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31.01.2020

Legal Tech in Wien: Dokumentenmanager in zweiter Accelerator-Runde ausgezeichnet

Der Legal Tech Hub Vienna (LTHV) hat als Abschluss seines zweiten Accelerator-Programms zwei Start-ups ausgezeichnet: Der Hauptpreis über 15.000 Euro ging an Bigle Legal, ein Unternehmen aus Barcelona, das eine Plattform zum Dokumentenmanagement betreibt.

Alric Ofenheimer

Alric Ofenheimer

Neben dem spanischen Anbieter durchliefen vier weitere Jungunternehmen das halbjährige Programm des LTHV: 360Kompany (Österreich), Smart Oversight (Luxemburg), Juralio (Schottland/Niederlande) und Closd (Frankreich). Das Pariser Start-up mit seinem Transaktionsmanager erhielt den Publikumspreis.

Das spanische Start-up Bigle Legal betreibt eine Plattform, die als Software-as-a-Service (SaaS) funktioniert. Neben der Rechtsbranche wendet sich die Softwareschmiede auch an Rechtsabteilungen und Notariate sowie an die Immobilienbranche.

Der LTHV ging diese zweite Accelerator-Phase gezielter an als die erste. Bereits die Ausschreibung gab zwei Themenbereiche vor: Kundenidentifizierung (KYC) und digitale Dokumente und Zusammenarbeit. Aus Sicht von Dr. Alric Ofenheimer, Partner bei Eisenberger & Herzog, war das eine der Lehren aus dem ersten Programm. Dieser thematische Fokus habe es erlaubt, mit klareren Kriterien unter den Interessenten auszuwählen. Insgesamt hatten sich mehr als 40 Unternehmen aus zwölf Ländern beworben.

Während des Accelerator-Programms im Herbst habe das außerdem erlaubt, eingehender mit den Unternehmen zu arbeiten und so die Produkte weiterzubringen, sagt Ofenheimer. Dazu habe auch beigetragen, dass die teilnehmenden Kanzleien jeweils ein Start-up enger begleiteten.

Für die anstehende dritte Runde des Accelerators könnte sich Ofenheimer vorstellen, vor der Auswahl der fünf Unternehmen eine größere Gruppe von Kandidaten genauer unter die Lupe zu nehmen. Schließlich hätten die Anwälte in den Kanzleien nun auch deutlich bessere Kenntnisse und mehr Erfahrung. In den Kanzleien hätten sich diese zudem zu Gruppen zusammengefunden, sodass das Engagement auf mehr Schultern ruhe.

Zwei Kanzleien zogen sich zurück

Allerdings haben sich auch zwei Kanzleien aus der Gründerriege des 2018 ins Leben gerufenen LTHV zurückgezogen, obwohl sie die Initiative für zukunftsweisend halten: Wolf Theiss und PHH Prochaska Havranek. Wolf Theiss-Partner Dr. Erik Steger begründete den Rückzug unter anderem mit dem hohen Zeitaufwand. PHH plant, die Digitalisierung der Kanzlei stärker auf eigene Faust voranzutreiben. Dem LTHV angeschlossen haben sich in den vergangenen beiden Monaten dagegen der juristische Fachverlag Manz und der Softwareanbieter JurXpert, jeweils als Lab-Partner.

Der Gewinner des Publikumspreises aus dem ersten Accelerator-Programm 2019, Contractbook, sicherte sich inzwischen eine Venture-Capital-Finanzierung von 3,5 Millionen Euro. In das dänische Unternehmen investierten unter anderem die Google-Tochter Gradient Ventures und der skandinavische VC-Fonds Byfounders. (Raphael Arnold)

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