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05.09.2018

Premiere: Conda bringt mit Schönherr digitalisierte Aktien auf die Blockchain

Die Crowdinvesting-Plattform Conda hat ihre eigenen Aktien digitalisiert und ermöglicht es damit, Namensaktien auf der Blockchain zu verwalten. Es handelt sich um die erste Digitalisierung von Anteilsscheinen einer österreichischen Aktiengesellschaft.

Thomas Kulnigg

Thomas Kulnigg

Zweck des Vorhabens war es, die Namensaktien mit digitalen Token zu verbinden und diese an die bestehenden Aktionäre auszugeben. In der Folge sollen diese Token es Conda-Nutzern erleichtern, Kapital über Crowdinvesting aufzunehmen und bereitzustellen.

Die CRWD-Token von Conda sind digitale Einheiten, die das Unternehmen an die Aktionäre ausgibt und auf der Basis eines Protokolls in der Blockchain verwaltet. Jeder dieser Token entspricht einer Stückaktie. Bei jeder Übertragung eines Tokens von einem Aktionär auf eine andere Person kommt es zu einem Eintrag in der Blockchain. Auf dieser Grundlage erfolgen auch Einträge im Aktienbuch der Gesellschaft. Der Transfer eines Tokens ist daher mit der Übertragung einer Aktie gleichgesetzt.

Condas Geschäftsmodll besteht darin, Unternehmen auf Finanzierungssuche und Kleininvestoren zusammenzubringen. Auf der Plattform präsentieren sich Start-ups genauso wie etablierte Mittelständler oder Immobilienprojekte, um Geldgeber von ihren Plänen zu überzeugen. Seit der Gründung von Conda im Jahr 2013 finanzierten mehr als 10.000 Investoren rund 100 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 24 Millionen Euro. Aktuell ist das Unternehmen neben Österreich in fünf weiteren mitteleuropäischen Ländern aktiv.

Von der Aktiendigitalisierung zum ICO

Will sich ein Unternehmen über die Plattform von Conda etwa finanzieren, fallen dabei Gebühren an, die mit den CRWD-Token zu begleichen sind. Ist das Interesse an Investitionen über Conda groß, würde sich dies also positiv auf das Initial Coin Offering (ICO) von Conda auswirken. Nach einem Vorabverkauf, bei dem rund eine Million Token augegeben wurden, hat Conda den ICO vorerst aufgeschoben. Der Crowd-Sale der Token soll nun im vierten Quartal 2018 stattfinden.

Mit dem für 2019 geplanten CRWD-Network, einem auf der Blockchain-Technologie basierenden Netzwerk an Crowdfinancing-Plattformen, will das Unternehmen dann länderübergreifende Standards für die Abläufe im Crowdfunding setzen. Dadurch sollen Investitionen in internationale Unternehmen einfacher werden. Denn Unternehmer sollen ihre Crowdfunding-Kampagne ohne großen Aufwand auf mehreren Plattformen länderübergreifend online stellen und damit weit mehr potenzielle Investoren erreichen können.

Berater Conda
Schönherr (Wien): Dr. Thomas Kulnigg (Federführung); Associates: Dr. Zurab Simonishvili, Sascha Smets (beide Rechtsanwaltsanwärter; alle Corporate/M&A)

Hintergrund: Schönherr betreut Conda seit etlichen Jahren, darunter immer wieder im regulatorischen Bereich. Schönherr-Partner Kulnigg beriet Conda auch zu ihrem ICO. Aus rechtlicher Sicht war die Maßnahme nach Anagben der Kanzlei herausfordernd, weil bisher die Frage der Zulässigkeit der Segmentierung von Namensaktien in Form von Token weder in der Fachiteratur noch höchstgerichtlich thematisiert oder geklärt wurde. Außerdem würden Richtlinien zu den Fragen der rechtlichen Implementierung der Digitalisierung von Aktien fehlen.

In Steuerfragen setzte das Unternehmen bezüglich des ICO auf TPA. (Claudia Otto)

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