slowenischen Chemieherstellers Cinkarna Celje blies die Gruppe im Juni ab.

Bereits vor der Insolvenz hatte es 2017 einen Verkaufsversuch gegeben, der jedoch scheiterte. Bereits zu dem Zeitpunkt hatten mehrere Bieter Interesse an dem nun verkauften Industriebetrieb.

Georg Streit

Georg Streit

Berater RIH
Brandl & Talos (Wien): Roman Rericha (Federführung; Corporate/M&A, Finanzrecht); Associates: Martin Kollar, Sabine Schmidt, Julie Sugay, Christina Bernhart (alle Corporate/M&A; letztere beide Rechtsanwaltsanwärterinnen), Markus Arzt (Finanzrecht), Georg Gutfleisch (Regulierung; Rechtsanwaltsanwärter)
Heuking Kühn Lüer Wojtek (München): Prof. Dr. Georg Streit (Federführung), Fabian Bürk (beide Restrukturierung), Astrid Wellhöner (Arbeitsrecht); Associate: Dr. Kai Büchler (alle Restrukturierung)
Willkie Farr & Gallagher (Frankfurt): Dr. Axel Wahl (Corporate/M&A), David Mortlock (Washington; Global Investment & Trade), Dr. Christian Rolf (Arbeitsrecht), Jonathan Konoff (New York; Antitrust), William Thomas (Washington; Environment, Health & Safety); Associates: Christopher Clarihew (Finanzrecht), Karsten Silbernagel, Federica Pecorini (Mailand), Liza Scemama, Charles-Louis Pierron, Nicolas Bordes (alle Paris), Neesha Mallavarapu, Brian Palumbo (beide New York; alle Corporate/M&A), Tim Bulian, Martin Waskowski (beide Arbeitsrecht), Noman Goheer (Wahsington; Global Investment & Trade), Peter Coulson (New York; Arbeitsrecht)
Ernst & Young (Wien): Eva-Maria Berchtold (Financial Due Diligence), Andreas Sauer (Tax Due Diligence, Structuring); Associates: Alexander Horn (Financial Due Diligence), Gernot Ressler (Tax Due Diligence, Structuring), Manuel Scheffauer (Tax Due Diligence)
Inhouse Recht (Wien): Ralph-Leo Lanckohr (Vorstand), Dr. Zsofia Darabant (Head of Legal), Dunja Bljajic (Legal Counsel)

Joachim Exner

Joachim Exner

Insolvenzverwalung
Dr. Beck & Partner (Nürnberg): Joachim Exner (Insolvenzrecht)

Berater Insolvenzverwalter
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Stefan Sax (Restrukturierung; Federführung), Frederik Mühl (Private Equity, beide Federführung), Dr. Cristina Weidner (Restrukturierung); Associates: Diana Schulte-Stiefermann (Restrukturierung), Gerd Hegele (Private Equity)

Berater Geschäftsführung
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Matthias Tresselt (Restrukturierung), Dr. Frank Merten (Arbeitsrecht)

Alexander Ballmann

Alexander Ballmann

Berater Bankenkonsortium
Ashurst (München): Alexander Ballmann (Federführung; Restrukturierung, Insolvenzrecht), Dr. Karsten Raupach (Restrukturierung, Finanzierung), Dr. Dorothea Tachezy (Restrukturierung, Insolvenzrecht); Associates: Anna Geissler (Restrukturierung, Insolvenzrecht), Nikolos Tsagarelli (Restrukturierung, Finanzierung; Frankfurt)

Hintergrund: Für die Käuferin RIH führte die Stammberaterin Brandl & Talos mit Partner Roman Rericha das internationale Beraterteam. Die Kanzlei ist bei Transaktionen regelmäßig an der Seite der Gesellschaft zu sehen, so zuletzt auch beim gestoppten Übernahmeversuch bei Cinkarna Celje und dem Verkauf der Lacksparte. Beim Mandanten selbst führt die frühere Benn Ibler-Anwältin Zsofia Darabant seit Jänner das Rechtsressort. Sie übernahm die Position von Gunter Vesko.

Für das Insolvenzrecht war in der Transaktion Heuking-Partner Georg Streit zuständig, den RIH auf Empfehlung hin mandatierte. Einen Großteil der ausländischen Rechtsfragen, insbesondere in den USA und Frankreich, deckte ein internationales Willkie-Team um Partner Axel Wahl ab. Das Frankfurter Willkie-Büro und Brandl & Talos arbeiten in Transaktionen immer wieder zusammen. 2012 waren sie auf unterschiedlichen Seiten tätig, als EQT bei Sportradar einstieg. In den Niederlanden bearbeitete Loyens Loeff Rechtsfragen der Käuferin, in China die Kanzlei Zhong Lun.

Stefan Sax

Stefan Sax

Erstmals zusammengearbeitet

Der für seine Arbeit in der Autozulieferindustrie renommierte Insolvenzverwalter Joachim Exner hatte in dieser Transaktion erstmals ein Clifford-Team um Stefan Sax an seiner Seite. Das Mandat gewann Sax über einen Pitch, nachdem zuvor der Gläubigerausschuss eine Vorauswahl getroffen hatte. Außerhalb Deutschlands waren verschiedene Clifford-Büros für lokalen Rechtsfragen in die Transaktion eingebunden.

Aufseiten des Bankenkonsortiums um UniCredit Deutschland war Ashurst als Beraterin am Ball. Die Kanzlei berät die Großbank schon seit dem AEA-Einstieg 2010 zur Finanzierung der BOA-Gruppe.

Die BOA-Geschäftsführung verließ sich in insolvenz- und arbeitsrechtlichen Belangen auf die Gleiss Lutz-Anwälte Matthias Tresselt und Frank Merten. Sie hatten die Firmenleitung auch in den vorgelagerten, außergerichtlichen Sanierungsversuchen begleitet. Den Gesellschafter AEA Invest beriet vorinsolvenzlich Partner Jochen Wilkens von Freshfields Bruckhaus Deringer.

Als Notar beurkundete den Asset Deal Dr. Bernhard Schütz von WS Wicker Schütz in Frankfurt. (Raphael Arnold)

  • Teilen