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24.04.2019

Im Gespräch mit Dorda: „Was kann wie digitalisiert werden?“

Seit einem Jahr bilden Dr. Axel Anderl, Dr. Martin Brodey und Dr. Felix Hörlsberger gemeinsam das Management-Komitee von Dorda. Digitalisierung und Frauenföderung standen als erstes auf ihrer Agenda. Was sie bereits umsetzen konnten, verraten die drei im Interview.

Axel Anderl, Martin Brodey, Felix Hörlsberger (v.l.n.r.)

Axel Anderl, Martin Brodey, Felix Hörlsberger (v.l.n.r.)

JUVE: Vor einem Jahr sind Sie mit dem Ziel angetreten, die Kanzlei in die digitale Zukunft zu führen. Was haben Sie bislang umgesetzt?
Dr. Axel Anderl: Wir haben bereits viel in die IT-Infrastruktur investiert. Zudem arbeiten wir laufend an Lösungen, die gängigen Wege der Arbeit aufzubrechen und effizienter zu gestalten. Die Leitfrage lautet: Was kann wie digitalisiert werden?

Ist die 2018 gemeinsam mit sechs anderen Kanzleien ins Leben gerufene Legal-Tech-Initiative auch Teil der Strategie?
Anderl: Selbstverständlich. Selbst die größten Kanzleien Österreichs haben alleine nicht die notwendigen Ressourcen, um künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln. Das können wir nur gemeinsam. Wir haben soeben die ersten fünf Projekte ausgewählt, die künftig gefördert werden sollen. Damit bringen wir Innovation in die Kanzleien.

Was sind das für Projekte?
Anderl: Wir decken sämtliche derzeit wichtigen Themen ab. Beispielsweise Cloud-Lösungen, die in den Kanzleialltag integriert werden, um effizienter zusammenarbeiten zu können. Dabei gibt es natürlich jede Menge regulatorischer Fragen zu beachten.

An was arbeiten Sie abgesehen von Digitalisierungsthemen?
Dr. Felix Hörlsberger: Wir haben beispielsweise ein neues Feedbackprogramm eingeführt, die 270-Grad-Partner-Review, bei der Partner von Substituten und Konzipienten bewertet werden. Da geht es einerseits um Kritikfähigkeit der Partner …
Dr. Martin Brodey: … und andererseits um die Wertschätzung unserer Mitarbeiter. Denn wir wollen ihnen zeigen, dass wir ihr Feedback ernst nehmen. Wir als Management-Team sind übrigens als erstes evaluiert worden.

Mit welchem Ergebnis?
Brodey:
Das sind meist Dinge, die man selbst schon weiß. Man nimmt sie aber anders auf, wenn man sie von einem Dritten beziehungsweise objektiviert durch einen Evaluator hört.
Anderl: Ein weiteres großes Thema ist die Frauenförderung, die wir intensiviert haben und die Anwältinnen gezielt auf ihrem Karrierepfad begleitet. Das ziehen wir jetzt für die Substituten nach. Es gibt ein engmaschiges System mit viel Feedback, nicht nur für die Frauen. Wichtig sind dabei vor allem Transparenz und Sensibilität.

Gehören personelles Wachstum oder der Ausbau bestimmter Praxisgruppen ebenfalls zur Strategie?
Anderl: Jein. Die momentan hohe Auslastung bringt natürlich den Bedarf an personellem Wachstum mit sich. Allein in meinem Team sind wir ja inzwischen schon neun Juristen, eben weil es so gut läuft. Aber Wachstum an sich ist bei uns kein alleinstehendes Ziel, sondern muss strategisch passen oder sich durch die wirtschaftliche Entwicklung ergeben.
Brodey: Zumindest kein neuer strategischer Ansatz. Aus dem Transaktionsgeschäft sind immer schon neue Beratungsangebote entstanden, die wir dann ausgebaut haben, beispielsweise die Beratung im Automotive- oder Healthcare-Bereich.

Herr Hörlsberger, Sie arbeiten in Ihrer zweiten Amtszeit nun mit einem neuen Team zusammen. Was hat sich durch die neue Zusammensetzung geändert?
Hörlsberger: Eine spannende Frage. In einigen Bereichen hat sich deutlich etwas verschoben, die Aufgaben sind anders verteilt. Zudem hatten wir in der letzten Amtszeit gewichtige Abgänge – allen voran Stephan Polster –, für die wir dann eine Nachfolge suchen mussten. Das ist uns im konkreten Fall mit Heinrich Kühnert auch sehr gut gelungen. Jetzt haben wir diese Themen nicht und können dadurch Themen vorausschauender und strategischer als in der Vergangenheit angehen.

Worin unterscheiden sich die Herausforderungen heute von denen 2014?
Brodey: Durch die Digitalisierung gibt es einen generellen Umbruch am Markt. Durch Legal Tech stellt sich die Kostenfrage ganz neu. Auch der Markteintritt der Big Four hat Veränderungen gebracht. Auf solche Veränderungen gilt es, schnell und konsequent zu reagieren. Und das tun wir. Wegen unseres anhaltenden wirtschaftlichen Erfolges sind wir nun noch offener für weiteres Wachstum – sowohl von innen als auch, strategisch bewusst, von außen durch Lateral Hiring.

Das Gespräch führte Annette Kamps.

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