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08.08.2018

Vergaberecht: Renommierte Wiener Spezialkanzlei Heid Schiefer löst sich auf

Eine der führenden österreichischen Vergaberechtskanzleien zerbricht: Die beiden hoch angesehenen Experten Dr. Stephan Heid (51) und Martin Schiefer (47) gehen ab September getrennte Wege. Sie lösen ihre gemeinsame Gesellschaft auf und gründen jeweils eigene Kanzleien.

Stephan Heid

Stephan Heid

Als Grund nennen die langjährigen Kanzleipartner unterschiedliche Ansätze, wie sie ihr Geschäft inhaltlich und personell künftig aufstellen möchten. „Das sind zu 100 Prozent sachliche, unternehmerische Erwägungen“, sagt Stephan Heid. Beide neuen Kanzleien werden ihren Ausgangspunkt jedoch wieder im Vergaberecht haben. Die derzeit 15 Juristen werden sich voraussichtlich etwa zur Hälfte den beiden zu gründenden Einheiten anschließen.

Am bisherigen Standort in der Landstraßer Hauptstraße in Wien verbleibt Heids Kanzlei, deren Angebot auf seinen Branchenschwerpunkten bei Infrastruktur- und Bauprojekten fußen soll. Zu ihr wird auch die vor knapp zwei Jahren eingerichtete Sprechstelle in Oberndorf in Tirol gehören, die eventuell jedoch nach Innsbruck umzieht.

Eigene Ziele im Blick

Martin Schiefer

Martin Schiefer

Martin Schiefer geht mit seiner neuen Kanzlei an den Wiener Rooseveltplatz. Auch er erklärt den Schritt strategisch: „Jeder probiert, seine eigenen Ziele zu verfolgen“. Der Experte für Vergaben in den Sektoren Gesundheit, Verkehr und Telekom kündigt zugleich an: „Bei mir wird es teilweise eine neue Ausrichtung geben.“ Noch sei es jedoch für Details zu früh, unter anderem weil manche Personalien noch offen sind. Zuletzt zeichnete sich bei Schiefer ein stärkeres Engagement an der Schnittstelle von Vergabe- und Datenschutzrecht ab.

Seit ihrem gemeinsamen Start im Jahr 2000 hatte sich die Kanzlei Heid Schiefer rasant entwickelt und war zu einer der bundesweit wichtigsten Beraterinnen für große, komplexe Vergabeverfahren geworden. Noch 2016 setzten die Partner auf einen weiteren Ausbau und eröffneten kurz darauf die Sprechstelle in Oberndorf bei Kitzbühel. Auch bei wichtigen technischen Entwicklungen gehörte die Kanzlei zu den Vorreitern, etwa mit ihrer eigens entwickelten Onlinevergabeplattform. Unverändert blieb über die Jahre allerdings der Gesellschafterkreis, auch die Juristenzahl stagnierte seit Sommer 2016.

Früher ausgegründet

So verlief die Entwicklung auch nicht ohne Einschnitte. 2007 verließen Gunter Estermann und Dr. Ralf Pock die Kanzlei und gründeten in Wien eine eigene Einheit. Sie zählt heute ebenfalls zu angesehenen Beratern im Vergaberecht. Ende 2014 verließ außerdem Dr. Christian Fink die Kanzlei, er ist seither selbständig als Anwalt tätig.

Dass Heid und Schiefer eigene Kanzleien gründen, passt zu aktuellen Markttrends: Zum einen herrscht ein starker Preisdruck in der bieterseitigen Beratung von Unternehmen, auch weil hier Nichtjuristen ein Tätigkeitsfeld entdecken. Zum andern fällt inzwischen ein stärkeres Augenmerk auf Interessenskonflikte der Berater. Beides spielt kleinen Kanzleien mit niedrigen Kosten in die Hände. (Raphael Arnold)

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