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03.06.2019

Verzockt: Größtes Poker-Casino Österreichs geht mit Stapf Neuhauser in Konkurs

Die Montesino Entertainment Group, der größte Betreiber von Poker-Casinos in Österreich, ist insolvent. Das Handelsgericht Wien hat ein Konkursverfahren eröffnet. Zum Masseverwalter wurde Dr. Christof Stapf bestellt. Schuld an der Pleite sollen Steuerschulden in Millionenhöhe sein.

Christof Stapf

Christof Stapf

Informationen über die Höhe der Passiva und die Anzahl der betroffenen Gläubiger liegen derzeit noch nicht vor. Laut Handelsregister sind 256 Mitarbeiter betroffen. Das Unternehmen wies 2017 Verbindlichkeiten von mehr als 130 Millionen Euro aus. Gläubiger können ihre Forderungen bis Mitte Juli 2019 anmelden.

Laut AKV und Creditreform wurde das Konkursverfahren aufgrund eines Gläubigerantrages eröffnet, den die Finanzprokuratur für das Finanzministerium stellte. Ausschlaggebend für den Antrag sollen Abgabenschulden gewesen sein.

Dies ist naheliegend: Vorangegangen waren der aktuellen Entwicklung jahrzehntelange Rechtsstreits wegen Abgabenforderungen, die Montesino-Geschäftsführer Peter Zanoni nicht begleichen wollte. Im März 2019 hatte Zanoni nach einer Meldung des ‚Kurier‘ einen Prozess in Vorarlberg verloren. Demnach sei dort eine Kriegsopferabgabe für seine Casinos in Höhe von 97,6 Millionen Euro fällig. 2016 schlitterte er bereits mit der CBA Spielapparate- und Restaurantsbetriebs GmbH in die Insolvenz.

Zankapfel Glücksspielabgabenpflicht

Insolvenzexperte Stephan Mazal von der Creditreform sagte bezüglich der Abgabenforderungen der Finanz: „Strittig war, ob die Schuldnerin der Glücksspielabgabenpflicht unterliegt.“ Mehrere Verfahren hätten bis zum Verwaltungsgerichtshof geführt. Gesetzliche Einschränkungen des Glücksspiels hätten bereits mehreren Glücksspielbetreibern die Geschäftsgrundlage entzogen.

Die Verantwortlichen der Gesellschaft sind der Auffassung, nicht der Glücksspielabgabe zu unterliegen. Wie in der Erklärung zur Bilanz des Jahres 2017 nachzulesen ist, seien sämtliche Gerichtsverfahren dazu 2017 noch anhängig gewesen. Beim Europäischen Gerichtshof hatten Unternehmen der Concord-Gruppe eine Schadenersatzklage gegen die Europäische Kommission über beinahe 322 Millionen Euro eingebracht. Die Klägerin wirft der Kommission unter anderem vor, die gebotene Aufsicht über die Republik Österreich unterlassen zu haben.

Zanoni gehören derzeit 13 Casinos, eines davon ist das Montesino, die anderen zwölf firmieren unter dem Namen Concord Card Casino (CCC). Mit Jahresende droht aber ohnehin das Aus für alle seine Betriebe, denn ab dann darf nur noch mit spezieller Lizenz gepokert werden.

Masseverwalter Montesino Entertainment Group
Stapf Neuhauser (Wien): Dr. Christof Stapf, Michael Neuhauser (Masseverwalterstellvertreter)

Schuldnervertreter Montesino Entertainment Group
Bachmann & Bachmann (Wien): Dr. Christian Bachmann – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Stapf ist Namenspartner der Wiener Sanierungs- und Insolvenzboutique Stapf Neuhauser. Die Bestellung zum Verwalter von Montesino ist das prominenteste Mandat seit längerer Zeit für ihn.

Über die Mandatsbeziehung von Bachmann & Bachmann und dem insolventen Unternehmen ist nichts bekannt. Die Wiener Kanzlei zählt neben den beiden Namenspartnern einen Rechtsanwalt. Schwerpunktmäßig beraten sie im Insolvenz- und Anfechtungsrecht, zu Unternehmenssanierungen sowie zur Entschuldung von Privatpersonen. (Claudia Otto)

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