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14.03.2019

Im Gespräch: Maria Scheibenreif zur ersten Förderrunde des Legal Tech Hub Vienna

Das erste Förderprogramm des Legal Tech Hub Vienna (LTHV) ist angelaufen. Die gemeinsame Initiative von sieben österreichischen Kanzleien hat fünf Plätze vergeben, zum Zug kamen Miso aus Schottland, AppByYou und Taxy.io aus Deutschland, Contractbook aus Dänemark und Jaasper aus Wien. Über die Auswahl und die Kriterien sprach JUVE mit der Jurorin Maria Scheibenreif (31), Investment Managerin bei Schneider Holding im niederösterreichischen Neunkirchen.

Maria Scheibenreif

Maria Scheibenreif

JUVE: Wie würden Sie die Unternehmen beschreiben, die sich für das Förderprogramm beworben hatten?

Maria Scheibenreif: Überwiegend handelte es sich um junge Unternehmen, die neue Produkte entwickeln. Etablierte Firmen waren weniger dabei. Mich hat überrascht, dass es 35 Interessenten gab und dass sie so breit international gestreut waren, von Brasilien über die USA und Europa bis nach Singapur.

Welche Rolle kam Ihnen in der Jury zu?

Neben den Vertretern der LTHV-Initiatoren in der Jury ging es für mich darum, als Beraterin den Blick eines Investors in die Auswahl einzubringen. Diese Anlegerperspektive hätte sonst gefehlt. Mit der Direktorin des Inkubationszentrums der TU Wien, Birgit Hofreiter, hatten die Kanzleien aber auch eine zweite externe Beraterin gewonnen, die Start-ups sehr gut kennt.

Welche Kriterien standen für Sie bei der Auswahl der Bewerber im Vordergrund?

Mir ging es zum einen darum, zu erfahren, wie das Team aufgestellt ist. Denn es ist entscheidend, dass es die nötige Kompetenz mitbringt und gut zusammenarbeitet. Das zweite Kriterium war das Produkt selbst. Es musste für mich absehbar sein, dass sich die IT-Anwendung gut in der Rechtsbranche einsetzen und erweitern lässt. Das bedingte, dass es sich nicht nur um eine Idee, sondern bereits um eine belastbare technische Lösung handelt.

Wie schätzen Sie die Fördermodule des LHTV ein?

Aus meiner Sicht ist das Programm sehr gut darauf ausgerichtet, was die fünf erwählten Unternehmen brauchen: ganz auf sie zugeschnittene Begleitung, wie ihre technischen Lösungen in der Rechtsbranche anwendbar und ausbaubar sind. Denn für die Entwickler ist es entscheidend, zu verstehen, wie die IT-Architektur in Kanzleien aktuell aussieht, wie die Prozesse dort ablaufen und wie Kanzleien neue IT einführen. Dieser aufwendige, individualisierte Ansatz ist bei diesem Accelerator-Programm auch das vielversprechende.

Das Gespräch führte Raphael Arnold.

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