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12.12.2019

Jetzt reichtʼs: Novomatic überlässt Casinos Austria-Anteil der Dorda-Mandantin Sazka

Der Glücksspielkonzern Novomatic hat genug von den anhaltenden Skandalen und gerichtlichen Auseinandersetzungen rund um die Casinos Austria (Casag). Er will seine Anteile von 17,2 Prozent an Mehrheitseigner Sazka verkaufen. Damit käme die tschechische Gruppe auf gut 55 Prozent. Es sei denn, die anderen Anteilseigner nutzen ihr Vorkaufsrecht – unter ihnen die Republik Österreich. 

Jürgen Kittel

Jürgen Kittel

Auch kartellrechtlich müssen die Transaktion noch alle Länder genehmigen, in denen die Unternehmen aktiv sind; dazu kommt die notwendige Zustimmung der jeweiligen Glücksspielaufsicht. Den mehrheitlichen Einstieg von Novomatic bei den Casinos Austria hatten die Wettbewerbshüter 2016 untersagt. So musste sich der Glücksspielkonzern letztlich mit einem Anteil von gut 17 Prozent zufrieden geben.

Novomatic-Chef Harald Neumann begründete den nun beschlossenen Verkauf damit, dass „die bisherige Eigentümerstruktur zu keiner zufriedenstellenden Entwicklung der Casinos Austria geführt“ habe. Tatsächlich hatte es zwischen Novomatic und Sazka immer wieder Auseinandersetzungen gegeben.

Diese gipfelten schließlich in der Hauptversammlung im Juni 2018, in der Sazka alle zwölf Kapitalvertreter stellen und damit die Republik aus dem Aufsichtsrat heraushalten wollte. Novomatic stimmte trotz eines Stimmbindungsvertrags dagegen, und Sazka klagte daraufhin beim Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer (ICC) auf Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe. 

Sidlo-Berufung umstritten

Schlagzeilen machte die Casag in den vergangenen Monaten jedoch vor allem durch Korruptionsvorwürfe. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelte zudem wegen des Verdachts, Novomatic habe dazu beigetragen, den FPÖ-Mann Peter Sidlo zum Finanzvorstand zu wählen. Dessen Partei habe im Gegenzug Entgegenkommen bei der Lizenzvergabe versprochen. Sidlo sei jedoch für den Job gar nicht geeignet gewesen. Es folgten Hausdurchsuchungen bei Novomatic-Chef Neumann, Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und Sidlo selbst.

Im September hatte der Aufsichtsrat deswegen eine interne Prüfung rund um die Vorstandsbestellung von Sidlo in Auftrag gegeben. Der Bericht der Wiener Anwaltskanzlei Schima Mayer Starlinger, der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG sowie ein von CMS Reich-Rohrwig Hainz erstelltes Gutachten kamen zu dem Ergebnis: Der Aufsichtsrat habe sich bei der Berufung Sidlos korrekt verhalten. Das half dem FPÖ-Politiker indes nicht mehr. Er wurde Anfang Dezember abberufen, um dem Ruf des Unternehmens nicht noch weiter zu schaden. 

Berater Sazka
Dorda (Wien): Dr. Jürgen Kittel (Federführung; M&A)

Elisabeth Stern

Elisabeth Stern

Berater Novomatic
Grohs Hofer (Wien): Dr. Elisabeth Stern
Schuppig Sporn & Winischhofer (Wien): Dr. Haig Asenbauer
Inhouse Recht (Gumpoldskirchen): Dr. Alexander Legat (Leiter Recht)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Novomatic und Sazka griffen beim geplanten Verkauf der Casag-Anteile auf die Berater zurück, die sie bereits beim Einstieg 2016 beraten hatten – Grohs Hofer-Partnerin Stern für Novomatic, Dorda-Partner Kittel für Sazka. Beide Anwälte sitzen aktuell im Aufsichtsrat der Casinos Austria, ebenso die Dorda-Partnerin Francine Brogyanyi.

Novomatic erweiterte inzwischen ihr Beraterteam in der Angelegenheit um Dr. Haig Asenbauer, den ehemaligen Anwalt von Niki Lauda. Novomatic war seit 2014 Sponsor des im Mai verstorbenen Ex-Rennfahrers und Unternehmers. (Annette Kamps)

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