Artikel drucken
18.06.2019

Arbeitnehmer am Start: VwGH stuft Lukas Müllers Sturz als Arbeitsunfall ein

Der Unfall des Skispringers Lukas Müller am Kulm in Mitterndorf war ein Arbeitsunfall. Das hat der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) in Wien entschieden. Damit hat der 27-Jährige Anspruch auf alle gesetzlichen Leistungen der Unfall-, Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung. 

Andreas Ermacora

Andreas Ermacora

Der Senat folgte mit der Entscheidung nicht den Vorinstanzen und lehnte die Sicht des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) und des Veranstalters Austria Ski WM ab, es habe sich um einen Freizeitunfall gehandelt. Müller war im Rahmen der Skiflug-WM am 13. Jänner 2016 als Vorspringer schwer gestürzt und hatte sich dabei eine Querschnittslähmung zugezogen. Seitdem kämpfte er darum, dass sein Sturz als Arbeitsunfall gilt, für dessen Folgen die Allgmeine Unfallversicherungsanstallt (AUVA) aufkommen muss.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte den Fall im vergangenen Jahr zugunsten des ÖSV beziehungsweise dessen Tochtergesellschaft entschieden, die Veranstalter der Weltmeisterschaft war. Es ließ die Revision jedoch zu, da es bislang keine höchstgerichtliche Entscheidung zur sozialversicherungsrechtlichen Situation von Einzelsportlern in weit verzweigten Vereins- beziehungsweise Verbandsstrukturen gibt. Entscheidend war für den Senat, dass der Sportler als Dienstnehmer auftrat. Mit dieser Einordnung Müllers als Arbeitnehmer liegt eine Versicherungspflicht vor, der ÖSV muss nun bei der AUVA Sozialversicherungsbeträge nachzahlen.

Arbeitnehmer können Arbeit nicht sanktionslos verweigern

Der Verwaltungsgerichtshof machte seine Entscheidung insbesondere am eingeschränkten Ablehnungsrecht fest. Während das Bundesverwaltungsgericht davon ausging, dass Müller als einer von knapp 20 Vorspringern seine Sprünge jederzeit sanktionslos hätte ablehnen können, ließ das VwGH diese Annahme nicht gelten. 

Aus Sicht des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) hat das Urteil weitreichende Folgen für den österreichischen Sport. Während beispielsweise Bundesligafußballer als Dienstnehmer gelten, fehle eine solche kollektivrechtliche Einordnung bislang für viele Einzelsportler, aber auch die Betreuer. Dienstnehmereigenschaften wie Gehalt, Weisungsgebundenheit und wirtschaftliche Abhängigkeit seien dort gleichermaßen gegeben. Einen Kollektivvertrag gibt es für diesen Bereich jedoch nicht.

Vertreter Lukas Müller:
König Ermacora Klotz & Partner (Innsbruck): Dr. Andreas Ermacora (Sportrecht/Prozessführung)

Vertreter ÖS/Austria Ski WM
Korn Rechtsanwälte (Wien): Rupert Schrammel (Sozialrecht/Prozessführung)

Verwaltungsgerichtshof, Wien
Dr. Heinz Bachler (Senatspräsident), Dr. Peter Strohmayer, Dr. Anglea Julcher, Leopold Berger, Michael Stickler (alle Hofräte)

Hintergrund: Im Laufe des Verfahrens hatte der Skispringer seinen Anwalt gewechselt. Nachdem er sich vor dem Bundesverwaltungsgericht von der Villacher Kanzlei Bucher Partner vertreten ließ, mandatierte er für die Revision den Innsbrucker Anwalt Dr. Andreas Ermacora von König Ermacora Klotz & Partner. Ermacora ist auf Sportrecht, insbesondere Ski- und Alpinunfälle, spezialisiert. Gepaart mit seinen Kenntnissen zu Schadenersatz und Patientenrecht bringt er zudem Erfahrung in der Verhandlung mit Krankenkassen und Sozialversicherungsträgern mit.

Der ÖSV blieb in den Instanzen seinem Anwalt Rupert Schrammel treu. Die Wiener Kanzlei Korn hatte bereits in der Vergangenheit für den Skiverband gearbeitet. (Annette Kamps)

  • Teilen