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19.02.2020

Insolvenzrecht: Restrukturierungsberater reagieren auf sinkende Zahl der Firmeninsolvenzen

Die gute wirtschaftliche Lage in Österreich hat für Restrukturierungsberater und Insolvenzverwalter wenig Positives: Es gab so wenige Verfahren wie noch nie, die Zahl der Firmeninsolvenzen stagnierte und die Passiva gingen sogar deutlich zurück. Doch viele Praxen haben sich darauf eingestellt und setzen auf die lukrative vorinsolvenzrechtliche Beratung.

Als mögliche Ursache für die anhaltende Flaute bei den Insolvenzanmeldungen verweisen viele Kanzleien auf die Niedrigzinsphase: Sollten die Zinsen anziehen, würde auch die Zahl der Insolvenzen zunehmen. 2019 stabilisierte sich die Zahl der insolventen Unternehmen in Österreich dem Gläubigerverband KSV 1870 zufolge mit insgesamt 5.018 praktisch auf dem Vorjahresniveau. Große Insolvenzen gab es 2019 dennoch einige, auch wenn keines an die größten drei des Vorjahres mit Waagner-Biro und Niki Luftfahrt an der Spitze heranreicht. Einige der großen Fälle betreffen die auch in den Nachbarstaaten Deutschland und Tschechien typischen Problembranchen. So beschäftigte etwa schon 2018 Modehändler Charles Vögele (Austria) die Grazer Kanzleien Scherbaum Seebacher und Graf & Pitkowitz. Auch die im Strukturwandel befindliche Autobranche hinterließ ihre Spuren: Die Firmengruppe HTI etwa scheiterte mit ihrer Leichtmetallgießerei Gruber & Kaja High Tech Metals (Masseverwalter: Wildmoser Koch) und der HTI High Tech Industries (Masseverwalter: Haslinger Nagele; Schuldnervertreterin Stapf Neuhauser).

Zahlreiche ursprünglich auf die Verwaltung konzentrierte Kanzleien erobern vor dem Hintergrund niedriger Verfahrenszahlen in den letzten Jahren bereits den Markt der vorinsolvenzlichen Beratungen. Dr. Engelhart & Partner beispielsweise hat dies gleich mit dem Generationswechsel verbunden. Da ein großer Teil der Restrukturierungen ohnehin bereits außergerichtlich geregelt wird, haben die vielfach in Großkanzleien ansässigen Sanierungsberater gegenüber den ‚reinen‘ Verwaltereinheiten an Präsenz gewonnen. Kanzleien wie CMS Reich-Rohrwig Hainz oder DLA Piper können in einem aktuell schwachen Markt ihre Restrukturierungskompetenz und -kapazität praxisübergreifend auch für (noch) gesunde Finanzierungen oder M&A nutzen. Innerhalb der großen M&A-Einheiten wie Freshfields Bruckhaus Deringer verschiebt sich der Anteil der Distressed-Beratungen hauptsächlich konjunkturbedingt. (Claudia Otto, Ludger Steckelbach)

Mehr über aktuelle Entwicklungen und die JUVE-Rankings von Kanzleien auf diesen Gebieten finden Sie im Kapitel Insolvenz und Restrukturierung sowie im aktuellen JUVE Magazin für Wirtschaftsjuristen in Österreich.

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