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24.08.2018

Im Gespräch mit Döne Yalcin, CMS Istanbul: Mandanten warten erst einmal ab

Spätestens seit Donald Trump die Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppelt hat, verfällt der Kurs der türkischen Lira rasant. Wir sprachen mit Dr. Döne Yalcin, Equity-Partnerin des Wiener Büros von CMS Reich-Rohrwig Hainz und Managing-Partnerin des CMS-Büros in Istanbul, über die Reaktionen ihrer Mandanten auf die Wirtschaftskrise in der Türkei.

Döne Yalcin

Döne Yalcin

Frau Yalcin, wie schätzen Sie die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in der Türkei ein?
Döne Yalcin:
Der freie Fall der Währung konnte zwischendurch ein wenig aufgehalten werden, was natürlich ein gutes Signal ist. Es wurden wichtige Gespräche geführt – einerseits mit Katar, andererseits mit europäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich. Die Deutschen sind schließlich nach wie vor unter den vier wichtigsten Handelspartnern der Türkei. Aber es ist schwer vorherzusehen, wie sich das weiterentwickeln wird.

Mit welchen Fragen kommen Ihre Mandanten zu Ihnen?
Viele türkische Unternehmen haben Kredite in Fremdwährung aufgenommen, die in den Bilanzen der Unternehmen in lokaler Währung eingestellt sind. Der Verfall der türkischen Währung wirkt sich hier nachteilig aus und erhöht die Verbindlichkeiten. So kann es zu technischen Insolvenzen kommen, die wiederum Restrukturierungen nötig machen. Diesbezüglich entsteht derzeit ein erhöhter Beratungsbedarf.

Und Ihre österreichischen Mandanten?
Wir beraten unter anderem Mondi, Alpla, Swarco und Zumtobel in der Türkei. Panisch ist da keiner. Doch die Mandanten beobachten die Entwicklungen natürlich sehr genau und prüfen teilweise, ob sie vorbeugende Maßnahmen ergreifen müssen. Überdies ist auch jeder Unternehmer, der Waren in die Türkei liefert, von der Krise betroffen. Denn seine Produkte sind für den türkischen Abnehmer teurer. Das wirkt sich natürlich auf den Handel aus.

Wie sieht es mit laufenden Transaktionen aus?
Ein Thema sind sogenannte Material Adverse Change (MAC)-Klauseln, die unter anderem auch Währungsthemen abbilden und den Käufer vor erheblicher Abwertung des Kaufgegenstandes schützen sollen. Wenn sich also bei einer Transaktion zwischen Signing und Closing eine erheblich nachteilige Entwicklung einstellt, können Käufer von diesen Verträgen zurücktreten. Dann gibt es entweder einen Exit oder Nachverhandlungen.

Ein solch zögerliches Verhalten gab es auch schon 2017 beim bevorstehenden Referendum in der Türkei.
Tatsächlich haben einige Investoren bereits vor einem Jahr Projekte in die Warteschleife geschickt, weil sie erst einmal sehen wollten, was aus dem Ausnahmezustand wird beziehungsweise wie das Referendum verläuft. Erstaunlicherweise hatten wir heuer in der ersten Jahreshälfte unheimlich viele neue Anfragen. Mandanten haben Projekte aktiviert, für die wir teilweise vor einem Jahr Angebote abgegeben haben. Trotz aller Bedenken hat das Geschäft angezogen. Doch durch die Krise mit den USA und der Währungsentwicklung hat sich die abwartende Haltung bei den meisten wieder eingestellt. Es gibt aber auch Unternehmen, die die gegenwärtige Entwicklung als Chance sehen.

Inwiefern als Chance?
Ausländische Unternehmen, die langjährige Vertragspartner, wie zum Beispiel Handelsvertreter, in der Türkei haben, nutzen die Gelegenheit, nun günstig hier einzukaufen. Das unternehmerische Risiko ist dabei geringer, weil sie das türkische Unternehmen schon sehr lange kennen. Meist handelt es sich um kleinere Transaktionen, davon gibt es in der letzten Zeit aber recht viele.

Wen haben Sie denn in letzter Zeit in der Türkei begleitet?
Einer der aktuellen Mandanten ist der chinesische Kabelhersteller ZTT, den wir vor einigen Monaten beim Einstieg in den türkischen Markt begleitet haben. Laufend beraten wir Skytanking, für die sich der Markteinstieg sehr gut entwickelt hat.

Das Gespräch führte Annette Kamps

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