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18.07.2019

Aderlass in Wien: Sechs Baker & McKenzie-Anwälte gründen neue Kanzlei

Baker & McKenzie steht in Wien vor einem Einschnitt: Die erfahrenen Salary-Partner Dr. Wendelin Ettmayer (39) und Dr. Dieter Buchberger (44) verlassen die Kanzlei zum Monatsende zusammen mit vier weiteren Baker-Anwälten. Gemeinsam starten sie die neue Einheit Buchberger Ettmayer, die vom Start an elf Juristen zählen wird. Ziel ist es nach JUVE-Informationen, in Wien als Kooperationskanzlei von KPMG Law aufzutreten.

Dieter Buchberger

Dieter Buchberger

Die Schwerpunkte der neuen Kanzlei lassen sich an den Arbeitsbereichen der beteiligten Partner ableiten: Gesellschaftsrecht und M&A ist ein Fokus von Ettmayer, der bei Baker & McKenzie in den vergangenen Jahren zu den sichtbarsten M&A-Beratern zählte und im Frühjahr den französischen Technikdienstleister Spie beim Kauf von Christof Electrics beriet. Den dänischen, börsenotierten IT-Dienstleister Simcorp begleitet ein Team um Ettmayer derzeit beim Kauf der Softwareschmiede AIM.

Buchberger hat einen Schwerpunkt im Bank- und Finanzrecht. Zu seinen wichtigen Mandanten zählte in den vergangenen Jahren der Vermögensverwalter Amundi. Diesen beriet Buchberger unter anderem zu österreichischem Recht, als Pioneer Investments für 3,5 Milliarden Euro von der UniCredit an den französischen Konzern ging.

Zusammen mit den beiden Namensgebern beteiligen sich auch der anerkannte Kapitalmarktrechtler Stefan Arnold sowie die Arbeitsrechtsexpertin Elisabeth Wasinger und der auf Vergaberecht spezialisierte Dr. Franz Arztmann mit kleineren Anteilen an der neuen Kanzlei. Sie wird somit fünf Partner zählen. Auf Anwaltsebene folgt ihnen außerdem Stephanie Sauer, und von PHH Prochaska Havranek stößt die Gesellschaftsrechtlerin Karin Bruchbacher hinzu. Zudem schließen sich drei Konzipienten der Kanzlei an, die zuvor bei Baker & McKenzie arbeiteten.

Full-Service-Kanzlei geplant

Wendelin Ettmayer

Wendelin Ettmayer

Von KPMG kommt zusätzlich der Steuerberater und Anwalt Dominik Pflug. Im Gebäude der Big-Four-Gesellschaft, dem früheren Austria Tabak-Sitz in der Porzellangasse, wird die Kanzlei Buchberger Ettmayer auch ihren Sitz haben. Das liegt auf einer Linie mit JUVE-Informationen, nach denen die Einheit künftig als Kopperationskanzlei von KPMG Law auftreten wird.

Nach eigenen Angaben zielt Buchberger Ettmayer darauf ab, in den kommenden Jahren weitere Rechtsgebiete aufzubauen, unter anderem Compliance, Kartellrecht, Immobilien und Geistiges Eigentum. Mittelfristig ist eine Kanzlei mit 20 bis 25 Juristen geplant, die sich vor alllem auf die Beratung konzentrieren soll. Entgegen Marktinformationen ist offiziell keine Rede von einer geplanten Kooperation mit KPMG Law. Auch KPMG wiederholte, sie wolle weiter an der Strategie festhalten, mit verschiedenen Rechtsanwaltskanzleien zusammenzuarbeiten.

Harter Schlag für Baker & McKenzie

Für das Wiener Büro der internationalen Großkanzlei sind die Abgänge ein Aderlass. Denn insgesamt verliert die Kanzlei erneut neun Juristen, darunter mit Buchberger einen der drei Managing-Partner. Erst im März war ein sechsköpfiges Immobilienrechtsteam um Dr. Stephan Größ zu Pelzmann Gall Größ gewechselt. Noch im Juni 2018, zum Ende des vorangegangenen Geschäftsjahres, zählte die Kanzlei in Wien auf Vollzeitbasis 39 Juristen.

Deutlich ablesen lässt sich die Tragweite an der Corporate- und M&A-Praxis selbst: Hier geht fast die Hälfte der Juristen, es bleiben neben dem Namenspartner Dr. Gerhard Hermann und der Salary-Partnerin Dr. Eva-Maria Ségur-Cabanac ein Anwalt und zwei Konzipienten.

Managementteam im Umbruch

Im Management des Standorts kehrt damit seit Sommer 2017 ebenfalls kaum Ruhe ein. Zuerst wechselte der Schiedsrechtler und neu ernannte Managing-Partner Dr. Stefan Riegler Anfang 2018 zu Wolf Theiss, sodass Hermann übergangsweise an die Spitze der Kanzlei rückte. Seit Mai 2018 bestand das Leitungsgremium dann aus Dr. Philipp Maier, Dr. Alexander Petsche und Buchberger. Von nun an werden Petsche und Maier den Standort zu zweit führen.

Strategisch sieht die Kanzlei in den Bereichen Gesellschaftsrecht und M&A keine Notwendigkeit umzusteuern. Personell fängt sie die Wechsel kurzfristig auf, unter anderem durch eine engere Zusammenarbeit mit den Standorten in Deutschland und der Schweiz. Bis Jahresende plant sie, die Verluste in Wien auszugleichen; als ein neuer Kollege kommt zum August Dr. Wolfgang Eigner von Pelzmann Gall Größ, der mit EY Law kooperierenden Wiener Kanzlei. Etwas anders sieht es im Bereich Immobilienrecht aus, das die Kanzlei stärker an die Corporate-Praxis anbinden und internationaler ausrichten will.

Das Fachgebiet Geistiges Eigentum wertete die Kanzlei zum Juli auf. Sie ernannte den IP- und IT-Spezialisten Dr. Lukas Feiler (36) zum Salary-Partner. Damit stärkte sie einen Bereich vor Ort, der für sie international wichtig ist. (Raphael Arnold, Annette Kamps)

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