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27.11.2019

Fintech: Volkswagen Bank beteiligt sich mit Dorda an Credi2

Die Volkswagen Bank richtet ihr Kreditgeschäft stärker auf digitale Prozesse aus. Dazu beteiligt sich die Finanzsparte des deutschen Autobauers mit 20 Prozent an dem Wiener Start-up Credi2. Bekannt ist der 2015 gegründete Spezialist für digitale Finanzierungslösungen vor allem über seine Plattform Cashpresso.

Jürgen Kittel

Jürgen Kittel

Die Beteiligung an Credi2 ist für den Finanzierungsarm von Volkswagen Teil seiner Wachstumsstrategie, der Abschluss der Transaktion ist noch für 2019 vorgesehen. Das Kreditinstitut holt sich so vor allem technisches Know-how ins Haus. Es plant, mit den Softwarelösungen des Fintechs sein Kreditgeschäft stärker zu automatisieren. Verbraucher können ihre Kreditanträge komplett online einreichen, die Bank kann dann kurzfristiger über die Kreditvergabe entscheiden und so Kosten sparen. Zudem hofft die Bank, neue Produkte schneller einführen zu können.

Credi2 gewinnt mit der Beteiligung der Volkswagen Bank Zugang zu einem großen Kundensegment und der Erfahrung eines großen Kreditinstituts. Das Start-up bietet für Geldhäuser ein Baukastensystem an Lösungen zur digitalen Kreditvergabe. Dieses reicht von der Kundenerfassung, Risikoanalyse und Kundenkommunikation bis hin zum Mahnwesen. Über Cashpresso etwa vermittelt das Unternehmen bereits seit Herbst 2016 Kredite der Deutschen Handelsbank über bis zu 1.500 Euro.

Familie Reimann ebenfalls beteiligt

Mit der Volkswagen Bank erweitert Credi2 zugleich den Kreis seiner Anteilseigner. Zu ihnen zählt aktuell ein Speedinvest-Fonds, der deutsche Finanzinvestor Hevella Capital und Reimann Investors, die Beteiligungsgesellschaft eines Teils der deutschen Unternehmerfamilie Reimann.

Die Volkswagen Bank ist bei dem Autohersteller dem Geschäftsbereich Volkswagen Finanzdienstleistungen (VWFS) zugeordnet. In ihm sind Aktivitäten wie die Händler- und Kundenfinanzierung, das Flottenmanagement und das Bank- und Versicherungsgeschäft gebündelt; nicht dazu gehören die Porsche Holding Salzburg und die Marke Scania. Die Bilanzsumme von VWFS betrug 2018 rund 208 Milliarden Euro, das operative Ergebnis belief sich auf 2,6 Milliarden Euro. Weltweit zählt der Finanzdienstleister rund 16.300 Mitarbeiter.

Berater Vorkswagen Bank
Dorda (Wien): Dr. Jürgen Kittel (Corporate/M&A), Dr. Andreas Zahradnik (Bankaufsichtsrecht); Associates: Lukas Schmidt, Lukas Hermann (Rechtsanwaltsanwärter; beide Corporate/M&A), Christian Schöller (Bankaufsichtsrecht) – aus dem Markt bekannt

Thomas Kulnigg

Thomas Kulnigg

Berater Credit2
Schönherr (Wien): Dr. Thomas Kulnigg (Federführung), Markus Piuk (beide Corporate/M&A), Dr. Peter Feyl (Bank- und Finanzrecht/Kapitalmarktrecht), Bernd Rajal (Aufsichtsrecht), Dr. Michael Woller (IP-/Wettbewerbsrecht); Associates: Clemens Gaugusch (Corporate/M&A), Matthias Pressler (Bank- und Finanzrecht/Kapitalmarktrecht), Dr. Klaus Cavar (Arbeitsrecht), Maximilian Nutz (Corporate/M&A), Nina Zafoschnig (Aufsichtsrecht), Karin Pusch (Arbeitsrecht; letztere drei Rechtsanwaltsanwärter)

Hintergrund: Für den Einstieg bei dem Start-up aus Wien war bei Volkswagen Financial Services ein Team um den M&A-Spezialisten Daniel Pfeiffer zuständig, der sich um strategische Kooperationen kümmert. Auf den Dorda-Partner Kittel kam VWFS direkt zu. Als die VW-Tochter Electric Life im Sommer bei Has-to-be, einem Start-up für Software und Services von Elektroladestationen, einstieg, setzte der Autohersteller auf das Wiener Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer. Dorda hatte für den Konzern zuvor die Klagen österreichischer Anleger im Dieselskandal abgewehrt.

Schönherr hatte bereits vor dem Einstieg von VWFS für Credi2 gearbeitet. Der auf technologie- und digitalisierungsnahe Transaktionen spezialisierte Partner Kulnigg war hier jedoch erstmals in einer Finanzierungsrunde für das Unternehmen tätig. (Raphael Arnold)

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