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15.11.2019

Dachausbau verpfuscht: Pfandl verwaltet Herbitschek-Insolvenz

Die Baufirma Herbitschek mit Hauptsitz im oststeirischen Ratten hat Insolvenz angemeldet. Es handelt sich um ein Hauptverfahren im Sinne der Europäischen Insolvenzverordnung. Zum Masseverwalter bestellte das Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz Dr. Christian Pfandl von der dortigen Kanzlei Aschmann & Pfandl.

Christian Pfandl

Christian Pfandl

Betroffen sind rund 300 Mitarbeiter und 420 Gläubiger. Den Passiva von derzeit rund 13,9 Millionen Euro stehen laut den Gläubigerschutzverbänden KSV1870 und AKV Aktiva von 15,4 Millionen Euro gegenüber. Dabei handelt es sich allerdings um Buchwerte, die nur bei Fortführung des Betriebs gelten. Im Falle eines Konkurses dürften weitere Forderungen die Passiva deutlich in die Höhe treiben.

Der Sanierungsplan bietet den Insolvenzgläubigern eine Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Im Falle einer Zerschlagung läge die Konkursquote bei rund zehn Prozent. Die Chancen für eine erfolgreiche Sanierung sind allerdings hoch. So signalisierten die finanzierenden Banken bereits, das Unternehmen dabei zu unterstützen, den Betrieb fortzuführen. 

Mangelhaftes Dachausbauprojekt

Das Unternehmen ist im Baumeistergewerbe, der Zimmerei und Dachdeckerei tätig, bietet Gas-, Wasser-, Heizungs- und Elektroinstallationen an und betreibt einen Baustoffhandel. Ursache für die Insolvenz soll ein großes Dachausbauprojekt in Wien gewesen sein, bei dem laut AKV Mängel im Schallschutz aufgetreten sind und die vorgeschriebene Grenze von 48 Dezibel deutlich überschritten wurde. Die Sanierungskosten und die damit verbundenen Schadenersatzansprüche potenzieller Käufer dürften sich aus heutiger Sicht auf rund 500.000 bis eine Millionen Euro belaufen.

Stefan Weileder

Stefan Weileder

Das Unternehmen wurde 1915 gegründet. Neben seinem Hauptsitz in Ratten unterhält es Niederlassungen in Mürzzuschlag und Mönichwald. Zudem hält es Beteiligungen an der FHS Projektentwicklungs GmbH, der Herbitschek Bau-GmbH und der Herbitschek Projekt-GmbH sowie der Strocker Haustechnik GmbH. Diese sind allesamt nicht von der Insolvenz betroffen.

Masseverwalter Herbitschek
Aschmann & Pfandl (Graz): Dr. Christian Pfandl

Schuldnervertreter Herbitschek
Graf & Pitkowitz (Graz): Dr. Stefan Weileder

Besonderer Verwalter für Großprojekte
Kaan Cronenberg & Partner (Graz): Philipp Casper

Besonderer Verwalter für Arbeitnehmerbelange
Schneeberger & Partner (Hartberg): Bertram Schneeberger

Besonderer Verwalter zur Prüfung der Insolvenzforderungen und Aussonderungsrechte
Ortner (Graz): Herbert Ortner

Hintergrund: Masseverwalter Pfandl gehört in der Steiermark zu den angesehenen Insolvenzrechtlern. 2017 war er beispielsweise bei der Insolvenz des Stahl- und Fassadenbauunternehmens SFL Technologies beteiligt: Seine Kanzlei wurde zum besonderen Verwalter für die Führung sämtlicher Prozesse bestellt – mit Ausnahme von vier Verfahren am HG Wien (Gz. 40 Cg 8/17b, 65 Cg 17/17k, 19 Cg 48/17f und 35 Cg 48/17y) .

Schuldnervertreter bei der SFL-Insolvenz waren damals ursprünglich die Graf & Pitkowitz-Partner Stefan Weileder und Dr. Alexander Isola, sie gaben ihr Mandat allerdings Ende 2017 zurück. Weileder, der 2018 zum Equity-Partner ernannt wurde, konnte inzwischen eine Vielzahl von Verwaltungs- und Beratungsmandaten auf sich vereinen. Bei der Insolvenz des Garnherstellers Borckenstein Anfang 2019 war er etwa stellvertretender Masseverwalter.

Der für die Herbitschek-Insolvenz zum besonderen Verwalter für Großprojekte bestellte Kaan Cronenberg-Partner Casper war Masseverwalter als die SFL letztlich in Konkurs ging. Die Grazer Traditionskanzlei Kaan Cronenberg gehört in der Steiermark zu den häufig empfohlenen Adressen und ist mit den jüngeren Partnern Casper und Georg Wielinger auch im Insolvenzrecht bekannt. (Claudia Otto)

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