Artikel drucken
02.05.2019

IPO: Frequentis geht mit CHSH und Noerr an die Börse

Mit dem Spezialisten für Sicherheits- und Kommunikationssysteme Frequentis erlebt die Wiener Börse ihren zweiten IPO in diesem Jahr. Im Februar hatte das Biotech-Unternehmen Marinomed erstmals Aktien im Segment Prime Market ausgegeben. Frequentis platziert nun vier Millionen Aktien parallel in Wien und an der Deutschen Börse in Frankfurt. Der Ausgabepreis liegt bei 18 bis 21 Euro pro Aktie.

Clemens Hasenauer

Clemens Hasenauer

Das Unternehmen bietet im ersten Schritt 2,7 Millionen Inhaberaktien an. Davon stammen bis zu 1,2 Millionen neue Anteilsscheine aus einer Kapitalerhöhung, die restlichen 1,5 Millionen vom Aufsichtsratsvorsitzenden Johannes Bardach. Bei einer Überzeichnung stehen weitere 400.000 Aktien aus Bardachs Bestand zur Zuteilung zur Verfügung. Bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption liegt der erwartete Bruttoemissionserlös zwischen 21 und 25 Millionen Euro. Bereits im Vorfeld des Börsegangs gingen rund 900.000 Aktien für 18 Euro je Anteilsschein an ausgewählte Investoren.

Handel ab Mitte Mai geplant

Die Gründerfamilie Bardach bleibt nach dem Börsegang mit 66 Prozent Mehrheitseigentümer der Gesellschaft. Der Streubesitz soll mindestens 30 Prozent betragen. Die Angebotsfrist beginnt am 27. April und soll am 8. Mai enden, eine erste Notiz am Kurszettel ist für den 14. Mai geplant.

Als Joint Bookrunner und Joint Lead Manager begleiten den Börsengang die Commerzbank und die BankM, eine Tochter der Flatex Bank, die bis März als Fintech Group firmierte. Ein geplantes Joint Venture für Bankdienstleistungen zwischen ihr und der Österreichischen Post scheiterte im November 2018.

Frequentis entwickelt Flugsicherungssysteme und Kommunikationssysteme für Leitzentralen von Feuerwehren, Rettungsdiensten, der Polizei und der Bahn. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.800 Mitarbeiter und setzte im vergangenen Jahr knapp 286 Millionen Euro um. 20 bis 30 Prozent des Jahresüberschusses sollen künftig an die Aktionäre ausgeschüttet werden. 2018 erzielte Frequentis einen Gewinn von 11,8 Millionen Euro.

Für die Deutsche Börse bedeutet die Ankündigung einen Lichtblick, nachdem im ersten Quartal mehrere Unternehmen wieder zurückgerudert waren. Unter anderem zogen Traton und Continental ihre bereits angekündigten Börsegänge zurück.

In Wien herrschte im vergangenen Jahr Flaute, die Börse konnte keinen einzigen Neuzugang im Prime Market verzeichnen. Für ein laues Lüftchen sorgte Anfang 2019 die Einführung des Dritten Markts, ein spezielles Segment für Start-ups und KMUs in Wien.

Berater Frequentis
Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati (Wien): Dr. Clemens Hasenauer; Dr. Volker Glas (beide Bank- u. Kapitalmarktrecht)
Noerr (Frankfurt): Dr. Julian Schulze de la Cruz, Dr. Laurenz Wieneke (beide Federführung); Associate: Dominique Stütz (alle Kapitalmarktrecht)

Florian Khol

Florian Khol

Berater Commerzbank
Binder Grösswang (Wien): Dr. Florian Khol, Dr. Tibor Fabian (beide Federführung); Associate: Philipp Tagwerker (alle Bank- u. Kapitalmarktrecht)
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Bernd Singhof

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Das renommierte Kapitalmarktteam von CHSH steht nicht nur bei Kapitalerhöhungen, sondern auch bei Börsegängen regelmäßig an der Seite österreichischer Unternehmen. So beriet es 2014 gemeinsam mit dem Frankfurter Team um George Hacket von Clifford Chance die Immofinanz beim Börsegang ihrer Tochter Buwog. Für den letzten Börsegang in Wien, das Biotech-Unternehmen Marinomed, hatte Hacket jedoch Herbst Kinsky an seiner Seite, die das Unternehmen schon seit Jahren berät.

Mit Noerr arbeitet CHSH in vielen Rechtsgebieten regelmäßig zusammen, beide sind Mitglied im Anwaltsnetzwerk Lex Mundi. Noerr-Anwälte waren allein 2018 an sechs Börsegängen beteiligt. Erst vor wenigen Wochen brachten Wieneke und Schulze de la Cruz den Immobilienentwickler Gateway Real Estate an die Frankfurter Börse. Zur österreichischen Emittentin Frequentis kam Noerr über ihre Kontakte zur BankM.

Aufseiten der Finanzinstitute waren beim Frequentis-IPO die Kapitalmarktrechtler von Binder Grösswang für österreichische Rechtsfragen zuständig. Die Kanzlei hatte die Commerzbank schon häufiger bei Finanzierungen beraten und stand ihr auch bei den Rückkaufangeboten für ihre Heta-Anleihen zur Seite. Damals hatte sich die deutsche Großbank mit anderen ausländischen Investoren zur Ad-hoc-Gruppe zusammengetan, um nach der Pleite der Hypo Alpe Adria zumindest einen Teil des investierten Geldes zurückzubekommen. (Annette Kamps)

  • Teilen